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Eigentlich nimmt es eher Wunder, wieso man die Marke "Hard Target" so lange in Ruhe gelassen und nicht schon viel eher benutzt und marketingtechnisch ausgenutzt hat; wurde ein Timecop bspw. schon 2003 verbrannt und ist dieses jetzige Szenario angesichts des anhaltenden Zuspruchs durch das Publikum für das amerikanische John Woo - Debüt wesentlich höher und so wesentlich mehr Reputation und Prestige für das Marketing wert. Bei der späten Umsetzung ging man von vornherein auf Nummer (zu) Sicher, benutzte mit Roel Reiné einen Regisseur, der wenig Ansprüche an das Budget, an die Drehzeit und wohl auch an sich selber stellt und sich als routinierter 'Sequelist' geradezu hervorgetan hat. Und mit Scott Adkins einen Star, der zwar Integrität und Solidität, aber ebenso eingeschränkte Ambition, d.h. die Erfüllung der momentan eingeschränkten Bedingungen für das darbende Genre an sich und dessen Ausweichen in den DTV - Sektor, das B-Picture also besitzt. Ein Malen nach Zahlen vom Drehteam und dann auch von der Geschichte her, die das Original dem Namen nach ebenso verwendet wie genau dessen Ursprünge, die bis zum Most Dangerous Game [ Kurzgeschichte 1924, Film 1932 ] zurückreichen und vor allem in den Achtzigern und eben den Neunzigern dann wieder zahlreiche Verwendung fanden:

Der Mixed Martial Artist Wes "The Jailor" Baylor [ Scott Adkins ] hat sich nach dem verursachten Tod seines besten Freundes im Ring aus dem Geschäft zurückgezogen und verdingt sich in Thailand in illegalen Kämpfen ein wenig Tagegeld. Als ihm der Geschäftsmann Jonah Aldrich [ Robert Knepper ] eine größere Summe für einen letzten Kampf in Myanmar anbietet, willigt Baylor, der eh nichts mehr zu verlieren hat und an den Selbstvorwürfen für den Unfall im Ring zugrunde zu gehen droht, in das dubiose Geschäft ein. Nur um bei Ankunft vor Ort schnell festzustellen, dass er als spezielle Beute für eine Gruppe selbsternannten Menschenjäger ausgesucht wurde, die ihn unter der Einwilligung vom lokalen General [ Sahajak Boonthanakit ] durch den Dschungel jagen wollen. Um zu verhindern, dass er noch an Ort und Stelle standrechtlich erschossen wird, willigt Baylor notgedrungen in das perfide Vorhaben an und macht sich auf den Weg. Auf seiner Fährte Aldrichs Assistent Madden [ Temuera Morrison ] und die für das Vergnügen zahlenden Esparto [ Adam Saunders ], Landon Marshall [ Jamie Timony ], Sofia [ hochgradig albern: Rhona Mitra ] sowie Jacon Zmiling [ Peter Hardy ], der sein noch verweichlichten Sohn Tobias [ Sean Keenan ] mit dem ungewöhnlichen Jagdausflug endlich zum Mann machen will.   

Dass man den '93er Film kennt, und dessen weiterhin reichenden Einfluss für die Zuschauer schätzt – der Film hat ursprünglich an den Kinokassen wenig Furore gemacht, aber in den Videotheken und im Verkauf dann umso mehr – , wird gerade in der Eingangsszene deutlich, die einiges an Manierismen und Mechanismen von Woo selber und dessen Inszenierung im ersten westlichen Auftritt zitiert und repetiert. Die pre-title Szene ist im Grunde eine rasche Zusammenfassung des dortigen Filmes von A bis Z, die anschließend allerdings eigene Wege, unverständlicherweise welche ohne Bleispritzen übrigens, und dann mit dem Abstecher in das Kampfsportmilieu wiederum auf Fanservice, nur diesmal die Boyka-Klientel der Undisputed-Reihe geht. Interessen tut dies ebenso wenig wie die Fights selber, die generisch, wenn auch insoweit verlässlich gehandhabt und eben zahlreich erstmal eingespeist sind; ein Vorgeplänkel im Ring und Underground, dass den gebrochenen Helden und sein Trauma vorstellt und ihn in seiner selbstquälerischen Attitüde samt körperlichen und seelischen Schmerzen und dem fleißigen Konsumieren von braunem Fusel und Pillekes schon recht nah an das Klischee derlei Stories, mitten aus den tiefsten Achtzigern quasi heranführt.

