Eine Kritik von Dr. Phibes (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 06.08.2006, seitdem 439 Mal gelesen
Nichts ist interessanter als die Wirklichkeit, da kann das ausgedachte Drehbuch noch so gut sein. Diesem Schema folgt „Cidade de Deus“, der auf wahren Begebenheiten in den brasilianischen Favelas beruht.
Brasilien ist ein schönes Land, hat gute Fußballer. Doch Brasilien hat auch eine andere Seite, die spielt sich in den Favelas ab, Vororte, in denen die Ärmsten der Armen leben und in denen die Gewalt regiert. Zwar konnte Regisseur Fernando Meirelles nicht in der wirklichen Cidade de Deus drehen (er ist ja nicht lebensmüde), doch sonst gelingt es ihm perfekt, das Flair einzufangen.
Der Film bezieht seine Intensität schon daraus, dass Regisseur Meirelles fast nur Laiendarsteller engagiert hat, die wirklich in solchen Favelas leben. Hauptdarsteller Alexandre Rodriguez stammt aus der wirklichen Cidade de Deus. So sind viele Dialoge einfach improvisiert, was den Film authentischer macht.
Trotz einer relativ langen Lauflänge von 120 Minuten wird „Cidade de Deus“ nie langweilig, ganz im Gegenteil, je länger der Film läuft, desto besser wird er und steuert auf ein Finale zu, in dem sich alle bekriegen und nicht viele übrig bleiben. Dennoch zeigt sich in der Cidade de Deus, der Nachwuchs steht immer bereit und ist vielleicht noch schlimmer als die Vorherigen.
Fazit: „Cidade de Deus“ ist ein hervorragender Film, der fast dokumentarisch über das Leben in den brasilianischen Favelas berichtet. Auch dank der Schauspieler, wenn man die Laiendarsteller denn so bezeichnen möchte, wird der Film eigentlich noch realistischer, als das es professionelle Darsteller je darbieten könnten, wer weiß denn besser als diese Personen, wie es in den Favelas wirklich abgeht. „Cidade de Deus“ ist ein verstörender und knallharter Film, vielleicht auch deswegen umso sehenswerter. Jedenfalls kann ich dem Film nur allen empfehlen, ein kleines Meisterwerk aus Brasilien.