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Quiet Earth - Das letzte Experiment (1985)
Eine Kritik von Porcupine (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 04.08.2006, seitdem 559 Mal gelesen
Die Gesellschaft definiert sich durch das friedliche Zusammenleben verschiedenster Individuen. Was ist aber, wenn es keine Individuen mehr gibt ? Diese und ähnliche Fragen versucht das kleine Independent-Werk "Quiet Earth - Das letzte Experiment" zu stellen und teilweise zu beantworten.
Der Wissenschaftler Zac Hobson wacht wie jeden Morgen ganz normal auf. Der Wecker zeigt 6:11 Uhr. Ein wunderschöner Sonnenaufgang wird gezeigt. Also deutet Alles auf einen ganz normalen Tag hin. Nur leider ist es keiner. Zac muss bald erschrocken feststellen, dass er anscheinend der einzige noch lebende Mensch auf der Welt ist. Aufgrund einer wissenschaftlichen Katastrophe scheint das restliche Leben ausgelöscht worden zu sein. Nun ist Zac also der einzige Mensch auf Erden. Doch der Genuss der völligen Freiheit ist nur von kurzer Dauer. Nicht nur, weil er bald doch noch auf weitere Überlebende trifft.
Die etwas mehr mainstream-orientierten Filmfans denken bei dieser Art von Story sicherlich erstmal an Danny Boyles "28 Days later", der mit der identischen Handlung aufwartet und sich eigentlich nur darin von "Quiet Earth" unterscheidet, dass auch noch ein paar Zombies von der Partie sind. Bei dem zu rezensierenden Film gibt es solch Horrornote nicht, denn hier steht vielmehr im Mittelpunkt, wie Zac mit seiner Einsamkeit zurechtkommt und wie später die 3 Individuen miteinander umgehen. Die erste halbe Stunde stellt hierbei das absolute Prunkstück dar. Bruno Lawrence aka Zac Hobson liefert eine One-Man-Show ab, im wahrsten Sinne des Wortes. Bis ihm endlich klar wird, in welch misslicher Lage er sich befindet, muss schon einige Zeit verstreichen und erst, als er verlorene Straßen und verunglückte Flugzeuge und Autos mitten in der Stadt antrifft, beginnt er zu realisieren, dass das wissenschaftliche Experiment, an dem er nicht ganz unbeteiligt war, verheerende Folgen mit sich getragen hat. Zunächst findet er sich jedoch mit seiner Rolle als absoluter Einzelgänger ganz gut zurecht, kann er doch Tun und Lassen, was er will. So macht er sich leerstehende Luxusvillen zum Eigentum, kann nach Belieben seine Fortbewegungsmittel variieren und fällt schlicht und einfach niemand zur Last. Ein unbeschwertes Leben also, in dem er seine ganzen Ideen problem entfalten kann, ohne jemandem zu schaden. Doch so toll einem solch ein Leben wohl erstmal erscheinen mag, sieht man auch am Beispiel Zacs, wie sich ein solch tristes Leben auf einen auswirken kann. Denn nach anfänglichem Genuss der Situation, stellt sich schon bald pure Frustration ein. Zac beginnt, mit Waffen wild um sich zu schießen, mit Panzern die Stadt zu zerstören und vor allem, ein schlechtes Gewissen zu bekommen, da er sich nicht gerade unschuldig fühlt, als Wissenschaftler.
Zacs skrupel- und rücksichtsloses Verhalten wird besonders dann ersichtlich, als er mit dem geklauten Panzer alles in Grund und Boden wälzt, bis er letztendlich erkennt, dass er soeben einen Kinderwagen mir nichts dir nichts überrollt hat. Ohne darauf zu achten. Geschockt springt er aus seinem Fahrzeug und durchsucht die vom Kinderwagen übriggebliebenen Rest nach einem möglichen Opfer, dem toten Kind. Zwar hat sich kein Baby darin befunden, doch Zac ist dermaßen geschockt von seinem Verhalten, dass ihm seine momentane Situation wieder durch den Kopf schießt, er sie allmählich realisiert und er sich schließlich sogar das Leben nehmen möchte.
Als er dann etwas später Joanne kennenlernt, die die Katastrophe auch überlebt hat, fällt Zac sichtlich ein Stein vom Herzen und dies zeigt auch, dass ein Leben völlig allein alles andere als vergnüglich sein würde, auch wenn sich das sicher hin und wieder jemand so wünschen würde. Allerdings zeigt "Quiet Earth", dass es auch in einer "Mini-Gesellschaft" zu Reibungen und Differenzen kommen kann. Joanne und Zac stoßen später noch auf den Afrikaner (?) Api und zu dritt versuchen sie, mit der Lage besser fertig zu werden, doch altbekannte Probleme wie Hautfarbe und so weiter kommen selbst da zum Vorschein. Api fühlt dich diskriminiert, weil Zac das Kommando übernimmt und wirft diesem vor, dass die Zeiten, in denen der "weiße Mann" regiert, nun vorbei seien. Zac jedoch will, angetrieben von seinen Schuldgefühlen, nur das Beste für die Überlebenden und einen weiteren "Effekt", wie die Katastrophe immer genannt wird, verhindern.
Leider wird dieser "Effekt" nie richtig angesprochen und immer nur periphär tangiert, denn ein Wieso oder Weshalb sucht man hier leider vergebens, was ein wenig schade ist. Auch das Ende bzw. die Lösung des endgültigen Problems erscheint ein wenig sehr plump, auch wenn es schon etwas deprimierend daherkommt.
Alles in allem ist "Quiet Earth" jedoch ein wirklich sehenswerter Film, bei dem vor allem Zac herausragt. Fragen über das Sein, die Existenz, Leben und Tod werden bis zur Genüge behandelt und Verhalten und Gefühlsschwankungen der Beteiligten sind stets nachvollziehbar. Ein kleines Filmchen, das aber für sich viel mehr wirkt als ein "28 Days later". Wo dieser auf reine Unterhaltung und Kurzweile Wert legte, geht "Quiet Earth" eher ins Detail und wirft Fragen auf, die zwar nicht alle ausreichend beantwortet werden, aber dennoch genug, um wirklich zu überzeugen.
8/10 Punkte
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