„Standoff" (Kurz und schmerzlos Teil 37)
Manchmal reichen schlicht die Namen. Thomas Jane und Laurence Fishburne sieht man auch einzeln immer wieder gerne. Beide haben leider nie den ganz großen Durchbruch geschafft und verdingen sich seitdem wahlweise als Edelsupport oder Hauptact in B-Produktionen. Während Fishburne trotz `Matrix´ einfach nicht aus der Bad-Guy-Ecke heraus kam, hatte der Good-Guy-tauglichere Jane das Pech, just vor Marvels Großoffensive mit `Iron Man´ den noch dazu düsteren `Punisher´ (2004) zu geben. Aktuell wäre er mit ein und demselben Film ziemlich sicher ein umjubelter Comicheld-Star.
`Standoff´ dagegen könnte nicht weiter von Marvels Blockbuster-Zirkus entfernt sein. Das thrillerartige Kammerspiel ist in praktisch jeder Hinsicht auf das aller wesentlichste reduziert. Drei Darsteller, ein halb verlassenes Haus und eine ganz simple Geschichte. Mehr benötigt Regienovize Adam Alleca nicht für 90 Minuten Spannung. Diese speist sich einzig und allein aus einer fast schon grotesk einfachen Prämisse: der Killer weiß nicht, dass sein Opfer nur noch eine Schrotpatrone in der Kammer hat und wagt es daher nicht, ihn frontal anzugreifen.
Laurence Fishburne spielt den namenlosen Auftragsmörder, der das kleine Mädchen Bird (Ella Ballentine) bis zum einsamen Haus des Einsiedlers Carter Green (Jane) verfolgt. Sie war nicht nur Augenzeugin seines letzten Mehrfachmordes, sondern hat das Verbrechen auch noch photographiert. Carter, der sich am Unfalltod seines Todes die Schuld gibt und nach seelischer Erlösung sehnt, verspricht Bird sie um jeden Preis zu beschützen. So entwickelt sich ein vor allem auch psychologisches Katz-und Maus-Spiel zwischen Jäger und Gejagten, bei dem schon der kleinste Fehler tödlich sein kann ...
Nahezu den gesamten Film über sitzt Carter am Fuß der Treppe zum Untergeschoß und der Killer lauert außerhalb des Schussfeldes im Parterre. Beide versuchen den jeweils anderen abwechselnd durch Nichtstun zu zermürben bzw. durch verbale Provokationen und Nadelstiche aus der Reserve zu locken. Dazwischen gibt es immer wieder kleine unerwartete oder auch absichtlich herbeigeführte Zwischenfälle, die die jeweiligen Strategien positiv wie negativ beeinflussen. Alleca kann dieses Konzept nicht völlig ohne sich wiederholende Situationen durchziehen, dennoch inszeniert und erzählt er insgesamt kompakt und auf das wesentliche konzentriert.
Verlassen kann er sich dabei auf sein Darstellerduo, das die beiden klassischen Duell-Kontrahenten mit ausreichend Emotionen und Profilschärfe ausstattet, um den bei einem Kammerspiel besonders relevanten Empathie-Faktor im Spiel zu halten. Hilfreich sind dabei auch die passenden Dialoge, denn der Schlagabtausch ist in nicht unerheblichem Maß ein mit Raffinesse und Perfidie geführtes Wortgefecht. Da kann man auch verschmerzen, dass die Möglichkeiten des reduzierten Schauplatzes nicht vollends ausgereizt werden und die Positionen relativ starr bleiben. Die fiebrige Atmosphäre funktioniert letztlich auch so.
Fazit:
Spannendes Katz-und Maus-Kammerspiel, das die Reduktion von Setting, Erzählung und Figuren zur Tugend erhebt. Laurence Fishburne und Thomas Jane liefern sich dabei ein packendes Psychoduell und überspielen gekonnt kleinere Schwächen von Regie und Buch.