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Green Room (2015)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 07.08.2016, seitdem 101 Mal gelesen



Nachdem der Auftritt in einer Stadthalle ins Wasser gefallen ist, nimmt eine Punkband aus der Provinz einen Gig in einer heruntergekommenen, abseits gelegenen Bar an, in der regelmäßig Neonazis verkehren. Dort machen sie sich beim Publikum mit ihrem Song „Nazi Punks Fuck Off“ umgehend unbeliebt, können den Auftritt aber zu Ende bringen und erhalten sogar ihre Gage. Als sie gerade gehen wollen, werden sie in einem Hinterzimmer Zeugen eines Mordes, woraufhin sie dort eingeschlossen werden. Während die Musiker überlegen, wie sie entkommen können, schmieden die Neonazis Pläne, wie sie den Vorfall vertuschen und die Zeugen beseitigen können.

Mit „Blue Ruin“ gelang Jeremy Saulnier, der für Drehbuch und Regie verantwortlich war, ein beachtlicher Debütfilm, der zwar sehr wortkarg und langatmig, aber auch schwarzhumorig und mit eindringlichen wie konsequenten Action-Szenen gespickt war, die an Brutalität kaum zu überbieten waren. Mit „Green Room“ steigert Saulnier die Gewalt noch einmal, verzichtet fast gänzlich auf seinen schwarzen Humor, aber auch auf die lakonische Machart, die „Blue Ruin“ so zäh gestaltete. Herausgekommen ist dabei ein durchweg spannender Thriller, ein knallharter Überlebenskampf, der konsequent auf die Spitze getrieben wird.

Nach einer relativ kurz gehaltenen Einführung, bei der die vier ziellos durch die Walachei tourenden Punk-Musiker eingeführt werden, die sich nicht einmal den Sprit für ihren Bus leisten können, landen sie auch schon in der Nazi-Bar und werden Zeugen eines brutalen Verbrechens. Sie finden sich daraufhin in einer fast ausweglosen Situation wieder, aus der die Polizei sie definitiv nicht befreien wird. Die Konstellation ist zwar alles andere als neu, so war es in „Assault - Anschlag bei Nacht“ eine Gruppe Jugendlicher, die ein Polizeirevier belagerte und in „Die Nacht der lebenden Toten“ Zombies die äußere Bedrohung, hier sind es eben Nazis mit Kampfhunden. Und auch das Verhalten der Eingeschlossenen erinnert an diverse Vorbilder. Zuerst grassiert die Panik und es wird verzweifelt nach Fluchtmöglichkeiten gesucht, bis die Ausweglosigkeit der Situation erkannt wird. Schließlich wagen sich die Musiker, die ihren Raum immerhin von innen verriegeln und in den Besitz einer Schusswaffe kommen können, in die Offensive, weil sie in ihrem Gefängnis auch so der sichere Tod erwarten würde.

Das prinzipielle Konzept - eine Handvoll Menschen ist eingeschlossen und von Feinden umringt - geht dennoch voll und ganz auf und das liegt unter anderem daran, dass sich Regisseur Saulnier die klassischen Klischees schenkt, die sich aus einer solchen Konstellation für gewöhnlich ergeben. Es gibt nicht den einen Anführer, der meist bis zum Ende überlebt oder die eine kreischende Heulsuse, deren Ermordung meist einer Wohltat gleichkommt. Das macht den Verlauf des Thrillers weniger vorhersehbar, weil es jeden jederzeit erwischen kann. Saulnier zeigt ohnehin ein gutes Händchen für Überraschungen, platziert die drastischen Gewalt- und Tötungsszenen so, dass sie urplötzlich über den Zuschauer hereinbrechen. Neben der klaustrophobischen Atmosphäre ist es so vor allem die Ungewissheit, die für atemlose Spannung sorgt.

Der Rest ist ordentliches Handwerk. Saulnier hält das Tempo hoch und zieht es in den spannenden Momenten noch weiter an. Der Schauplatz ist düster und dreckig, der Raum, in dem sich die Musiker verbarrikadieren, stark beengend. Da Saulnier die Spannungsschraube zunehmend andreht und die Atmosphäre immer weiter verdichtet, fallen ein paar kleinere Mängel bei der Story zudem nicht stärker ins Gewicht. Die Lage der Musiker wäre jedenfalls gänzlich ausweglos gewesen, würden sich die Neonazis etwas geschickter anstellen als es im Film der Fall ist. Gelungen ist immerhin die Idee mit den Kampfhunden, die mit ihrer Aggressivität und Physis die Gefahr noch einmal erhöhen. Darstellerisch gibt es derweil auch nichts zu bemängeln. Patrick Stewart, sonst Held in „Star Trek“ oder ein gutmütiger Professor in „X-Men“, umgibt hier das düstere Charisma des skrupellosen Anführers, während auch die Darsteller der Musiker ihre Sache gut machen. Vor allem der kürzlich verstorbene Anton Yelchin, dessen eher friedfertiger und weicher Charakter in der Gefahrensituation über sich hinauswächst, spielt hervorragend auf.

Fazit:
Trotz kleinerer Storyschwächen ist Jeremy Saulnier mit „Green Room“ ein durchweg spannender und atmosphärischer Thriller gelungen, der mit seiner klaustrophobischen Stimmung, einem hohen Tempo, seiner grimmigen Machart, den überraschenden Wendungen und drastischen Gewaltspitzen punktet. Darstellerisch wie inszenatorisch gibt es dabei rein gar nichts auszusetzen.

82 %


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