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Ball & Chain - Zwei Nieten und sechs Richtige (2002)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 28.03.2009, seitdem 252 Mal gelesen
Geht es um harte Actionkrimis, so ist auf Frankreich häufig Verlass – wollen die Franzosen allerdings Action und Comedy mixen, so ist das Ergebnis häufig sehr eigenwillig.
Hier also mal wieder ein Buddymovie mit einem harten Typen und einem Blödian, das erinnerte an frühere Depardieu-Vehikel aus Frankreich. Der harte Kerl ist hier der Gangster Moltes (Gerard Lanvin), der hochgenommen wird, als er einen Spitzel umnietet. Dieser ist jedoch der Bruder eines Gangsters, der nur als Der Türke (José Garcia) bekannt ist, der Rache schwört. Überraschend harter Tobak, denn einer der Heroen präsentiert sich in der Auftaktsequenz als eiskalter Killer und dieses Verhalten wird auch nie vom Film entschuldigt.
Im Knast lernt er Buddy Nr. 2 kennen, den großmäuligen Gefängniswächter Francis Reggio (Benoit Poelvoorde). Der wird von seiner Frau und seinen Kollegen nur unterdrückt, gibt aber pflichtbewusst Moltes’ Lottoscheine ab. Tatsächlich gewinnt dieser Millionen – dumm nur, dass Reggios Frau den Coupon hat und nach einem Streit gen Afrika abgebraust ist. Da stellt „Ball & Chain“ kurz diverse Vorurteile bezüglich häuslicher Gewalt auf den Kopf, denn Reggios Versuch einen auf Macho zu machen, bekommen ihm gar nicht gut.
Moltes bricht aus, da er sich bestohlen wähnt und sackt Reggio ein. Beide wollen gemeinsam nach Afrika, den Lottoschein wiederholen. Allerdings sind ihnen die Behörden und Moltes’ Feinde auf den Fersen...
„Ball & Chain“ liefert ähnlich überdrehte Action-Comedy-Kost wie „Ruby & Quentin“ oder die „Taxi“-Filme, womit physikalischer Realismus und ähnliche Konzepte über Bord geworfen werden. Bei Prügeleien fliegen die Gegner schon mal megaweit, häufig arten die Actionszenen in groben Slapstick aus, doch der Aufwand ist beachtlich, z.B. bei einem Riesenradzusammenbruch der rollenden Sorte oder einem aufwändigen Tuareg-Überfall am Ende des Films. Zwar sind die Pausen zwischen den Actionszenen teilweise etwas lang, gelegentlich beißen sich Komik und Gewalt etwas, doch hier kann „Ball & Chain“ definitiv punkten.
Wesentlich eigenwilliger ist da der Humor, der zumindest bei mir nur teilweise zünden konnte. Gerade Reggios dauerndes Gemaule und seine nicht enden wollenden Aufschneidereien sind nach einer Weile doch recht nervig, auch Klamauk wie Liegestütze ohne Benutzung der Hände fällt selbst aus diesem überdrehten Rahmen. Nett die Anspielung auf Beißer und die Bondfilme, klischeehaft hingegen die dauerbekifften Helfershelfer des Bösewichts in Afrika. Insofern liegt das meiste komische Potential bei Moltes, der Probleme meist direkt mit der Faust löst, was immer wieder zu amüsanten Momenten führt, in denen ihm irgendwelche Leute dumm kommen wollen.
Die production values sind dafür recht hoch, wenngleich einige durchschaubare CGI-Tricks nicht gegen US-Produktionen anstinken können, und auch das Tempo ist recht rasant. Das ist auch gut so, denn wirklich große erzählerische Kniffe hat die Lottoschein-Hatz nicht vorzuweisen, stattdessen konfrontiert die Heroen lieber mit einer Schwierigkeit nach der anderen: Vom störrischen Kamel über störrische Tuareg bis hin zur störrischen Ehefrau, Hauptsache es ist was los auf dem Bildschirm.
Gerard Lanvin gibt dabei den unterkühlten, rationalen Knastbruder und liefert damit diese mit Abstand beste Leistung ab – sieht man von Djimon Hounsou in einer netten, aber irgendwie unnötigen Gastrolle ab. Neben den beiden fällt das Overacting diverser anderer Darsteller, vor allem Benoit Poelvoorde und José Garcia, leider sehr auf, da es einfach zu sehr over the top wirkt.
Die Action in „Ball & Chain“ überzeugt meist, das dünne Script wird durch viel Tempo ausgeglichen, doch der eigenwillige Humor ist nicht einfach zu ertragen. Freunde von Werken wie „Ruby & Quentin“ dürfen abfeiern, der Rest wird eher begrenzt seinen Spaß haben.
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