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Einsatz, Der (2003)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 23.01.2004, seitdem 3528 Mal gelesen
Hach ja, immer wieder herrlich mit welchen Verspätungen Kinofilme bei uns anlaufen. „The Recruit“ lief in den USA schon vor 12 Monaten, machte solide Kasse – mehr aber auch nicht. Hierzulande sollte er erst direct-to-dvd kommen, doch nach Farrells Erfolgen wie „Phone Booth“, „Daredevil“ und „SWAT“ durfte er also doch noch auf die große Leinwand. So langsam bekomme ich den Eindruck, dass der aufsteigende Stern sich etwas zu sehr verheizen lässt, doch anschaubar waren seine letzten Filme allemal.
Mehr als den Status Durchschnitt kann dieser CIA-Thriller, trotz Starbesetzung nicht verbuchen. Es mag vielleicht daran liegen, dass ich schon zu viele Filme dieser Art gesehen habe, aber den Plot konnte ich (und werden auch viele Genrefreunde), auch dank des Trailers, von Anfang bis Ende vorhersagen. Überkonstruiert bis in die kleinste Ecke, Agentenklischees wie sie im Buche stehen und ein undurchschaubarer Plot, der, im Gegensatz zu prominenten Kollegen wie „Basic“, überhaupt keinen Spaß macht.
Da haben wir also das kleine Genie James Clayton (Colin Farrell), den Walter Burke (Al Pacino), seines Zeichens Anwerber der CIA, ins Auge fasst und prompt auch anwirbt. Mit Papas ungewissem Schicksal (wie innovativ) geködert, geht’s ab ins Trainingscamp, wo der Mentor die, mitunter sehr enigmatischen, Phrasen seinen Schülern nur so um die Ohren haut und damit dem ganzen Film verrät. „Alles ist ein Test“, predigt Burke und daher wissen wir unlängst, dass alle Überraschungen in den nächsten Minuten, so unglaubwürdig sie auch zu scheinen mögen, eben genau das sind. Das Training hat nichts Aufregendes zu bieten, dafür fliegt Clayton jedoch aus der Schule, um dann wieder von Burke ins Boot geholt zu werden. Es ist an ihm einen bösen Maulwurf zu enttarnen, der sich zufällig zu ihm hingezogen fühlt.
Bald steigt Farrell nicht mehr durch und auch ich habe irgendwann abgeschaltet, da der Film eben auf das, von mir geahnte, Ende hinausläuft. Wo wurden also die Fehler gemacht? Vielleicht war der größte die Verpflichtung von Roger Donaldson, dem ich nun gar nichts abgewinnen kann. Mal abgesehen von Frühwerken in den 80ern und dem Politthriller „Thirteen days“ gehen ein überflüssige „Getaway“ – Remake, „Species“ und „Dante’s Peak“ auf sein Konto. Die mögen zwar optisch was hermachen, sind ansonsten aber platt. Für „The Recruit“ sind nur leider völlig andere Qualitäten gefragt. Der zweite Fehler ist das Drehbuch, das immerhin von „Equilibrium“ – Regisseur Kurt Wimmer mitschrieben wurde und viel zu raffiniert sein will.
Al Pacino kommt hier noch am Besten weg. Stets beeindruckend, wie man ihm einen Jungstar an die Seite stellen kann und er ihnen zeigt, wie man das Publikum souverän fasziniert. Fast schon unterfordert in seiner Rolle, spielt er Farrell mühelos an die Wand. Er zeigt nicht viel, langweilt sich fast in seiner Rolle – aber wie er das macht ist trotzdem große Klasse.
Ihm zur Seite nun Farrell, der eifrig darauf bedacht ist eine Vater-Sohn Beziehung aufzubauen, aber letztlich an seiner Rolle scheitert, die von der Schuhsohle bis zur Haarspitze aufs junge Publikum zugeschnitten ist. Er darf seinen Körper präsentieren, seine nette Agentin flach legen, seinen Ladykillerblick wandern lassen und immer so tun, als wäre die ganze Welt hinter ihm her. Ich bekam fast Mitleid.
Nun, es ist ein Film über die CIA, also hätte ich mir, vor allem weil er aus Amerika kommt, auch gern ein paar Einblicke in diesen Apparat gewünscht. An Kritik habe ich sowieso nicht geglaubt. Doch alles was wir zu sehen bekommen, sind ein paar nette Spielereien für James Bond-Fans und ein paar Sets des Zentralrechners in Langley. That’s it. Ansonsten werden nur viele Klischees aufbereitet, die man aus anderen Agentenfilmen zu genüge kennt - inklusive heißes Hacken in die Tastatur und Taxi-Verfolgungsjagden. Wenn Farrell noch den Satz „Folgen sie dem gelben Taxi dort“ abgelassen hätte, wäre ich schreiend weg gerannt.
Fazit:
Ein Meisterwerk der Thrillerkunst ist „The Recruit“ wirklich nicht gerade. Bodensatz allerdings auch nicht und damit hätte man sich wohl auf den Alternativplan, das Teil nur als DVD zu bringen, konzentrieren sollen. So verwirrt der Plot auch ist und uns die Twists um die Ohren knallt, die Schlüsselszenen kann jeder Genrekenner vorhersehen. So bleibt der Film nur noch in optischer Hinsicht interessant. Al Pacino ist mal wieder frei von Kritik, Farrell sollte vielleicht in Zukunft etwas sorgfältiger die Rollen aussuchen und wir wissen endgültig, dass Donaldson lieber die Finger von kniffeligen Thrillern lassen sollte.
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