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Drunken Master (1994)

Eine Kritik von Vince (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 07.03.2004, seitdem 431 Mal gelesen


Ich bin weiß Gott kein Experte asiatischer Filmkultur. Der erste Jackie Chan-Film, den ich gesehen habe, war "First Strike" etwa ein Jahr nach Kino-Release. Es folgten "Rumble in the Bronx" sowie einige seiner Hollywood-Werke, bevor ich mich zum ersten Mal bewusst mit einem in Chans Heimat entstandenen Film befasste: Drunken Master II. Und dieser Streifen hat etwas in mir geweckt, denn seitdem ist mein Interesse am Eastern-Genre stark angewachsen.

Neben den beiden Woo-Meisterwerken "Hard Boiled" und "The Killer" gehört "Drunken Master II" bis heute zu meinen absoluten Favoriten des asiatischen Kampfsportfilms. Das liegt vor allem an der originellen Grundidee: Dass ein unauffälliger Sohn einer mittelständischen Familie sich in betrunkenem Zustand gegen alle Konventionen der Kampfkunst richtet und mit seinem "Drunken Boxing"-Stil jeden Gegner spielend fertig macht, ist ein sehr viel versprechender Ansatz. Normalerweise wäre so etwas allerdings schwierig in die Tat umzusetzen, da alle Versuche eines gewöhnlichen Darstellers, die Verhaltensphysik eines Betrunkenen in eine Kampfkunst umzuformen, zwangsläufig fehlschlagen müssen. Nicht so bei Jackie Chan: er perfektioniert die im Film gebotene Performance so ungemein glaubwürdig, dass sein Stil unverwechselbar wird und in keinem zweiten Film so wieder zu finden ist. Jedes Taumeln, jedes Stolpern wird in der Choreografie zu einem Ausweichmanöver oder einer unerwarteten Attacke. Sämtliche Kombos wirken dabei so flüssig und natürlich, dass man glauben könnte, sämtliche Moves basieren auf dem Zufallsprinzip.

Auch die gebotene Story ist durchaus interessant und keinesfalls nur Mittel zur Realisation der atemberaubenden Fights (von denen sich aktuelle CGI-MartialArts-Spektakel noch was abgucken könnten). Die Suche nach der GinSeng-Wurzel gestaltet sich fast wie eine Indiana Jonessche Hetzjagd, der finale Kampf in der Fabrik schneidet das Thema Bourgeoisie/Proletariat an und der Vater-Sohn-Generationenkonflikt in der Filmmitte gibt Chan, seinem Filmvater und seiner Filmmutter viel Gelegenheit, um schauspielerisches Talent zu zeigen (welches offensichtlich vorhanden ist).

Diese einzelnen Abschnitte, begleitet von tollen Kameraeinstellungen und Schnitten, werden auf klügste Art und Weise miteinander verbunden, so dass der Erzählfluss immer erhalten bleibt. Wenn es dann wieder zum Kampf kommt, fiebert man geradezu mit, dass Jackie irgendwo eine Flasche mit Hochprozentigem auftreibt, um seine Gegner so richtig aufzumischen.

Fazit: "Drunken Master II" ist faszinierendes Kung-Fu-Kino nach alter Schule. Die Kampfchoreografie ist unvergleichbar und gleichzeitig das Herzstück, das den Film deutlich aus der Durchschnittsware heraushebt. Ich empfehle, einen der Kämpfe mal in Zeitlupe ablaufen zu lassen. Da sieht man, welche Arbeit Chan und Co. investiert haben.


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