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Quiet Earth - Das letzte Experiment (1985)
Eine Kritik von nickpicker (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 11.09.2007, seitdem 505 Mal gelesen
Was, wenn man aufwacht und niemand ist da? Wenn man allein auf der Welt ist und frei zu tun, was immer man möchte? Möchte man überhaupt noch etwas tun? Ist ohne jeden Maßstab nicht alles sinnlos? Endlose Weite kann sehr bedrückend wirken.
The Quiet Earth versteht es großartig, diese einzigartige Situation atmosphärisch zum Leben zu erwecken, die so unvorstellbar ist wie keine sonst. Ist man allein in seiner Wohnung, weiß aber, dass ein anderes Lebewesen nebenan wohnt, fühlt man sich doch nie völlig einsam. Wenn man allein in einer Stadt, einem Land aufwacht, dann muss sich das schon weitaus mulmiger anfühlen. Wenn aber die Gewissheit kommt, dass auf der ganzen Welt niemand sonst am Leben ist, was fühlt man?
Zac Hobson weiß es selbst nicht so genau. Er gerät von einer Phase in die nächste. Als römischer Imperator hält er eine Rede vom Balkon einer Villa - unter ihm, von Flutlichtern erhellt, illustre Gestalten der Weltgeschichte - US-President, Queen, Papst, Hitler, alles Pappfiguren, in Eintracht beieinander. Dann läuft er mit einem Nachthemd bekleidet und einer Shotgun bewaffnet durch eine Kirche, fordert Gott heraus, nimmt seinen Sohn als Geisel und erschießt ihn. Jesus fällt vom Kreuz. Hat sich etwas geändert? Zac findet sich mit seiner Situation ab. Vom Urlaute ausstoßenden Instinktwesen klettert er wieder zurück in einen gepflegten Anzug, rasiert sich, räumt auf, baut Kartoffeln an. Leben ist alles!
Allein in diesem ersten der drei Akte des Films lassen sich so viele Doppelbödigkeiten, Interpretationsansätze und Menschheitskritik ausmachen, dass man die Arme beliebig ausstrecken und immer ins Volle greifen kann. Jede Szene hat Bedeutung, nichts hier wurde beliebig gefilmt.
Dann der zweite Akt mit einer zweiten Person. Zu viel soll jetzt nicht verraten werden, deshalb nur das, was man sich ohnehin hätte denken können: Im Folgenden erweitert sich das Spektrum der zahlreichen Themen, die dieser Film bearbeitet, auf die Zwischenmenschlichkeit mit ihren Höhen und Tiefen. Doch dabei bleibt es nicht, man versäumt es auch nicht, die technische Seite dieses Endzeitszenarios ein wenig zu beleuchten; gerade so viel, dass die Spannung steigt, gerade so wenig, dass eine mysteriöse Ungewissheit bleibt. Der Realismus ist jederzeit spürbar, denn nie verlässt der Film die selbstgesteckten Grenzen, nie will er zu viel erklären oder mit besonders aufregenden Wendungen protzen.
The Quiet Earth ist ein bemerkenswerter Film, denn er ist in seiner Anlage gänzlich zeitlos. Seine Aussage ist so allgemeingültig, dabei aber so eindrucksvoll auf anschauliche Beispiele heruntergebrochen, dass man ob dieser Leistung nur den Hut ziehen kann: Der Mensch ist von Grund auf zerstörerisch, gleichzeitig aber getrieben vom Wunsch zu leben. Diese Diskrepanz wird im Film mit großem Pessimismus ausgeführt, ohne aber je hoffnungslos zu werden (wie auch bei dem eben genannten Grundthema). Das Ende, das sich unweigerlich ins Gedächtnis einbrennt, pervertiert dieses Thema schließlich und ist schlicht faszinierend negativ.
Es ist dem Film zu gönnen, dass er wider Erwarten ein veritabler Kinoerfolg wurde. Manchmal trifft es also doch die Richtigen.
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