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In a Valley of Violence (2015)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 11.01.2017, seitdem 435 Mal gelesen



„Heavy Rotation im Sattel"

Was haben Western und Vinyl gemeinsam? Rein gar nichts möchte man beinahe wie aus der Pistole geschossen antworten. Nun, beides ist von einer nostalgischen Patina überzogen, die wehmütig großen Zeiten nachtrauert. Beides ist aber trotz seiner vermeintlichen Antiquiertheit einfach nicht tot zu kriegen, mehr noch, seit Jahren kommt es zu einer unerwarteten Renaissance - Tendenz steigend.

Natürlich ist man sowohl bei Plattenverkäufen wie auch bei den Pferdeopern nach wie vor meilenweit von der früheren Pole-Position entfernt, für reines Spartendasein und Exotentum sind die Zuwachs- und Ausstoßraten aber definitiv zu hoch. Der Western steht gegen die Übermacht sündteurer CGI-Schlachten und Fantasy-Spektakel auf verlorenem Posten, aber den verteidigt er zunehmend standhaft. Vor allem bei den Stars genießt das Genre offenbar nach wie vor einen ausgezeichneten Ruf. Denzel Washington, Leonardo DiCaprio, Christian Bale und Russel Crowe haben alle schon mal den Colt umgeschnallt.
Immer wieder reicht es so auch mal zum Sprung auf die große Leinwand („Die glorreichen Sieben", „Hateful 8", „The Revenant", „Todeszug nach Yuma"), noch häufiger aber wird der Heimkinomarkt mit wertigen Produktionen versorgt. In jüngster Zeit haben sich zahlreiche bekannte Namen in den Sattel geschwungen (Nathalie Portman un Ewan McGregor in "Jane got a gun", Kiefer und Donald Sutherland in „Forsaken", Woody Harrelson und Liam Hemsworth in „Das Duell", Kurt Russel in „Bone Tomahawk") und die Gattung um mehr als bloße, moderne Fingerübungen bereichert.

„In a Valley of Violence" gehört zweifellos in diese Reihe und zwar nicht nur, weil Ethan Hawke und John Travolta sich hier duellieren, sondern weil Regisseur Ti West sich geschickt zwischen Respekt und Innovation bewegt. So mixt er sein Faible für absurden Humor und plötzliche Gewaltspitzen mit klassischen Westernmotiven wie einem verschlafenen Nest im Nirgendwo, das von einem zwielichtigen Potentaten (Travolta)regiert wird. Dieses fragile Gleichgewicht gerät in Gefahr, als ein Fremder (Hawke) in die Stadt kommt, der sogleich als Bedrohung empfunden wird.  
West bricht diese altbekannten Schemata immer wieder durch unerwartete Wendungen auf und unterläuft so gängige Erwartungshaltungen. Ob Pistolenduell, das schutzbedürftige junge Mädchen oder die Reaktion des Vaters auf den missratenen Sohn, stets macht der Film einen kleinen, aber unerwarteten Schlenker. Trotz humoristischer Brechungen bleibt der Grundton aber todernst, eine parodistische Aushöhlung findet zu keinem Zeitpunkt statt.

Dafür sorgt schon die geradezu klassische Bildgestaltung weiter Panoramashots und ruhiger Kamerafahrten durch die Kulisse der eigens in New Mexico errichteten Westernstadt. Gedreht wurde auf 35 mm Film, was den analogen Retro-Look zusätzlich verstärkt. Jeff Grace, der schon häufiger mit West zusammen arbeitete, schrieb dazu einen an Morricone angelehnten Score.
Überhaupt ruft das begrenzte Setting, die simple Grundhandlung mitsamt unaufgeregtem Erzähltempo und der allgegenwärtige Nihilismus Erinnerungen an Leones ersten Italo-Western wach. Hier wie dort ist der Protagonist ein unbekannter Fremder mit zwielichtiger Vergangenheit und nebulösen Zukunftsplänen. Man ahnt, dass ihn ein dunkles Geheimnis umgibt und sein erwartetes Heldentum mindestens brüchig ist. Ethan Hawke ist dafür wie geschaffen, hat er doch schon häufiger gebrochene und in sich gekehrte Figuren gespielt, die plötzlich explodieren können. John Travolta gibt seinen Gegenpart ähnlich undurchsichtig, so dass die psychologische Grundspannung bis zum Ende anhält.    

Ein Film für Nostalgiker also, aber ebenso für Genrefreunde, die sich an kleineren Mutationen oder Abschweifungen erfreuen können. Wie die gute alte Schallplatte, ist auch der gute alte Western wieder ein vogue, gerade weil er es schafft, (Alt-)Bewährtes in neuem Glanz zu präsentieren. Gerade das nicht Komplexe, das Entschleunigte und Verlässliche sind dabei die größten Stärken in einer Zeit, in der alles nur noch für Sekundenbruchteile relevant scheint.  


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