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Es ist schon wieder beinahe zwanzig Jahre her, dass der Neuseeländer Russell Crowe in Curtis Hansons Meilenstein „L.A. Confidential" (1997) den gutherzigen, aber tumben Police-Officer „Bud" White spielte und damit seinen Durchbruch in Hollywood erlebte. Crowe gelang es, einem prügelnden Polizisten ein sympathisches Gesicht zu verpassen. Die Rolle stellte ihn mit Sicherheit vor eine nicht ganz leichte Aufgabe und wurde dennoch geradezu meisterhaft gestemmt. An der Seite einer ganzen Horde von Stars ging es damals der Korruption in der Stadt der Engel an den Kragen. Und auch heute, unter der Ägide des Kultregisseurs Shane Black („Kiss Kiss, Bang Bang", 2005), muss im Rathaus der pazifischen Metropole ausgemistet werden. Da springen die Parallelen schon mit Anlauf ins Auge. Und treffen den Nerv.

Wir schreiben nicht das Jahr 1953, sondern 1977: Der nur auf den ersten Blick grobschrötige Privatdetektiv Jackson Healey (Russel Crowe) soll die Tochter der Polizeichefin Judith Kutner (Kim Basinger) ausfindig machen, die offenbar im Rotlicht untergetaucht und deren Leben bedroht ist. Für diesen lukrativen Auftrag tut er sich mit dem tollpatschigen Schnüffler Holland March (Ryan Gosling) zusammen, der meistens einen im Tee hat und nicht selten über seine eigenen Füße stolpert. In der Folge greifen beide tief in die recht flache Trickkiste und bewerkstelligen es so tatsächlich, das Mädchen zu finden. Zwar überwiegen die Zufälle meist die Einfälle, doch wer hat, der hat. Nur ist vieles nicht so, wie es zunächst scheint, außer dem Umstand, dass man jetzt tief durch den Sumpf der goldenen Ära des Pornos watet und sich außerdem mit professionellen Killern balgen muss, die von ganz unerwarteter Seite ihr Salär erhalten.

Russell Crowe, Kim Basinger, der korrupte Moloch einer Stadt wie ein Land - es erinnert vieles an einst. Und doch ist Shane Blacks „The Nice Guys" auf einer ganz anderen Straße unterwegs als „L.A. Confidential". Denn er ist immerhin eine Komödie. Und die zieht ihre Bahnen durch gelungenen Klamauk und launiges Geplapper. Mit Unterbrechungen. Denn die brenzligen Situationen wiederholen sich, wirken gar ein wenig redundant, und die Geschichte verfährt sich ohne größere Überraschungen. Doch zünden regelmäßig die Gags, wenn auch nicht im Dauerfeuer. Ryan Goslings kultivierte Geistlosigkeit in Kooperation mit Russell Crowes entgeistertem Geduldsspiel helfen spielend über die - bei genauerem Blick - vorhandene Leere im Hintergrund hinweg. Dabei wird alles hübsch überpinselt mit einer knalligen Kulisse aus 70er Jahre Flair, eingepackt in Polyester und Lederimitat.

Das Schauspielerduo mit der leichten Prise Kultfaktor trägt hier ganz allein die Geschichte. Der Rest ist Beiwerk, das lediglich ein wenig nachwürzt. Wenn sich auf einer bleihaltigen Party ein menschlicher Stoffbaum eine Kugel einfängt und quietschend in sich zusammensackt oder ein Killer in seinem Frust mit Fischen aus dem Aquarium um sich wirft, dann ist das albern, aber unterhaltsam. Da kommt ein Gast wie Keith David, der schon im Drama „Requiem For A Dream" (1999) ganz schön unangenehm witzig war, wie gerufen und gerade recht.

Für ein Moment der Vernunft und zugleich pfiffigen Nachwuchs der Marke „The Last Boyscout" (Für den Shane Black 1991 ebenfalls das Drehbuch schrieb) sorgt Töchterchen Holly (Angourie Rice). Die hält ihrem Vater Holland einerseits einen uns erhellenden Spiegel vors Gesicht und bietet andererseits einem Teil des weiblichen Publikums die Möglichkeit, wenigstens ein wenig festen Boden unter die Füße zu bekommen in all dem Morast an Schlüpfrigkeit und Männerfantasien - die nicht zu knapp von Black bedient werden. Da ist und bleibt nämlich den gesamten Film über die politische Komponente mit ihrem Seitenhieb auf Pseudomoral von Amtswegen und ihrem „Fucking for Nature"-Aktivismus gegen den Smog der Stadt nur Platzhalter. Ergänzung. Firlefanz.

Shane Black liefert wie's gewünscht wird. Eine wohl dosierte Portion Gewalt, die nichts verbaut und nichts versaut, eine Reihe gern gesehener Leinwandgrößen und eine streckenweise urkomische Chose, die ihren leicht begehbaren Mittelweg findet zwischen Substanzlosigkeit und hier und da auftauchendem Esprit. Das Buddy-Movie ist dabei für den Regisseur sozusagen ein Heimspiel, denn als Drehbuchautor war er bereits für den Prototyp desselben („Lethal Weapon - Zwei stahlharte Profis", 1987) erfolgreich tätig gewesen. Auch für „Kiss Kiss, Bang Bang" war er inhaltlich verantwortlich. Und wie in allen dieser Filme setzt Black ganz auf die Chemie seiner zwei Hauptdarsteller. Und einmal mehr geht diese Rechnung auf. Nur geht sie mal ein wenig mehr, wie einst bei Mel Gibson und Danny Glover, und mal ein wenig weniger auf. So wie in „The Nice Guys".

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