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Bowling for Columbine (2002)

Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 01.11.2003, seitdem 746 Mal gelesen


Michael Moore, bekannt für seine scharfe Kritik an der Bush-Regierung, drehte "Bowling For Columbine", ein Werk, das vorwiegend als "Dokumentation" bezeichnet wird und sich zur Aufgabe gemacht hat, herauszufinden, warum in den USA so viele Menschen - angeblich über 11 000 jährlich - durch Schusswaffen ums Leben kommen.

Man muss Michael Moore zugute halten, dass er sich dieser wohl zeitlosen Thematik widmete. Interessant sind durchaus seine Funde: Munitionsverkauf in Supermärkten - das macht Europäer unter anderem schon stutzig. Moores gesamte Präsentation ist verblüffend abwechslungsreich - ob ein kurzer sarkastischer Trickfilm im "South Park"-Stil, der die Wurzel des Übels in der amerikanischen Geschichte sucht, eine zynische, mit Louis Armstrongs "What A Wonderful World“ unterlegte, historische Schreckensbilanz der von Amerikanern begonnenen Kriege, ein stets provokant-naiver Off-Kommentar oder einfach nur sehr menschliche, reale Bilder. Hinzu kommt das Zurückgreifen auf viele Interviews, wo Moore neben einer Unmenge von meist naiven Bürgern auch einige Waffennarren und einen Hobby-Bombenbauer vor die Kamera bekam.

Sogar zwei Interviews mit Prominenten hat "Bowling For Columbine" zu bieten. Während sich Marilyn Manson auf der einen Seite als reifer, rational denkender Mensch herausstellt, geht Charlton Heston auf der anderen Seite aufgrund seines Argumentationsmangels scheinbar kläglich unter und ergreift die Flucht. Moore degradiert, ja zerfleischt förmlich die Hollywood-Legende Heston, deren Meinung allzu konservativ, bisweilen sogar rassistisch zu sein scheint. Doch Michael Moores Methoden sind dreist und gar nicht so rühmlich, als dass sie es verdienen, noch mit einem Oscar gekrönt zu werden.

Während des scheinbar kurzen Interviews mit Heston, der sich übrigens in den 60er Jahren an der Seite von Martin Luther King für die Gleichberechtigung engagierte, tickt die Uhr im Hintergrund mit. Am Zeitsprung binnen kürzester Zeit erkennbar, manipuliert Moore offensichtlich, verdreht damit den Kontext von Aussagen und lässt Charlton Heston in ein bedenkliches Licht rücken. Mit der Zeit kamen weitere Verfälschungen an die Oberfläche. So war das zu Beginn gezeigte Geschehen in der Bank im Vorfeld arrangiert. Zwar stand ein Gewehr bei Neueröffnung eines Kontos tatsächlich als eine von mehreren Prämien zur Auswahl, abzuholen ist es jedoch normalerweise bei einem lizenzierten Waffenhändler.

Was Moore als Fakt darstellt, muss noch lange nicht richtig sein. So behauptet er, Charlton Heston habe kurz nach einem Schulmord in Flint eine Pro-Waffen-Kundgebung abgehalten. Im Interview mit Charlton Heston geht Moore auch darauf ein und fragt, warum Heston sich denn nicht bei den Menschen in Flint entschuldigen möchte. In der Tat hielt Heston in Flint eine Rede, eine Rede bei einer Wahlkampfveranstaltung acht Monate nach dem tragischen Ereignis, auf der sich auch Michael Moore selbst befand. Im Nachhinein räumte Moore seinen Fehler ein. Angesichts solcher Täuschungen bleibt es äußerst fraglich, ob die hier angetroffenen Leute unter anderem tatsächlich mit einer sich unter ihrem Kopfkissen befindenden 44er-Magnum schlafen oder in Kanada wirklich niemand seine Türen verschließt.

Den weit verbreiteten Waffenbesitz in den USA führt Michael Moore im Übrigen auf die Angst der Menschen zurück. Angst, die vor allem durch die reißerischen, aufbauschenden Medien, die nur eine sehr selektive Berichterstattung durchführen, in der beinahe nur Nachrichten über Gewalttaten über den Bildschirm flimmern, entstehen soll. Doch wenn Moore über 11 000 Tote alleine durch Schusswaffen jährlich angibt, warum behauptet er dann, die Medien würden maßlos übertreiben?

Man sollte sich vor Augen führen, dass Michael Moore politisch motiviert ist. Er verkauft sich gerne als "Kleiner Mann" und erweckt zweifellos auch in "Bowling For Columbine" den Eindruck eines sympathischen, tapsigen und bescheidenen Mannes. Die Wahrheit jedoch ist, Michael Moore ist inzwischen Multimillionär - "scheißreich" wie er es nennt. Er konnte viele Menschen für sich gewinnen und wird mehr und mehr zu einem bedeutsamen politischen Sprachrohr. Dem derzeit antiamerikanischen Europa kommt ein Michael Moore natürlich sehr entgegen. Wer allerdings subjektive Dokumentationen wie "Bowling For Columbine" dreht, die weder authentisch noch seriös sind, der läuft Gefahr, seine Sympathien schnell wieder zu verspielen.


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