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City of God (2002)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 21.01.2006, seitdem 922 Mal gelesen


Modisch inszeniertes und doch sehr realistisches Drama über den Alltag von Straßenbanden in Rio de Janeiro.
Im Zentrum der Geschichte steht Buscapè (Alexandre Rodrigues), der in dem Armenviertel Rio de Janeiros aufwächst, das man nur die Stadt Gottes. Sein Schicksal und die Leben der anderen Bewohner kreuzen sich immer wieder und sind zum Teil miteinander verbunden, wobei „City of God“ wie viele moderne Filme mit Rückblenden, Zeitsprüngen und Wiederholungen arbeitet, um den Filmverlauf dynamischer zu gestalten.
„City of God“ zeigt das Slumleben relativ ungeschönt, viele Grausamkeiten werden nur angedeutet, aber die Botschaft wird trotzdem klar: In diesem Teil der Welt zählt das Recht des Stärkeren – oder das des besser Bewaffneten. Denn selbst Kinder hantieren schon mit Waffen und ein Menschenleben ist nicht viel Wert. Zudem zeigt „City of God“ wie die Gewalt in einem derartigen Viertel eskalieren kann und wie paradoxerweise ausgerechnet die Herrschaft eines Bosses zu zwischenzeitlicher Ruhe führt. Auch die Polizei sieht entweder tatenlos zu oder versucht sich selbst zu bereichern: Sei es Korruption, sei es das Ausrauben von Kriminellen oder sogar Waffenhandel.

Gleichzeitig zeichnet „City of God“ am Beispiel Buscapès einen anderen Weg auf, denn Buscapè, der dem Film als Off-Kommentator dient, macht seinen Weg als Fotograph. Allerdings zeigt „City of God“, dass auch er droht auf die schiefe Bahn zu rutschen und nur deshalb kein Krimineller wird, weil ihm im entscheidenden Moment stets der Mut fehlt. Andere Menschen, wie der Ex-Soldat Manè (Seu Jorge), können der Kriminalität nicht widerstehen und werden aus unterschiedlichsten Gründen von Rache bis Gewinnsucht zu Verbrechern.
Dabei legen die Regisseure Fernando Meirelles und Kátia Lund ein hohes Tempo vor und gestalten „City of God“ trotz einer Laufzeit von rund 2 Stunden relativ längenfrei. Auch die Inszenierung, die sich sehr an modernen US-Vorbildern orientiert, kann sich sehen lassen: 360 Grad Kamerafahrten, Zooms, schnelle Schwenks und nette Ideen wie z.B. das Verfolgen eines Querschlägers mit der Kamera.

Allerdings lässt es „City of God“ ein wenig an echter Kritik mangeln. Die Zustände werden aufgezeigt, jedoch könnte „City of God“ an vielen Stellen deutlicher auf die Probleme hinweisen, vor allem was die Hintergründe von Armut und Kriminalität angeht. Glücklicherweise vermeidet „City of God“ es auch Kriminalität cool wirken zu lassen.
Die Darsteller sind allesamt unbekannt, aber nicht untalentiert und spielen auch ziemlich lebensnah, wobei es sich zum Teil um echte Straßenkinder handelt. Dies verleiht „City of God“ noch mehr Authentizität, zumal der Film auf wahren Begebenheiten (und dem Buch eines ehemaligen Bewohners der Stadt Gottes) beruht.

„City of God“ ist ein hartes Drama, das seinen dokumentarischen Ansatz allerdings stellenweise zu sehr der modernen Inszenierung opfert. So wird die Kritik leider abgeschwächt, aber empfehlenswert ist der rund zweistündige Einblick in das von Gewalt geprägte Leben der Slumbewohner definitiv.


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