Adkins spielt diesen Part natürlich schon im Halbschlaf und braucht sich hier entsprechend auch nicht weiter anzustrengen, und ist, so muss man es trotz aller versprühenden Sympathie leider sagen, auch von einem Van Damme und dessen ikonographischen Fußstapfen doch weiter als zuvor weg. Knepper gibt ab seinem zeitigen Auftritt dann den Lance Henriksen, wobei der Unterschied von hier zu dort dann noch mehr und noch mehr nachteilig auffällt; aber wenigstens die Jagd selber schon beizeiten eröffnet und die Prämisse endlich Prämisse sein lässt und es in den tiefsten Dschungel von Myanmar, abseits jeder Zivilisation und fern von Anstand und Würde dann geht.

Also, ein schneller Einstieg, in dem die Kamera von Reiné schon mal gefällt und die Bewegungen, die sie verfolgt und selber fabriziert, sowie auch die gesamte Inszenierung durchaus einen auf die dicke Hose macht und auch machen kann, und dies im Vergleich zum direkten Vorgänger von Reinés Filmographie, dem inhaltlich übrigens überaus ähnlichen The Condemned 2 und seinem 3 Mio. USD Wüstenbudget schon ein ganzes Stück weit von abhebt. Pulsierende, treibende Klänge, ab und an an dräuendes Herzklopfen auf der Tonspur, dazu die "schönste Aussicht von Bangkok" und vorher ein großflächiges Panorama von Las Vegas; alles ganz imposant und alles nicht so verkehrt. Der Dschungel selber ist dann ein großes Stück Grün, dass trotz dann Ethnogedudel auch nicht mehr so exotisch ist, wie es vielleicht wirken sollte und auch von seiner Anlage her viel weniger Möglichkeiten für Flucht und Verfolgung und Angriff und Gegenwehr bietet als ein urbanes Setting, aber angesichts dessen wenigstens rasch durchquert wird und nicht gänzlich auf der Stelle stecken bleibt. Adkins bekommt seine zwei Minuten Vorsprung, wird am lauschigen Wasserfall von einem Fährtenleser aufgestöbert und beschossen und muss sich später in der ruinösen Tempelanlage mit mit Motorrad berittenen Angreifern duellieren. Zwischendurch trifft er noch auf eine Elefantenherde und dessen lieblicher asiatischen Führerin Tha [ Ann Truong ], einer Art neuzeitlicher Pocahontas, die ihm den Weg weist und alsbald auch hilfreich für den Seelenstriptease und als Augenweide zur Seite steht. Während hintendran und gegenüber die Verrückten und die Reichen und die misogynen White Trash Rabauken in ihrer Funktion als Pappkameraden auf- und überdrehen und für den (quantitativ und qualitativ) überschaubaren Bodycount ihr Bestes als Kanonenfutter geben. [Das Vater-Sohn-Gespann kommt direkt aus Surviving the Game, 1994, an dem man sich auch hätte orientieren können.]

Kleinere Actionszenen sind dabei zahlreich integriert, aber von der selbsterklärten Woo - Hommage bekommt man nichts, nämlich kaum bis keinerlei Shootouts und ansonsten nur winzige Details wie eine ähnliche Waffenwahl, ein mittiges Face-off und natürlich die obligaten (parodistischen) Tauben zu sehen. Dafür gibts ein 'Catfight', der erstaunlich schnell und dann auch blutig für das Opfer schon vorbei ist, einen großangelegten Showdown direkt vor und auf der Grenzbrücke, wo das Pulver aber schon nassgeworden und selbst das Cameo von Yanin „Jeeja“ Vismitananda nur für Sekunden vorhanden und mehr Potential vorbereitet als verwirklicht ist.

Nichts Neues auf der Heimvideofront also, und (den)noch schön, dass es sowas noch gibt, auch wenn das ausdrücklich genannte Vorbild viel zu weit weg ist, und die anderen Nachbarn wie Hunter's Blood [ 1987 ] oder Deadly Prey [ 1986 ] oder The Zero Boys (1986) zwar auch nicht wesentlich besser sind, aber schon archaisch und den Nimbus der Nostalgie gepaart mit Räudigkeit und Grobschlächtigkeit entwickelt haben, von dem dies gelackte Einheitswerk hier nicht zehren kann. Was schade und insgesamt vertane Chance ist.

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