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Kommissar Maigret: Ein toter Mann (2016)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 6 / 10)
eingetragen am 12.01.2017, seitdem 158 Mal gelesen



Anders als sein britisches Pendant Sherlock Holmes, welcher anhand eines Streichholzes im Gras analysieren kann, welche Pfeife der Täter acht Minuten vor der Tat geraucht hat, ist Jules Maigret der Archetyp des Profilers. Obgleich er im zweiten Fall ein wenig britischer rüberkommt als beim Vorgänger „Die Falle“.

Ein verzweifelter Mann ruft bei Kommissar Maigret (Rowan Atkinson) an, doch bevor es zu einem Treffen kommt, wird seine Leiche aus einem Auto geworfen. Der Fall deutet auf Verbindungen zur Pariser Unterwelt hin, während Maigret eigentlich die Untersuchungen an drei Raubmorden auf Bauernhöfen übernehmen soll. Nach einigen Nachforschungen entdeckt er ein Bindeglied zwischen beiden Fällen…

Nach Ashley Pearce übernahm hier Jon East die Regie, was sich in einigen Details deutlich unterscheidet, vor allem im Erscheinungsbild der Hauptfigur. Maigret ist selten mit Kopfbedeckung unterwegs und zieht nur sporadisch an seiner Pfeife, in vielen Szenen ist sie gar nicht vorhanden.
Dadurch kommt Maigret ein wenig britischer rüber, zumal Atkinson mit entsprechender Scheitelfrisur eben kaum wie ein französischer Ermittler daherkommt, was allerdings nichts an seiner überragender Darstellung ändert.

Der Fall selbst ist ein wenig komplexer als der Vorgänger. Durch die starke Fokussierung auf einzelne Figuren bleibt die Konstellation übersichtlich, allerdings wird der Drahtzieher des Bösen relativ früh enthüllt, es fehlen nachfolgend nur noch kleine Details und Zusammenhänge. Dabei geht es um Drogenabhängige, eine verwöhnte Tänzerin, Pferdewetten und einen französischen Automobilhersteller, während zwei Tatsachen ebenfalls ungewöhnlich für einen Maigret-Krimi sind: Ehefrau Louise wird phasenweise in den Fall mit einbezogen und es gibt in Ansätzen so etwas wie Situationskomik, wenn auch recht trocken dargeboten.

Der gewohnt ruhige Aufbau setzt nur selten auf Temposzenen, obgleich ein paar kleine Verfolgungen auszumachen sind. Die Kamera arbeitet durchaus versiert und orientiert sich zuweilen am Noir der 50er, während Budapest erneut als Paris in der Nachkriegszeit ausgegeben wird, was ebenfalls stimmig ist, wobei auf Details in der Ausstattung eher weniger geachtet wird. Auch der Score bleibt im Vergleich zum Vorgänger eher zurückhaltend, was ein wenig zulasten der Grundatmosphäre geht.

Was hier deutlicher punktet, sind die Nuancen bei Maigrets Verhalten im Zusammenspiel mit Tätern und vermeintlichen Opfern. Bei einem Verhör setzt der Ermittler auf die Empathie eines Killers und deutet eindringlich auf den Kreis der Opfer hin, gegenüber einer frischen Witwe wird er gar sensibel und einfühlsam, was gegen Ende beinahe ein wenig übers Ziel hinausschießt. Allerdings performt Atkinson dermaßen feinfühlig, dass etwa ein unerwartetes, angedeutetes Lächeln beinahe Gänsehaut beschert.

Für einen TV-Krimi kann sich das Gesamtergebnis sehen lassen, vorausgesetzt, der geneigte Zuschauer steht diesbezüglich auf bodenständige Hausmannskost und nicht auf verzwickte Fälle mit doppelten Böden und dreifachen Twists. Ein unterhaltsamer Fall, der von den Interaktionen der Figuren lebt, dabei jedoch weniger Spannung und Atmosphäre als sein Vorgänger erzeugt.
6,5 von 10


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