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„Schlagkräftiges Bewerbertraining"

Wer soll Jason Statham eigentlich mal ablösen, wenn der kantige Brite „zu alt für den Scheiß" wird? Freunde puristischer B-Action treibt diese Frage schon länger um, schließlich ist die goldene Ära, als Sly, Arnold und später Bruce mit Steven, Jean Claude und Chuck ein schlagkräftiges Backup-Team zur Verfügung hatten, längst passe und der ehemalige Turmspringer praktisch Alleinunterhalter.

Nach längerem Grübeln fällt einem da lediglich Landsmann Scott Adkins ein, ein drahtiger Kampfsportexperte mit einer ansehnlichen DTV-Karriere. Wird Zeit, dass man ihn mal langsam auch im Kino als Nachfolger aufbaut, denn erstens ist der gute Mann schon reife 40 und zweitens durfte er ja bereits mehrfach als Sidekick (u.a in „Das Bourne Ultimatum", „Expendables 2" oder „Doctor Strange") Leinwandluft schnuppern.

Währenddessen wütet er weiter fleißig durch die Heimkinos der kleinen, aber treuen Genre-Fangemeinde. Sein neuester Handkantenstreich hört auf den programmatischen Titel „Eliminators" und kommt gewohnt zielorientiert auf den Punkt. Da gibt es keine unnötigen Nebenplots, oder überraschende Wendungen und auch die Rahmenhandlung ist in ein zwei Sätzen erschöpfend wiedergegeben. Auf differenzierte Charakterportraits oder gar psychologisierende Untertöne braucht man selbstredend erst gar nicht zu warten.   

Haudrauf-Anlass ist diesmal ein Überfall brutaler Schlägertypen. Dummerweise haben sie sich in der Wohnung geirrt und sind beim ehemaligen FBI-Agenten Thomas McKenzie gelandet, der sich mitsamt seiner kleinen Tochter Im Londoner Zeugenschutzprogramm-Exil befindet. Der brutale Einbruch endet wenig erfreulich für die Gangster, denn ist der Nahkampfmotor erst mal angeschmissen, wird Thomas zur Urgewalt.

Leider hat das Notwehr-Inferno auch für ihn unangenehme Folgen. Seine Tarnung fliegt durch die öffentliche Berichterstattung auf, was wiederum eine Reihe alter Feinde auf den Plan ruft, die nun doch noch in den Genuss kommen ihre Abschussliste abarbeiten zu können. Für eine harte Nuss wie Thomas braucht es natürlich den entsprechenden Nussknacker, also engagiert Bad Guy Boss Cooper (James Cosmo) den weltbesten Auftragskiller. Dieser Bishop (Stu Bennett) heftet sich dann auch wie ein Bullterrier an Thomas Fersen und jagt ihn gnadenlos durch die britische Hauptstadt.

Dieses knallharte Duell tut dem Film gut, da er ansonsten nur wenig zu bieten und vor allem zu erzählen hat. Die produzierenden WWE Studios haben bereits mit der „The Marine"-Serie  bewiesen, dass mit ihnen auf dem DTV-Action-Markt zu rechen ist. Auf der Besetzungsliste finden sich gerne (noch) aktuelle, oder ehemalige Wrestling-Stars, was für beide Seiten eine clevere Zweitverwertung darstellt. Diesmal darf der ehemalige Bare-Knuckle-Boxer Stu Bennett alias „King Barrett"  in den Action-Ring steigen und dem Kampfsportass Scott Adkins so richtig einheizen.

Und Regisseur James Nunn macht sich die professionellen Fähigkeiten seiner beiden Protagonisten sinnigerweise voll zu nutzen. Bei zwei solchen Experten muss man die Rasanz durch schnelle Schnitte und wackelnde Kamera nicht künstlich erzeugen, hier reicht es vollkommen, einfach nur drauf zu halten. Der Gewinner ist der Zuschauer, der endlich mal wieder kompetent choreographierte und ausgeführte Kampfszenen bewundern kann, ohne die Orientierung zu verlieren. Und weil´s so schön ist, bleibt Nunn diesem Stil auch beim restlichen Repertoire (Shootouts und Autoverfolgungsjagden) treu (da kann man sich auf seine Engagement für den fünften Teil der „Marine"-Serie („Battlefield") definitiv freuen).

Visuell ist dann Budget- und personalbedingt eher Biedermeier angesagt, ausgefeilte Kameraperspektiven, oder optische Husarenstücke sind nicht Teil des Pakets. Allerdings bietet allein der On-Location-Dreh in London schon mal einen ordentlichen Mehrwert im Vergleich zum inzwischen Genre-gängigen Ostblock-Setting. In Kombination mit einer eng getakteten und abwechslungsreichen Actioninszenierung kommt „Eliminators" so recht geschmeidig ins streng zielgruppenorientierte Ziel.   

Und Scott Adkins? Der hat seiner Bewerbungsmappe für eine möglicherweise mal frei werdende Jason Statham-Stelle - bzw. die seiner rechten (Schlag-)Hand - ein weiteres Tauglichkeitszeugnis hinzu gefügt - und das keineswegs nur physisch. Immerhin kann er hier als besorgter Familienvater auch mal ein wenig Gefühl zeigen und muss nicht permanent grimmig die zu eliminierende Gegnerschar fixieren. Jetzt muss sich nur noch jemand finden, der ihn auch mal die erste Geige spielen lässt und aus dem DTV-Sumpf ans Licht der Kinoleinwände führt. Die goldenen 80er-Helden sind dabei gar nicht mal das Ziel. Wir wären schon mit einem Vergleichsniveau zur ehemals zweiten Garde mehr als zufrieden. Die waren schließlich auch nichts weiter als schauspielernde Kampfsportler.

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