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Horde - Die Jagd hat begonnen, The (2016)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 4 / 10)
eingetragen am 21.04.2017, seitdem 101 Mal gelesen



Was macht man, wenn man sich zum Actionstar berufen fühlt, die Karriere aber doch nur in Asylum-Produktionen versandet? Ganz einfach: Man schreibt sich selbst ein Drehbuch mit interessantem Mix aus Action und Horror auf den Leib, wie es Paul Logan mit „The Horde“ tat.
Dabei sieht das Ganze anfangs noch nach straighter Backwood-Kost aus: Erst verhackstücken zahlreiche mutierte Hillbillies im Wald die obligatorischen Auftaktopfer in Form eines zeltenden Pärchens (der Männe spielt natürlich erst einmal einen Streich, ehe die Böslinge auftauchen), danach springt man in den Klassenraum von Selina Dubroux (Tiffany Brouwer), die mit ihrem Fotokurs einen Ausflug plant. Dazu gehört das übliche Klischeefigureninventar: Musterschülerin Hailey Summers (Sydney Sweeney), der Traum aller Schwiegermütter Derrick Manning (John Omohundro), der schnöselige Berufssohn Riley St. Claire (Thomas Ochoa) sowie das notgeile Pärchen Sheila Perry (Elisabeth Ferrara) und Chris Abrams (Jack David Frank). So weit, so bekannt.
Doch dann kommt Selinas Freund mit zum Ausflug, der frühere Navy Seal John Crenshaw (Paul Logan). Die Wumme für alle Fälle muss er nach einer Ansprache seiner pazifistischen Freundin daheim lassen, aber auch mit bloßen Händen kann der Mann sich wehren, was in der obligatorischen Barschlägerei mit ungehobelten Landeiern auf dem Weg zum Zielort demonstriert wird. Damit setzt man den Horde (die auch tatsächlich eine große Horde ist) mal einen stärkeren Gegenspieler als die üblichen Final Girls und Boys entgegen.

Danach wird im Wald erst einmal fotographiert und geturtelt, während John der Holden einen Heiratsantrag macht. Doch die Idylle ist nur von kurzer Dauer, denn schon in der ersten Nacht trabt das mörderische Kroppzeug an um die meisten der Gruppe zu massakrieren oder zu entführen. Doch John entkommt und startet einen Privatkrieg gegen die Bande…
„The Horde“ profitiert davon Einzelkämpferaction im Busch der Marke „Rambo“ und „The Marine“ mit Backwoodhorror zu kreuzen, der eindeutig von „Texas Chainsaw Massacre“, „The Hills Have Eyes“ und „Wrong Turn“ inspiriert ist. Da wird kein Klischee ausgelassen, die degenerierte Mördersippe ist sowohl durch Inzucht als auch durch Strahlung zu monströsen Kerlen mutiert, Kannibalen sind sie sowieso und noch dazu kochen sie Crystal Meth unter der Anleitung dreier Schwerverbrecher, die inzwischen den Laden in Mutanten-Town schmeißen. Genretypisch gehören dann auch entsprechende Quälereien von Opfern in Schlachthof und Brutkammer dazu, die jedoch hier quälend langweilig wirken, da Vielfilmer Jared Cohn leider keinerlei Ahnung von Figuren und Spannungsaufbau besitzt.
Dabei ist das Einführungsdrittel gar nicht mal so schlecht, kann trotz dicker Klischees die Figuren als gar nicht einmal so unsympathisch oder uninteressant zeichnen, doch damit ist es nach dem Angriff der Kannibalen vorbei: Positive Figuren werden salopp weggehäckselt, vom Tod eines Sympathieträgers erfährt man dermaßen nebenher, dass jede Wirkung verpufft und auch die exploitativ ausgespielten Qualen der Opfer zeigen null Wirkung, zumal der Film es stellenweise mit dem Sadismus etwas übertreibt. Cohns inszenatorische Schwächen zeigen sich leider auch beim vermeintlich befriedigenden Gegenschlag Johns: Anstatt wirklich Spannung aufzubauen wird das Abmetzeln der meist chancenlosen Mutanten ohne Flow und ohne Dynamik aneinandergereiht – man vergleiche das mal mit der ungemein besseren Passage aus „Rambo II“, in welcher der Titelheld seine Verfolger dezimiert.

So bleibt auch die Action immer etwas suboptimal, was schade ist, denn Paul Logan versteht sein Handwerk auch als Fight Choreographer, wie man in diversen Actionszenen sehen kann und dieses Handwerk kriegt auch die Regie nicht kaputt. Mit Messer, Machete sowie Pfeil und Bogen werden die Übelwichte dezimiert, ein paar schicke Nahkampfszenen sind auch drin und in den besten Momenten ist das sogar erfreulich übersichtlich, in den schlechteren leider etwas verwackelt im Bourne-gewollt-und-nicht-gekonnt-Stil. Enttäuschend ist allerdings der Showdown. Nicht nur ist die Offenlegung von Johns Superbrainfähigkeiten bei der Planung des letzten Gefechts eher unfreiwillig komisch, wenn er das Handeln sämtlicher Gegner schon mehr oder minder eingeplant hat, außerdem sind die Lumpen rasend schnell weg vom Fenster – obwohl Oberfiesling Cylus Atkinson (Costas Mandylor) mit entsprechendem Big Bang abtritt. Immerhin: Die vorige Autojagd hat da schon mehr Wumms und entschädigt etwas für das darauffolgende Schlappifinale.
Paul Logan bringt zudem die körperlichen Actionstarqualitäten mit und kann sogar ganz okay schauspielern, doch es fehlt ihm am nötigen Charisma um der nächste Seagal oder Lundgren zu werden. Doch den Film kann er nicht nur tragen, er hätte einen besseren verdient. Als sympathische Opfer zum In-Gefahr-Geraten sind Tiffany Brouwer und Sydney Sweeney reichlich unterfordertes Augenfutter, während der Rest der Teendarsteller noch weniger Eindruck hinterlässt. Costas Mandylor zieht immerhin recht eingängig seine bewährten Schurkenroutine runter und in weiteren Lumpenrollen kann sich „The Horde“ auf weitere patentierte Fieslingsfressen wie den backwooderfahrenen Bill Moseley, Matthew Willig und Nils Allen Stewart verlassen. Zu dieser Reihe kann man auch Vernon Wells zählen, der allerdings als Chefschlachter der Truppe in nur zwei Szenen vorkommt und im Dunkel des Schlachthofs salbadert – noch so ein Problem des Films: Viele Szenen sind so dunkel, dass man von der Action und den Schauwerten gerne mehr sähe. Ansonsten noch dabei: Nestor Serrano als Sheriff vom Lande sowie B-Actionstar Don ‘The Dragon‘ Wilson im vielleicht egalsten und unnötigsten Cameo aller Zeiten.

So bleibt ein Film der verschenkten Möglichkeiten: Die Prämisse ist interessant, Paul Logans Script einfallsarme, aber ausbaubare Genreware und die Kampfchoreographie recht ordentlich. Doch in viel zu dunklen Bildern versenkt die armselige Regie von Jared Cohn jede Form von Spannungsaufbau. Schade um den recht gelungenen (von der Regie leider unsubtil in den Film geklatschten) Soundtrack und den starken Abspannsong.


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