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City of God (2002)
Eine Kritik von Chatterbeast (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 07.11.2003, seitdem 318 Mal gelesen
„City of God“ erzählt die Geschichte von zwei völlig unterschiedlichen Personen, die in einem der ärmsten Vierteln von Rio de Janeiro, genannt „Stadt Gottes“ aufwachsen. Locke träumt schon als kleiner Junge davon, Karriere als Gangster zu machen und steigt nach und nach zum unumstrittenen Boß der Drogenszene auf. Buscapé möchte unbedingt Fotograf werden. Obwohl beide ganz eigene Ziele verfolgen, kreuzen sich ihre Wege inmitten blutiger Bandenkriege und Korruption mehr als einmal.
Mit „City of God“ gelang Regisseur Fernando Meirelles ein unglaublich intensives Portrait des harten Lebens in den Favelas, den Ghettos Rio de Janeiros. Sehr unmittelbar und nah am Geschehen wirkt seine Inszenierung. Man kann die „Stadt Gottes“ mit all ihren Facetten förmlich fühlen. Dabei stehen nicht so sehr die einzelnen Figuren im Vordergrund, sondern eher der Teufelskreis aus Gewalt und Macht, dem sich keiner der Bewohner entziehen kann. Wer versucht, legal sein Geld zu verdienen, scheitert. Deutlich wird dies an der Geschichte von Mane, der sich eigentlich nichts mehr als Frieden wünscht, letztendlich jedoch im blutigen Drogenkrieg zu einer der Hauptfiguren avanciert.
Buscapé selbst erzählt die Geschichte der „Stadt Gottes“ aus dem Off, wobei mit geschickten Überblendungen immer zwischen Vergangenheit und Gegenwart gewechselt wird. Überhaupt ist der Film sehr schnell geschnitten, ohne jedoch dabei hektisch zu wirken.
Gedreht wurde fast ausschließlich mit Laiendarstellern aus den wirklichen Favelas, die es schaffen, durch ihre eigenen Erfahrungen den Figuren auf der Leinwand eine tiefgehende Authenzität zu verleihen. Hervorzuheben wäre hier besonders Leandro Firmino, der Locke auf der einen Seite als gnadenlosen Gangster spielt, der selbst vor kleinen Kindern nicht Halt macht, wenn es um seine Geschäfte geht, ihn auf der anderen Seite aber als von Komplexen zerfressenen und von Selbsthass getriebenen kleinen Jungen in einem erwachsenen Körper darstellt.
Alexandre Rodrigues liefert als Buscapé ebenfalls eine gute Vorstellung ab, jedoch ist sein Charakter nicht so facettenreich, wie der von Locke.
Insgesamt ist „City of God“ sicherlich einer der eindrucksvollsten Filme der letzten Zeit, der dem Zuschauer allerdings einiges abverlangt, da er wirklich unter die Haut geht. Fernando Meirelles schafft es, Gewalt als sinnlos darzustellen, ohne dabei die Moralkeule allzu sehr zu schwingen. In Verbindung mit der tollen Kameraarbeit kommt dabei ein Film heraus, dessen Sog sich der Betrachter kaum entziehen kann. Eine uneingeschränkte Empfehlung an alle Filmfreunde.
9/10 Punkte
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