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Bowling for Columbine (2002)

Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 16.06.2004, seitdem 313 Mal gelesen


Wieso gibt es in den USA jährlich die größte Anzahl an Menschen, die durch Schusswaffen ihr Leben ließen? Dokumentarfilmer Michael Moore geht in “Bowling for Columbine” dieser Frage nach und entlarvt das trügerisch-verlockende Bild der Vereinigten Staaten. Ausgehend vom Amoklauf zweier Schüler in Littleton am 20.April 1999 versucht Moore, seine Frage zu beantworten.

Moore bohrt dabei tiefer in der amerikanischen Seele herum, als manch einem lieb sein dürfte, beispielsweise dem derzeitigen amerikanischen Präsidenten George Bush oder seinem Vorgänger Bill Clinton, der am Tag des Blutbads an der High School die größten Angriffswelle des Kosovo-Kriegs befahl, was in der Öffentlichkeit total unterging. Doch sind sie natürlich nicht die Schuldigen an der Waffenvernarrtheit der Amis, welche unter anderem aus der Landesgeschichte resultiert, die in einem urkomischen, aber auch nachdenklich stimmenden Cartoon abgerissen wird. Dabei wird mehr als deutlich, dass die Amerikaner bereits vor 250 Jahren aus einer von Angst geprägten Gesellschaft bestand, was übermäßigen Waffengebrauch, Völkermord und Sklaverei zur Folge hatte. Zwar lebt heute die weiße Mittelschicht überwiegend in einer Bilderbuch-Vorstadtidylle der Metropolen, aber die Angst blieb und wird von den Medien weitergeschürt, die viel mehr über Katastrophen und drohenden Gefahren berichten, anstatt die Politik als zentrales Thema zu behandeln.

Ganz anders sieht das in Kanada aus, wo es bei 10 Millionen Haushalten zwar auch 7 Millionen Schusswaffen gibt, aber die Mordrate viel geringer als bei den südlichen Nachbarn ausfällt. Hier scheinen sich die Bürger vor nichts zu fürchten und denken gar nicht daran, ihre Haustüren Nachts abzusperren. Als Moore dieses Thema behandelt, zeigt sich leider allzu deutlich seine subjektive Meinung zum Thema und sein Nachprüfen, ob das mit den unverschlossenen Türen wirklich stimmt, wirkt äußerst willkürlich und unglaubwürdig. Die einzige Schwäche der Doku, denn ansonsten geht Moore geschickt jeder Art von willkürlicher Schuldzuweisung und einseitiger Berichterstattung aus dem Weg, indem er das facettenreiche Thema so ausführlich und manchmal abschweifend behandelt, wie es ihm zusteht.

Moore versteht es, seine Kritik unterhaltsam zu verpacken, sodass der Zuschauer neben der Message auch noch höchst vergnügliche zwei Stunden beschert bekommt. Einerseits ist “Bowling for Columbine” äußerst lustig, sei es durch Einschübe wie den oben angesprochenen Cartoon oder Moores trockenen Humor (“Danke dafür, dass sie mich nicht erschossen haben!”), andererseits ist man des öfteren völlig schockiert wegen der Aussagen Befragter. Den Vogel schießt Charlton Heston zum Schluss ab: Die Schauspiellegende ist heute Präsident der National Rifle Association und geriet zuletzt vermehrt in die Kritik, als er nach zwei Tragödien, welche von Schusswaffen verursacht wurden, kurze Zeit später an diesen Orten Kundgebungen vor seiner Anhängerschar hielt. Nun stellt ihn Moore in seinem Haus in Hollywood zur Rede und dem senilen und alzheimerkranken Heston gehen bereits nach wenigen Minuten die Argumente aus, stattdessen verfängt er sich in diffusen und rassistischen Äußerungen. Heston ist nur noch ein Schatten seiner selbst und man fragt sich, wie dieser alte Mann einen so mächtigen Posten innehaben kann. Erschreckend, dass viele Amerikaner ihn ob seiner alten Filmerfolge immer noch vergöttern, im Gegensatz zu Marilyn Manson, der für die US-Gesellschaft ständig als Zielscheibe herhalten muss, sich in “Bowling for Columbine” jedoch als intellektuell denkender, freundlicher und sympathischer Musiker herausstellt.

“It’s a wonderful world” ertönt in einer Sequenz, in der Bilder von amerikanischen Kriegsverbrechen der letzten 50 Jahre gezeigt werden. Welch bittere Ironie, dass das selbsternannte Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit dem Anspruch, dass dort jeder vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, in Wahrheit von Gewalt, ob von innen oder nach außen, dominiert wird. “Bowling for Columbine” entlarvt all die verlogenen Mythen um das große Land im Westen als falsch und gehört auf jeden Fall zu den fünf besten Dokumentarfilmen, die jemals gedreht wurden. Der Erfolg (Oscar, höchstes Einspielergebnis einer Doku überhaupt) spricht Bände und dürfte Moore einen Motivationsschub für weitere Arbeiten geben. Ich würde es mir zumindest sehr wünschen.


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