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Bowling for Columbine (2002)
Eine Kritik von Alien Warrior (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 06.05.2003, seitdem 2405 Mal gelesen
Einzigartiger Doku-Trip durch das waffenstarre Amerika...
Dass die USA in jedem Jahrzehnt offenbar mindestens einen größeren Krieg brauchen, dürfte wohl jedem geläufig sein. Doch auch innerhalb der Landesgrenzen scheinen sie nicht die Finger von ihren Waffen lassen zu können: Mehr als 10 000 Tote durch Schussverletzungen jährlich. Das ist trauriger Weltrekord, denn in keiner anderen Nation weltweit, in der kein Bürgerkrieg herrscht, fallen so viele Menschen Schüssen zum Opfer. Einen der traurigen Höhepunkte bildete das Massaker der Columbine Highscool in Littleton. Doch warum? Woher kommt dieser schon perverse Waffenfetisch der amerikanischen Staatsbürger, und v.A. die Bereitschaft, sie auch einzusetzen? Michael Moore versucht dem Phänomen auf den Grund zu gehen.
Wer jetzt jedoch eine trockene und nüchterne Analyse erwartet, der wird sich wundern: Moores einzigartig witzig-sarkastischem Stil ist es zu verdanken, dass dem Zuschauer bei der immerhin zwei Stunden betragenden Spieldauer nicht eine Sekunde langweilig wird. Das ist auch praktisch unmöglich, da man permanent mit erschütternden Fakten bombardiert wird, so dass einem, dem komödiantischen Talent von Moore zum Trotz, das Lachen oftmals im Halse stecken bleibt: Da wird schonmal ein gratis-Gewehr von einer Bank bei einer Neueröffnung eines Kontos rausgegeben, wobei menthale Gesundheit keine Rolle spielt, sofern man nicht kriminell ist. Auch das Interview John Nicols (Ein Bekannter von Timothy McVeigh) verstört einen doch sehr: Mit ständig weit aufgerissenen Augen und irrem Blick geht er hilflos im Fragegewitter von Moore unter, und man fragt sich, warum solch ein Mensch noch Feuerwaffen besitzen darf. Auch zwei sehr prominente Gesichter konnte Moore vor die Kamera ziehen: Marilyn Manson und Charlton Heston. Während Manson sich als nachdenklicher und reifer Mensch entpuppt, dem man zu Unrecht den schwarzen Peter nach dem Littleton-Massaker zugeschoben hat, bildet Charlton Heston das krasse Gegenteil: Begriffsstuzig und uneinsichtig pocht er auf sein von der Verfassung gegebenes Recht, Feuerwaffen zu besitzen, und sucht zum Schluss das Weite.
Die zahlreichen Interviews werden durch viele Clips aufgelockert, die aus Archivmaterialien erstellt wurden. Besonders hervorzuheben sei die Chronologie der von den USA provozierten/begonnenen Kriege im letzten Jahrhundert, die schonungslos offenlegt, wie weit her es jetzt mit den USA in der Rolle des Friedensstifters ist (Zynisch: Die Unterlegung mit Louis Armstrongs "What a wonderful world."). Auch ein höchst amüsanter Trickfilm findet sich, der die Wurzeln der Paranoia des amerikanischen Volkes aufzeigt, was schließlich zum ausufernden Waffenwahn führte. A propos Paranoia: Auch die Massenmedien bekommen gewaltig ihr Fett weg, werden sie doch als sensationsgierige Maschinerie entlarvt, die in ihrer Fixierung auf Einschaltquoten nicht darauf achten, welches Unheil sie mit ihren völlig einseitigen Fernsehberichten über schwer bewaffnete (vorwiegend negride) Jugendgangs anrichten.
Fazit: Diesem Film mit einem Review wirklich gerecht zu werden, ist vollkommen unmöglich, da er eine Unmenge an Emotionen freisetzt. Ständig schwankt der Zuschauer zwischen Gelächter und Schock, und anschließend verlässt man völlig verstört den Kinosaal. Definitiv sagen lässt sich jedoch, dass Moore hier mit einer solch unerbittlichen Schärfe die amerkanischen Mißstände aufzeigt, wie es schon lange niemand mehr getan hat. Systematisch, manchmal geradezu genüsslich, pflückt Michael Moore Stück für Stück die Realität des amerikanischen Traums auseinander. Das ganze verpackte er mit einer guten Dosis rabenschwarzen Humor, was das Resultat auch ausgesprochen unterhaltsam anzusehen macht. Gerade im Anbetracht der aktuellen Weltpolitischen Lage ist der Film absolutes Pflichtprogramm für jeden, der sich auch nur ansatzweise für das Weltgeschehen interessiert. Ein wahrlich grotesker und aufrüttelnder Trip durch die letzte verbliebene Supermacht, der Freiheit und Gerechtigkeit angeblich so viel bedeutet...
Hinweis: Dieses Review behandelte selbstverständlich nur einen Bruchteil der vom Film dargebrachten Informationen. In Wirklichkeit sind es natürlich SEHR viel mehr.
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