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"Alarm im Zoo - Magie entlaufen!"

Dass Warner die güldene „Harry Potter"-Kuh bis auf den letzten Nugget melken will, ist legitim. Die Konkurrenz der Häuser „Marvel" und „Disney" enteilt nicht nur in Sieben-Meilen-Schritten, sondern hat das Melken bewährter Stoffe auf ein ganz neues Level gehoben. Längst ist man weit über die schnöde Fortsetzungsmasche hinaus. Das moderne Studio hat ein Rundum-sorglos-Paket aus Sequels, Prequels, Spinn offs im Marschgepäck, das locker für die nächsten zwei Dekaden reicht. Wäre doch gelacht, wenn sich ein solches nicht auch aus der kunterbunten Rowlingschen Magiewelt schnüren lies.

Okay, die Dame hat bisher erst ein schmales Pseudosachbuch-Bändchen mit dem wenig aufregenden Titel „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" zustande gebracht, allerdings hat Peter Jackson aus Tolkiens Kinderbuch „Der Hobbit" auch problemlos drei Epik-Schinken im „Herr der Ringe"-Style geschnitzt. Da sollte mit einem Monster-Budget von 225 Millionen Dollar, Rowling höchstpersönlich als Drehbuchautorin und Potter-Hausregisseur Peter Yates (er inszenierte die Filme 5-8) doch was gehen in Richtung Blockbuster-Offensive.

Und tatsächlich sieht es zunächst nach einem souveränen Start-Ziel-Sieg aus. Wenn der verschrobene britische Magizoologe Newt Scamander im New York des frühen 20. Jahrhunderts landet, stellt sich schnell die unwiderstehliche Mischung aus Magie, Abenteuer, Mystik und schelmischem Witz ein, die die meisten Potter-Verfilmungen auszeichnete. Man will unbedingt wissen, was er in seinem geheimnisvollen Koffer mit sich führt, in dem es ständig rumort und wimmelt. Und als das erste Tierwesen - ein auf alles glänzende abfahrender Niffler - dann endlich entfleucht und ein veritables Chaos in der noblen Steen National Bank anrichtet, scheint der turbulente Spaß so richtig los zu legen. Zumal Scamander seinen Koffer mit dem eines ahnungslosen Zivilisten vertauscht, was wiederum den „Magischen Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika" - kurz MACUSA - auf den Plan ruft, der die Zucht magischer Wesen aufs Strengste untersagt.

Bestimmt hatte Rowling bei Scamanders Köfferchen alles andere als die Büchse der Pandora im SInn, aber als er ihn schließlich öffnet, beginnt der Film aus dem Ruder zu laufen. Im Innern befinden sich die Habitate der phantastischen Tierwesen, in welche Scamander and friends  - u.a. die ebenso ehrgeizige wie mausgraue MACUSA-Mitarbeiterin Porpentina Goldstein - nun die Flüchtigen zurückbringen müssen, welche inzwischen ganz New York unsicher machen. Yates verliert sich ab da zunehmend in wirren und v.a. langweiligen Jagdszenen mit deutlichem CGI-Einschlag. Irgendwann ist es schlichtweg egal, wer gerade wen, warum und wo auf den Fersen ist, solange das hyperaktive Kuddelmuddel nur auf ein nahes Ende zusteuert.  

Wie nach der leidlich ausgelutschten Origins-Formel nicht anders zu erwarten, werden viele Figuren, Schauplätze und Handlungsränge lediglich angerissen und für eine etwaige spätere Vertiefung auf Halde gelegt. Das sorgt nicht gerade für ein hohes Identifikationspotential, zumal Hauptdarsteller Eddie Redmayne als leicht verplanter Magier-Nerd kaum Sympathiepunkte sammeln kann und einen nicht unerheblichen Anteil am rapide wachsenden Nerv-Faktor hat. Die äußerst blasse Katherine Waterston als Scamanders Gattin in spe kann da naturgemäß nichts mehr retten und geht im allgemeinen Wirrwarr unter. Zu allem Überfluss gibt es in bester Marvel-Tradition auch keinen anständigen Antagonisten, da der offenbar dafür vorgesehene Percival Graves (Colin Farrell mit seiner hundertsten ungeschickten Rollenwahl) nur selten auftaucht und erst am Ende ein wenig auf die Bad Guy-Pauke hauen darf.

Und die kommt im stromlinienförmigen Gewand der handelsüblichen Comic-Verfilmungen daher, sprich laut, effektlastig und ermüdend ausgewalzt. Da helfen dann auch die treffend platzierten politischen Untertöne und Seitenhiebe nicht mehr, die Rowling geschickt in ihr Handlungsgerüst einstrickte. Zumal sie sich nicht so recht mit der Grundstimmung aus abenteuerlustiger Fantasy und rummelplatzartiger Action vertragen. Trotz all dieser Schwächen klingelten die Kassen, was so einiges über das heutige Mainstream-Publikum aussagt. Wenigstens bekommen so alle Beteiligten eine (unverdiente) zweite Chance auf einen besseren Film. Dafür ist keinerlei Magie vonnöten, ein wenig mehr erzählerisches und dramaturgisches Geschick würde da schon vollauf genügen.

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