Eine Kritik von bobfrost (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 14.04.2009, seitdem 272 Mal gelesen
Hier nun also die erste Regiearbeit von Dario Argento. Nachdem er einige Drehbücher geschrieben hatte, u.a. mit Bernardo Bertolucci zu C'era Una Volta Il West (Spiel Mir Das Lied Vom Tod), machte er sich an die Arbeit, sein nächstes Skript gleich selbst zu verfilmen. Heraus kam einer der ersten sogenannten Gialli, der dieses spezielle Genre mitbegründete.
Bereits 1960 schuf Alfred Hitchcock mit Psycho einen wegweisenden Vorläufer dieser Gattung, aber erst ein paar Jahre später drehte Mario Bava mit The Girl Who Knew Too Much und Sei Donne Per L'assassino (Blutige Seide) die beiden ersten reinen Vertreter dieses neuen Stils, der jedoch noch ein paar Jahre warten musste, um endgültig salonfähig zu werden.
Um genau zu sein bis 1969, denn da entstand mit dem hier vorliegenden Giallo-aus dem Original übersetzt: The Bird With The Crystal Plumage-einer der besten seiner Zunft.
Alle Regeln werden hier erfüllt. Äußerst brutale Morde, die immer technisch einwandfrei und ästhetisch fotografiert sind-zumindest in Bezug auf Kameraführung und dem damit geschuldeten künstlerischen Anspruch-ein Mann oder eine Frau auf der Suche nach der Wahrheit, wobei er oder sie sich an ein bestimmtes wichtiges Detail nicht mehr zu erinnern vermag und natürlich ein überraschendes Ende, bei dem die meist sexuell motivierten Taten mit aus der Kindheit herrührenden traumatischen Erlebnissen auf eine meist relativ primitive Art von "Küchenpsychologie" erklärt werden. Aber das Hauptaugenmerk liegt nunmal gänzlich auf dem Erhalt des Spannungsbogens und der stilisierten Morde-meist an jungen hübschen Frauen.
Man kommt natürlich nicht umhin, solch einem Vorgehen eine gewisse Gewaltverherrlichung vorzuwerfen, doch hat im Grunde jedes Genre, sei es noch so trivial oder anspruchslos, seine Daseinsberechtigung, wenn man sämtliche moralische Bedenken über Bord wirft. Denn immerhin handelt es sich um ein fiktives Medium-und was da gefilmt wird, kann als gut oder schlecht empfunden werden. Aber es steht außer Frage, jemanden in seiner dargestellten Ausdrucksform zu beschneiden, solange niemand wirklich physisch oder psychisch verletzt wird. Dies letzten Endes zu beurteilen, bleibt jedem selbst überlassen. So kritisieren z. B. viele eingefleischte Fans der deutschen Edgar-Wallace-Verfilmungen die späteren italienischen Produktionen, die allerdings bereits dem Giallo zuzurechnen sind, als zu gewalt- und sexlastig, andererseits müssen diese Filme auch als eigenständige Werke beurteilt werden.
So gesehen, handelt es sich bei diesem "Edgar Wallace" (so die damalige internationale Vermarktung-denn in Wirklichkeit war hier dessen Sohn Bryan Edgar Wallace am Werk und der Film basiert lose auf Fredric Brown's The Screaming Mimi) um die erste etwas andersartige Verfilmung-so war man es bis dahin nicht gewohnt.
Argento ist jemand, der das Filmemachen in Personalunion vereint. So schreibt er nicht nur die Drehbücher für seine Filme, sondern führt Regie, ist am Schnitt beteiligt, spielt zum Teil mit seiner gegründeten Band Goblin die Filmmusik ein und produziert spätestens ab seinem 1985er Phenomena seine Werke selbst. (im vorliegendem Fall war dies wieder einmal sein Vater Salvatore)
Hier erleben wir ihn noch am Anfang seines Schaffens. Es handelt sich hier wahrscheinlich um den besten seiner ersten drei Filme, die allesamt zum Giallo gerechnet werden müssen. Einige Längen ob der Choreographie des Geschehens seien da angesichts solcher Darsteller wie Tony Musante (mit dem der Regisseur angeblich nicht so gut zurecht kam)-oder auch Mario Adorf in einer kleinen Nebenrolle-und des sehr überraschenden Finales verziehen. Seinen Durchbruch feierte Argento dann ein paar Jahre später mit zwei weiteren überragenden Meisterwerken- Profondo Rosso und Suspiria.
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