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City of God (2002)

Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 09.10.2004, seitdem 1791 Mal gelesen


Temperamentvoller Schnitt oder professionelle Kamerafahrten - "City of God" gibt optisch einiges her und ist damit wahrlich ein ungewöhnlicher brasilianischer Film, mit dem Fernando Meirelles international seine Lorbeeren einheimste. Irgendwie unbrasilianisch, aber doch mit sichtlichen Qualitäten aufwartend. Auf diese Weise erzählt Meirelles die Geschichte der "Stadt Gottes", einer Außensiedlung Rio de Janeiros.

Dort gleicht ein Haus dem anderen. Außer der Kriminalität wächst und gedeiht nichts. Die Zukunftsperspektiven für die ansässige Jugend sehen denkbar schlecht aus. Buscapé lebt in der Stadt Gottes. Er versucht, seinen Weg zu gehen, sich so gut wie möglich aus Konflikten herauszuhalten. Er ist unser Erzähler und die Figur, von der aus Meirelles sein Netz in alle Richtungen auswirft. Zwar gibt es zentrale Charaktere, doch keinen Protagonisten, dem die komplette Aufmerksamkeit geschenkt wird. So präsentiert Meirelles letztendlich einen durchaus verzweigten, aber dennoch stets überschaubaren Plot.

Dabei stellt die in Kapitel aufgeteilte Geschichte definitiv kein Novum dar und behandelt bekannte Themen des Gangstergenres, wie etwa Drogenhandel und Gewalt. Jedoch liegt der Schauplatz nun in einem brasilianischen Armenviertel, woraus sich unweigerlich eine soziale Komponente ergibt. Gerade hierbei muss Fernando Meirelles der Vorwurf gemacht werden, dass er Missstände zwar nüchtern aufzeigt, sie allerdings unzureichend reflektiert. Natürlich wird nur allzu deutlich, dass Kinder ihr Spielzeug hier früh gegen Schusswaffen tauschen und ihre Unschuld mit Blut beflecken. Doch die Frage nach dem Warum gerät dabei größtenteils ins Abseits.

Sein Augenmerk legt Meirelles stattdessen einerseits auf die technisch zweifellos erhabene, für den brasilianischen Film allerdings auch kaum repräsentative Optik, die mit Split Screens, innovativen Kameraschwenks oder einer geschickten Farbgebung aufwartet, und andererseits auf seine einfallsreich präsentierte Geschichte, die mitunter den Aufstieg des Kleinkriminellen Löckchen zum lokalen Drogenimperator Locke verfolgt. Mitten durch die 60er, 70er und 80er geht die wilde und manchmal erschreckend gewalttätige Fahrt, bis sie schließlich in einem blutigen Bandenkrieg endet. Am Ende sahen wir die nächste Generation von bewaffneten Halbwüchsigen in einer Gasse von dannen ziehen - mit der ziemlichen Gewissheit, dass sich alles wiederholen wird.

Wir sahen auch einen guten Film mit einer spannend inszenierten und auf einer wahren Begebenheit beruhenden Geschichte, wir sahen hierzulande unbekannte Darsteller, die sich keine Blöße gaben, und wir sahen Fernando Meirelles’ überaus ansehnliche Regiearbeit. All dies macht "City of God" außerordentlich sehenswert, jedoch nicht zwangsläufig außergewöhnlich. (Noch 8/10)


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