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City of God (2002)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 19.09.2003, seitdem 2429 Mal gelesen


Filme, die sich rühmen realistisch zu sein gibt es zu genüge, doch die wenigsten schaffen es sich von Klischees zu befreien und einen ungeschönten Blick ihres Motivs wiederzugeben. Dem brasilianischen Filmprodukt „City of God“ gelingt dies recht gut, denn er schafft neben ungeschönten Blicken auch noch eine Geschichte zu erzählen, die so so angeblich wirklich zugetragen hat.

„City of God“ nennt sich ein Slumstadtteil Rio de Janeiros, wo die Menschen am Abgrund der sozialen Existenz ohne Aussicht auf Besserung dahinvegetieren. Forciert werden verschiedene Lebensabschnitte dreier Kinder, von denen später jeder auf seine eigene Weise Karriere macht. Ohne eine Zukunft zu besitzen sehen sie schon früh ein, dass es nur einen Weg gibt dem Elend zu entkommen: Verbrechen und Gewalt. Ihre großen Brüder machen es ihnen vor, sterben schicksalhaft, sogar durch die Hand ihrer kleinen Brüder, sind aber in deren Augen die Herrscher des Viertels. So werden sie in einen Strudel von Gewalt und Drogen gezogen, aus dem nur ein Weg wieder herausführt: Der Tod

Die einzelnen Lebensabschnitte werden, auch wenn der Film dort aufhört, wo er begonnen hat, streng durch Einblendungen getrennt und autark erzählt. Das Aufnehmen von Flashbacks ist eher selten und unterstützt dann auch nur die Stimme des vorzüglichen Off-Kommentators, der selbst einer von diesen Straßenjungen war und als Fotograph Karriere macht.

Glänzten sie in ihren jungen Jahren noch durch eher harmlose Überfälle, so herrschen sie später über das größte Drogenimperium Rios und verbreiten Angst und Schrecken. Gewalt ist an der Tagesordnung und wird ungeschönt präsentiert. Schon die Kleinsten rennen mit Pistolen durch die Stadt und töten, während der korrupte Polizeiapparat mit Waffenverkäufe dabei auch noch verdient und nur zu Publicityzwecken dazwischenschlägt. Die ehemaligen Kleingangster zieren schon bald die Titelseiten und halten sich für die Größten. Doch als einer von ihnen auszusteigen versucht, endet der Film in einer Katastrophe, die sich aus krankhaftem Trieb nach Selbstjustiz und Abhängigkeit zusammensetzt.

In hohem Maß trägt die farblose Bildkomposition zur realistischen Atmosphäre bei. In wackelnden Bildern und hektischen Schnittorgien glaubt man schnell mitten im Geschehen zu sein, die triste, grelle Optik wirkt ernüchternd. Ein Kontrast bilden da die farbenfreudigeren Abenteuer des jungen Rocket, der in seiner Jugendzeit selbst in „City of God“ aufwuchs, dann aber nicht den Weg seiner Altersgenossen einschlug. Er ist nicht nur als Erzähler tätig, sondern zeigt in „seiner“ Geschichte auch, dass es einen anderen Weg aus dem Elend gibt und Drogen/Geld nicht das Lebensziel sein können.

Leider vergaß Regisseur Fernando Meirelles aber neben der Geschichte auch kritische Kommentare zu platzieren, so das dass Gezeigte zwar einen prima Einblick in die Missstände brasilianischer Ghettos und Großstädte darstellt, aber selbst nie richtig Stellung bezieht und anprangert. Das wird im Verlaufe , des etwas zu langen Films, immer deutlichlicher, da das Schicksal der Figuren den Zuschauer doch nur sekundär interessiert und der Verlauf des Banden- und Drogenkriegs doch wesentlich interessanter erscheint. Mag an dem ewig pseudolässigen Dialogen oder der befremdlichen Optik liegen, dass eine Identifikation mit den Figuren nicht gelingt.

Fazit:
Weitestgehend gelungener, realistischer Blick auf die zukunftslose Jugend in brasilianischen Ghettos, welche die Kriminalität als einzigen Ausweg betrachten. Der in mehrere Zeitepisoden unterteilte Film macht deutlich welcher Weg und welch hohes Maß an Skrupellosigkeit erforderlich sind, um in der gewalttätigen Welt von Drogen, Prostitution und Waffen zu überleben, klagt die Missstände aber leider nie an.


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