Dass Videospiele sich beinahe nie mit der Übertragung anderer Medien in die Form eines Films messen können, liegt nicht nur daran, dass sich in jüngerer Vergangenheit ein tapferer Ex-Boxer namens Uwe Boll against all odds des guten Geschmacks oder cineastischen Anspruchs dieser Aufgabe annahm. Auch narrativ gibt es mediale Unterschiede und während das jeweilige Spiel auf Interaktivität, auf Beteiligung des jeweiligen Adressaten oder Rezipienten angewiesen ist, bedarf es zum Konsum eines Films nur des passiven Starrens auf den Bildschirm, was das Phänomen der Immersion, des Eintauchens in das Medium und die in ihm konstituierte diegetische Welt, so gut wie ausschließt.
Diese Distanz zwischen Medium und Mensch, die beim Film in größerem Maße zum Tragen kommt als beim Videospiel ermöglicht es, zu kritisieren und unvoreingenommen zu rezensieren...
Naja jetzt aber genug des Geschwafels, kommen wir zum Objekt des Gemeckers: Street Fighter - Die entscheidende Schlacht, des Prügel-Films, welcher lose auf den Charakteren und Motiven des Games Street Fighter II basiert.
Regisseur dieser zumindest fragwürdigen Kloppgurke ist Steven E. De Souza. Wer? Der Drehbuchautor moderner Actionklassiker wie Nur 48 Stunden (1982), Stirb langsam (1988) oder - Achtung: Ironie! - Street Fighter. Es ist bis heute bei einem einzigen Ausflug ins Metier „Regisseur eines Kinofilms" geblieben. Einer der Hauptdarsteller: Raul Julia. Wer? Ein gebürtiger Puerto Ricaner, der schon in Der Kuss der Spinnenfrau (1985) neben William Hurt in seiner Rolle als politischer Gefangener als Charakterdarsteller brillierte und sonst eher als Nebendarsteller großer Hollywoodproduktionen (u.a. Tequila Sunrise, 1988 und Aus Mangel an Beweisen, 1990) in Erscheinung trat. Leider erlag er Ende 1994 einem Krebsleiden.
Man erkennt also, wie viel wertvolle Lebensenergie diese doch eigentlich in ihren Jobs sehr fähigen Menschen in Street Fighter verschwenden.
Raul Julia spielt nun General Bison, einen größenwahnsinnigen Diktator in einem fiktiven südostasiatischen Land namens Shandaloo, der 63 Botschafter der UN gefangen genommen hat und 20 Milliarden Lösegeld erpressen will. Colonel Guile (Jean-Claude van Damme) von der AN (für die Rechte am Namen UN hat es nicht gereicht) hat was dagegen und stürmt mit seinen martialischen Truppen das einem Tempel ähnelnden Hauptquartier von Bison...
Das ist so in etwa die Handlung. Netto gehen etwa 45 Minuten des Films (hab vergessen, die Zeit zu stoppen) nur für Explosionen, Ballereien und - vor allem - Prügeleien drauf. Das ist aber nicht viel, weil immer noch 45 Minuten für dünnpfiffartige Dialoge voll depperter Komik (der Versuch, schlechten Humor mittels mies chargierender Prota- und Antagonisten zu vermitteln schlägt fehl) sowie plumpen Mobilisierungs-Pathos übrig bleiben. Denkwürdig die Ansprache van Dammes an seine Truppe, als er den Befehl bekommt, abzurücken, was er aber als Moral beweisender Mensch wie er einer ist, schnell einfach mal so ignorieren und das Leben hunderter Soldaten zu deren Jubelbekundungen riskieren muss.
Apropos ignorieren: Ignorieren kommt von Ignoranz und die gibt es in Streetfighter natürlich auch. Da wird mittels permanenten Konsums von grauenvollen Gewaltbildern und des permanenten Zuführens von Stereoiden oder ähnlichem Gedöns ein komisches grünes Wesen, das aussieht wie Hulk als Albino, erschaffen, dass am Anfang mal n gefangen genommener Kumpel von Colonel Guile war. „Blanka" hieß das Viech im Spiel und hat freilich eine andere „Entstehungsgeschichte" aufzuweisen. Naja jedenfalls kommt aus dessen Experiment-Kapsel zum Auftakt des großen Finales, als dann Guile gegen Bison (der aussieht, wie ein Mitglied der Village People in pornöser roter Lederkluft) kämpft, van Damme mit einem Kampftritt herausgesprungen als gäbe es keine Schwerkraft.
Und damit diese idiotische Videospieladaption dann nicht zu lose mit den Motiven der Vorlage umgeht, fanden auch die Charaktere Ryu, Ken (was die beide eigentlich für eine narrative Funktion haben, hat sich mir nicht erschlossen), Honda, Chun-Li (beide zusammen als Reporterteam [!!!]), sowie Sagat und Vega (als böse Waffenschieber Bisons) in den Film Eingang, auch wenn sie letztendlich durch die Dominanz von van Damme und Raul Julia nur zu Statisten degradiert werden.
Van Damme, der blondierte Belgier mit Beule, agiert dabei dermaßen hölzern auch was die kläglichen Humorversuche angeht, dass selbst jedes Mitglied eines Schultheaters vor Schmerzen aufheult. Raul Julia macht seine Sache nicht wirklich besser, auch wenn er ziemlich grimmig gucken und trocken irgendwelche „Ich-bin-so-geil-weil-ich-mit-2-Fingern-einer-austauschbaren-Nebenrolle-sein- Genick-brechen-kann"-Sprüche reißen kann. Spätestens wenn er am Ende mit Energieblitzen schießen und durch die Kante fliegen kann (mit Magnetismus - ist klar!), dann feiert sich selbst der nüchternste Zuschauer weg... Da hilft auch nicht der gewollte Humor bei pathetischen Sprüchen um die Weltherrschaft oder des Baus einer Stadt namens „Bisonopolis", welche platte Parallelen zu Hitler und den Größenwahn durch die „Welthauptstadt Germania" zieht.
Ohnehin sollte man - wenn man es denn wirklich muss - Streetfighter unter dem Wissen schauen, dass es sich um einen Trash-Film handelt und zwar um einen ziemlich unfreiwillig komischen. Was man zu sehen bekommt, ist eine 90-minütige Zurschaustellung von muskelbepackten Pin-Ups, konventionell inszenierter Action in pseudo-stylishen billigen Plastik-Kulissen und eine Menge Stumpfsinn. Das Ganze ist doof, aber irgendwie auch unterhaltsam, wenn man es nicht ernst nimmt. Zumindest bis die 30. Birne weich gekloppt wurde, wenn sich der Film bzw. dessen Handlung in einem 20-minütigem Prügelfinale verliert. Dann doch lieber Mortal Kombat schauen oder das aus heutiger Sicht in Sachen Grafik indisponierte, aber enorm spaßige Game zocken (4/10).
BTW: Wann wird eigentlich endlich Tekken verfilmt? Werden die Outtakes von Uwe Bolls Boxkampf mit einem Journalisten in den Film integriert? Ich würde es mir eventuell anschauen - wenn ich kein Geld dafür bezahlen müsste...