Ansicht eines Reviews

Bowling for Columbine (2002)

Eine Kritik von GordonGekko
eingetragen am 11.07.2005, seitdem 277 Mal gelesen


Als ich dieses Wochenende in die Videothek ging und ich mich nicht so recht für einen Film entscheiden konnte, fiel mir Bowling for Columbine ins Auge, denn ich hatte den Film bereits mehrfach verpasst. Im Vorhinein hatte ich einiges von dem Film gehört und zwar meistens positiver Natur. Außerdem erhielt Michael Moore für seine Dokumentation sogar einen Oscar. Die Entscheidung war gefallen und so nahm ich mir die DVD mit nach Hause. Voller Spannung machte ich den Player an und der Film begann. Bereits nach wenigen Minuten konnte ich die positiven Kritiken nicht einmal Ansatzweise nachvollziehen. Klar, ich war vorgewarnt, daß Michael Moores Zunge ab und zu sehr spitz sein konnte, aber damit konnte ich mich herzlich wenig anfreunden. Im Anschluß auf den Film habe ich mich auf verschiendenen Internetseiten weitergehend mit der Thematik beschäftigt und viele Websites untermauerten mein Bild von BfC und zementierten es geradezu. Michael Moore ergötzt sich während des ganzen Filmes an Äußerungen von Überlebenden und Originaltonaufnahmen des Schulmassakers und versucht dadurch den Filmprofit zu steigern (Klar, den Europäern gefällt es so richtig, wenn die Amis ihr Fett weg kriegen und wer interessiert sich schon für einen objektiven Film, schließlich soll das/die Weltbild/Vorurteile bestätigt werden). Sein Werk brilliert einzig und allein durch beißende polemische Einlagen, die aber bei diesem Thema absolut fehl am Platze sind. Hier geht es um zigfachen Mord und da kann man nicht Minuten später Comics zeigen, in denen der NRA Rassismus unterstellt wird und Politiker verballhornt werden. Im Anschluß daran beginnt Michael Moore wiederholt mit seiner Pseudo-rührseligen Art, denn schließlich setzt er sich voller Altruismus für die Opfer ein. Ums Geld geht es ihm natürlich zu keiner Zeit. Dieses Getue wird durch die deutsche Begleitstimme umso mehr verstärkt. Für mich wirkt aufgrunddessen die Kritik mehr als unglaubwürdig. Anstatt sachlich und vor allem objektiv an die Sache heran zu gehen schustert sich Moore sein Werk zusammen und schreckt dabei nicht vor Tatsachenfälschungen zurück. Ich möchte hier nicht eingehend auf diese zur Sprache kommen, aber wenn ein Interview im Rahmen der "künstlerischen Freiheit" um ganze 17 (!) Minuten geschnitten wird, um den gewünschten Effekt zu erhalten, der ist für mich keine seriöse Person mehr. Auch die Behauptung, die USA hätten die weltweit höchsten Schußwaffenopfer zu beklagen, ist schlichtweg falsch! Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob Moore aus Unwissen auf diese "Fakten" zurückgegriffen habe, aber so einem Schlitzohr traue ich es nicht zu sich einfach mal zu vertuen, zumal Ignorantia iuris nocet gilt.
Um noch einmal kurz zu dem Heston-Interview zu kommen, wo Charlton Heston den berühmt berüchtigten Kommentar abgibt (entspricht nur in etwa dem Wortlaut): "In der Tat denke ich, daß das Problem mit den Schußwaffen mit den verschiedenen Rassen zusammenhängt." Ich denke jeder mit ein bißchen Interpretationsgabe wird zu dem gleichen Ergebnis kommen wie ich: Der Kerl ist ein Rassist. Trotzdem sehen die Hintergründe anders aus. Charlton Heston ist in den 60er Jahren im Rahmen der Bürgerrechtsbewegegung mit Menschenrechtlern wie Martin Luther King marschiert. Heston hat sich damals für schwarze Schauspieler in Hollywood engagiert. So einer soll tatsächlich ein Rassist sein? Außerdem was denkt sich eigentlich Moore dabei einen schwerkranken alten Mann zu überfallen? Es gibt wohl kaum eine gravierende Differenz, als zwischen einem gewitzten und vor allem gut vorbereiteten Journalisten (der nicht selten die Seidenhandschuhe bereits bei der Begrüßung wegwirft) und einem kranken, gebrächlichen Mann. Von seinem humanen Verhalten (was nur vordergründig besteht), was er gegenüber den zwei Jugendlichen beim K-Mart aufgebracht hat, ist nicht mehr allzu viel übrig geblieben. Hier zeigt er sich von seiner häßlichsten Fratze und zwar dem gnadenlosen Journalisten, der keine Skrupel zeigt zu täuschen, willkürlich zu schneiden und auf dem Fang nach einem sensationsträchtigen Zitat selbst über Leichen gehen würde.
Ich habe bereits kurz die gefälschten Statistiken angesprochen. Ich will jetzt noch einmal näher darauf eingehen. Nach Moores These sinkt die Zahl der Schußwaffenopfer mit der Zahl der Schußwaffenbesitzer. Nun, sicher kann uns Herr Moore erklären, warum in Großbritannien die Gewaltverbrechen anstiegen, obgleich dort restriktive Schußwaffengesetze erlassen wurden. Oder warum in Deutschland mehr als 90% der mit Schußwaffen begangenen Verbrechen mit illegalen Waffen verübt wurden. Außerdem führt nicht die USA diese unrühmliche Rangliste der meisten Schußwaffentoten an, sondern Südafrika, wo die überwältigende Majorität keine legalen Waffen besitzt. Die USA hält lediglich Platz 22 inne.
Neben der Fälschung von Tatsachen hat Moore gelogen. Ja genau, der Michael Moore, der demjenigen, der ihn der Lüge enttarnt 10.000$ geben will, hat in seinem Film gelogen. Bisher waren es Halbwahrheiten, wirre Konstrukte etc. pp aber nun hat er defintiv gelogen, denn die Szene, in der die Bankmitarbeiterin Moore eine Waffe überreicht, wurde gestellt. Moore hatte zuvor eine Drehgenehmigung beantragt und um eine inszinierte Übergabe gebeten. Um negative Publicity zu vermeiden wurde seinem Wunsch entsprochen. Bevor die fingierte Übergabe stattfinden konnte mussten erst 3-5 Tage lang Moores Daten überprüft werden (ist er vielleicht vorbestraft? usw.)- erst danach konnte er die Waffe medienwirksam mitten in einer Bank abholen. Der Vogel wird schlußendlich mit der Benutzung von Opfern von Littleton, um den Eindruck des Zuschauers nochmals zu versträrken. So nicht Mr. Moore!

