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Rainbow Thief, The (1990)

Eine Kritik von psychotic (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 10.01.2010, seitdem 544 Mal gelesen


Kunterbuntes Lutschbonbon

Mit Fando & Lis, El Topo und Montana Sacra schuf Jodorowsky drei visuell wie inhaltlich mehr als beeindruckende Meisterwerke.

Mit Tusk enttäuschte er viele seiner bisherigen Fans, welche mit dem wirren Mix aus Fabel, Tragikkomödie und Naturfilm kaum was anfangen mochten.

Dann kam Santa Sangre, eine großartige, surreale Thrillergroteske gemischt mit wahnwitziger Coming-Of-Age-Story und Verweise auf autobiographische Kindheitserinnerung - und alles war wieder gut...

So sollte jedoch nicht lange bleiben...
The Rainbow Thief war eine Auftragsarbeit für einen britischen Produzenten; geschaffen vom Meister wohl nur aus einem Grund: Geld.
Jodorowsky sollte während des Drehs praktisch ohne großen Einfluss auf den Film bleiben; stammte doch das Skript von des Produzenten Gattin und sollte doch der Film sowas wie ein wahnwitziges Geschenk zum Hochzeitstag sein.
Man drückte Jodorowsky einen vorher festgelegten Cast aufs Auge und drohte mit sofortiger Kündigung, für den Fall von Querelen mit dem Enfant Terrible.

So sieht der Film dann auch aus!
Ein konfuser Wust aus Episoden um den lebenslustigen Dieb Dima, angesiedelt in einer Welt, welche sich im Grunde stehts als großer Rummelplatz erweisst. Dazu ein gelangweilter Peter O´ Toole  und ein aufgedrehter Christopher Lee als zwei Exzentiker par excellence...
Dazu schöne Bilder des Kameramanns Ronnie Taylor (arbeitete u. v. a. mit Argento, Russell und Kubrick), getaucht in süssliche Pastellfarben.

Ja, vieles lässt The Rainbow Thief, welcher nie in die Kinos kommen sollte, eher wie einen Kinderfilm wirken. Ein Mann, der mit einer Hundehandpuppe spricht, der nette Meisterdieb, ein Rummel voller Absurditäten...
Eben so vieles an diesem Film wirkt unausgegoren, Fehler eines mängeldurchzogenen Skripts. Ein Spannungsbogen fehlt gänzlich, die meisten Nebenfiguren bleiben schablonenhaft und vom Buch vernachlässigt.

Am Ende hängt alles an Hauptdarsteller Omar Sharif, der seiner recht einfachen Rolle ein Höchstmaß an Spielfreude und Emotion zu Teil werden lässt. Sharif reisst es fast allein raus, er fast ganz allein hält den Zuschauer bei Laune... O. k., die tollen Sets sehen auch recht nett aus...

Am Ende blitzt nur wenig Jodorowsky durch. Ein Rätsel, warum gerade er diesen Film drehen sollte.

Na ja, es gibt schlimmere Verfehlungen großer Regisseure (Popeye, Skidoo, Der Fall Paradin etc. etc...)

Fazit: 5,5 von 10


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