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Girl Who Knew Too Much, The (1963)

Eine Kritik von bobfrost (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 17.10.2009, seitdem 337 Mal gelesen


Der vorliegende Film kann schon als kleiner, wenn auch für das größte Publikum doch relativ unbekannter, Meilenstein der Filmgeschichte angesehen werden. Nachdem ein paar Jahre zuvor schon Alfred Hitchcock in seinem Low-Budget-Thriller Psycho einen psychopathischen Mörder auf junge Mädchen losließ, kann man doch feststellen, daß es schließlich Mario Bava war, der die berüchtigte Spielart des erst etwas später in Italien populär werdenden Giallo erfand-nämlich mit diesem kleinen Meisterwerk feinsinniger gruseliger Unterhaltung. 


Es war erst 1960-also im gleichen Jahr, in dem besagter Norman Bates erfunden wurde- in dem der hochtalentierte und bereits äußerst angesehene Kameramann Bava mit La Maschera Del Demonio (Die Stunde, Wenn Dracula Kommt) endlich seinen ersten eigenen Film vollenden konnte und damit bereits einen Klassiker des neuen modernen Gruselfilms erschuf.  Nach diesem Erfolg standen ihm die Türen offen zu weiteren Taten-zuvor wurde er schonmal öfter für die Fertigstellung eines Werks engagiert-bestes Beispiel hier sicherlich der 1956 gedrehte I Vampiri (Der Vampir Von Notre Dame), bei dem sich der streitlustige Riccardo Freda mit der Produktion überwarf und schließlich Bava auf dem Stuhl platznehmen durfte. Mario Bava, der bereits in den 40er Jahren verläßlich hinter der Kamera stand, galt zudem als sehr sparsamer und somit günstiger Regisseur, was ihm natürlich großes Ansehen vor allem seitens der Produzenten einbrachte. Anfang der 60er folgten ein paar unausgegorene Abenteuerfilme, bis schließlich 1963 wieder ein bedeutendes Jahr im Schaffen des Mario Bava wurde. Neben dem zu besprechenden La Ragazza Che Sapeva Troppo (The Girl Who Knew Too Much)-eine unübersehbare Anlehnung an Hitchcocks Werk aus den Jahren 1934 bzw. 1956- in den USA auch als The Evil Eye bekannt-drehte er außerdem die beiden ebenfalls hervorragenden I Tre Volti Della Paura (Die Drei Gesichter Der Furcht) und La Frusta E Il Corpo (Der Dämon Und Die Jungfrau).

Am Anfang dieses Films ist noch nicht viel davon zu spüren, daß wir es hier mit dem Wegbereiter des Giallo zu tun haben, in dessen Mittelpunkt normalerweise recht plakativ zur Schau gestellte Morde stehen, die von psychopathologischen Tätern begangen werden, deren Motive meist sexueller Natur sind und am Ende mit ziemlich einfacher Logik erklärt werden, die in der Kindheit des Mörders zu suchen sind. Der Regisseur arrangiert seine Akteure hier noch etwas zurückhaltender, was die gesamte Handlung jedoch nur glaubwürdiger macht und der Spannung keinen Abbruch tut. So erleben wir Bavas einzigartiges Talent in der Kameraarbeit, was in wunderbaren und surrealen schwarz-weiß-Bildern zum Ausdruck kommt.

Das Mädchen, das hier zuviel wußte und das völlig nichtsahnend in Rom in einen unglaublichen Albtraum gerät, wird von Letícia Román dargestellt, die 1960 in G.I.Blues (Café Europa) an der Seite von Elvis Presley debütierte. Ansonsten ist von der Dame nicht viel zu berichten, außer, daß sie noch die Fanny Hill in Russ Meyer's gleichnamiger Komödie (trotz der fehlenden Meyer-typischen Attribute) spielte und in der Nähe vom im damaligen Deutschland so beliebten Old Surehand herumstand. Danach war sie nur noch in ein paar Fernsehserien zu sehen.
Ihr Partner in Rom ist einer der ewigen Nebendarsteller Hollywoods-John Saxon. Obwohl er schon 1958 für seine Darstellung in Blake Edwards (der spätere Pink Panther-Regisseur) This Happy Feeling (Männer Über Vierzig) mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde, schaffte er doch nie den ganz großen Durchbruch. Aufgrund mangelnder Angebote war er nicht der Einzige, der seinerzeit nach Europa gehen mußte, um seine Brötchen zu verdienen. Eine weitere markante Darbietung lieferte er 1966 als mexikanischer Bandit in dem Western The Appaloosa (Südwest Nach Sonora) neben Marlon Brando, bevor er 1973 in Enter The Dragon (Der Mann Mit Der Todeskralle) mit Bruce Lee zu sehen war-in dem ihm sicher sein Schwarzer Gürtel in Karate hilfreich war.

Letztendlich haben wir also mit dieser Verfilmung den Prototyp des italienischen "Groschenheftromans" vor uns-denn Giallo (Gelb) leitet sich von der Farbe jener damaligen Trivialliteratur ab-mit bereits dezenten Hinweisen auf spätere Vertreter dieses Genres. Hier wird noch mehr auf den kontinuierlichen Aufbau eines Spannungsbogens wert gelegt, was sich in den nächsten Jahren zugunsten der hochstilisierten Gewalt verschieben sollte, die gerade ein Dario Argento in den 70er Jahren als Kunstgriff zu verstehen wußte. Es geschehen nicht sehr viele Morde und es fließt noch weniger Blut, dafür schafft es Bava, einen mit einer Atmosphäre, die man fühlen kann, in seinen Bann zu ziehen-die Szenen an der Spanischen Treppe sind besonders gelungen incl. der anliegenden ominösen Wohnung mit einer gewohnt routiniert agierenden Valentina Cortese (Oscarnominierung für Truffaut's Die Amerikanische Nacht von 1973).
Doch was passiert zum Schluß? Bava läßt hier mit einer augenzwinkernd plazierten Pointe alle Fragen offen...

Mit The Girl Who Knew Too Much ist Mario Bava ein weiteres Mal ein kleiner Geniestreich gelungen. Ein fantastischer spannender und kurioser Thriller, dessen eindeutige Handschrift bereits einiges zu erkennen gibt. Der reine Begriff Giallo trifft dann erst auf seinen nächsten Film zu-Sei Donne Per L'Assassino (Blutige Seide), bei dem es dementsprechend dann schon etwas heftiger zur Sache geht.

Ich würd' sagen: insgesamt ein tolles Plädoyer gegen illegalen Drogenkonsum!??

9 / 10 Punkte


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