Dieses Werk des Michael Moore überschreitet klar die Grenze zwischen künstlerischer Freiheit und eines ist durch diesen Film für mich besiegelt worden: Nie wieder einen Film von Michael Moore, geschweige denn ein Buch! Der Film war eine herbe Enttäuschung, da ich große Erwartungen in diesen oscarprämierten Film hatte.

WERTUNG: 1/10 - mehr ist einfach nicht drin. Um noch einmal für Übersicht zu schaffen, eine stichpunkteartige Auflistungen der Positiv- und Negativaspekte, der Übersicht halber:

Positive Aspekte:

+ Dokumentar-Flair

Negative Aspekte:

- Verzerrung der Wahrheit
- beliebige Interpretation der Sachlage, keine Objektivität
- willkürliche Kürzungen, um rassistischen Hintergrund zu suggerieren
- überfallartiges Interview mit dem schwerkranken Charlton Heston
- Instrumentalisierung von Geschädigten
- gestellte Inszinierung von einigen elementaren Szenen
- Exzessive Verwendung von Polemik und unsachlichen Äußerungen
- Generalisierungen
- Aufstellung von falschen Statistiken
- Herstellung von Analogien zwischen KKK und NRA


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "GordonGekko" lesen? Oder ein anderes Review zu "Bowling for Columbine (2002)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von GordonGekko

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

524 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Scorpion King 3 - Kampf um den Thron, The (2012)
Men Suddenly in Love (2011)
Gefährten (2011)
Fight of the Dragon (1999)
Schrei, wenn Du kannst (2001)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich