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Kite - Ein gefährliches Mädchen (1998)

Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 09.10.2002, seitdem 1734 Mal gelesen


Im wahrsten Sinne explosive Gewalt, Hardcore-Sex, eine wirkliche Geschichte, ungewöhnliche Erzählweise. Vier Zutaten, die selten in ein und demselben Kochtopf gemixt werden. Und doch tat genau dies Regisseur Yasuomi Umetsu für seinen 50-minütigen Anime-Flick "Kite".

In der Story um zwei allein gelassenen Teenager, die von ihren grausamen Bossen und Vormunden zu Auftragskillern gemacht werden, geht es mal rau, mal still zu. Hauptsächlich geht es um die Einsamkeit der beiden tötenden Protagonisten: Oburi ein junger Mann, clever genug, um sich nicht vollends unter den Einfluss seiner Geldgeber Akai und Kanie zu stellen, tötet mit erschreckender grausamkeit. Allerdings weiß er nichts von Sawa, einem niedlichen Schulmädchen, die von Akai als Kind aufgenommen wurde. Doch Akai ist nicht der fürsorgliche Ersatzvater, den er vorgibt zu sein. Er tötete Sawas Eltern, bringt ihr das Töten bei und benutzt sie als Sexsklavin. Erst die aufkeimende Freundschaft zu Oburi - dem einzigen Menschen auf der Welt, der so ist, wie sie - gibt ihr die Kraft gegen ihre Elternmörder und Vergewaltiger anzugehen.

Dies wird uns in starke Bilder, die nie davor zurückschrecken, uns die ganze Wahrheit zu zeigen, in die Netzhaut gefräst; mit unerbittlicher Ehrlichkeit und erstaunlichem Wagemut. Doch auch die Story wird ausbalanciert wiedergegeben. Mal melancholisch-ruhig, mal actionreich-rasant. Schade nur, dass Regisseur Umetsu nur 55 Minuten Zeit hat, um seine Charaktere zu entwickeln, und seine Story zu erzählen. Aus dem tragischen Stoff hätte ein großer Animeklassiker werden können, hätte er es zu einem langen Teenagerepos ausgedehnt. So wirkt der Film stellenweise unnötig gehetzt. Minuspunkte gibt es leider auch in den manchmal viel zu simplen Zeichnungen, die höchstens auf TV-Niveau sind.

"Kite" ist ein Paradebeispiel für alles, was man vom japanischen Zeichnentrickfilm erwarten kann. Eine tiefsinnige, unter die Oberfläche schauende Geschichte, harte, in allen Formen dargestellte Gewalt und ebenso expliziter Sex, wenn auch nie (in beiden Fällen) voyeuristisch befriedigend. Wer wissen möchte, was alles in den Anime-Filmen aus Fernost möglich ist, dem sei "Kite" ans Herz gelegt.


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