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American Beauty (1999)
Eine Kritik von Onkel (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 05.09.2005, seitdem 472 Mal gelesen
5 Oskars konnte "American Beauty" einsacken - und jeder einzelne ist hochverdient! Unter der Regie von Sam Mendes entstand hier eine gleichermaßen witzige wie bitterböse Demontage des amerikanischen Spiessbürgertums. Wie ein Kartenhaus fällt der vorstädtische "American Dream" in sich zusammen als Familienvater Lester Burnham beschliesst, angesichts der verführerischen Schulfreundin seiner depressiven Tochter noch einmal wirklich zu leben und aus seinem trockenen Versageralltag auszubrechen. Zunächst von allen und im besonderen seiner Familie belächelt, tritt der 41jährige Lester allmählich eine Lawine los, die auch vor den mal mehr mal weniger neurotischen Nachbarn nicht halt macht: Vermeintliche Perfektion wird als ihr krasses Gegenteil entlarvt, Außenseiter werden zu Inbegriffen wahrer Lebensfreude, moralische und gesellschaftliche Konventionen gebrochen.
Doch Regisseur Sam Mendes zeigt, daß am Ende mitnichten eine funktionierende Gesellschaft herauskommt, wenn man einmal die verkrustete Oberfläche des ganz gewöhnlichen Durchschnittsbürgers abpuhlt. Einem Aufblühen auf der einen Seite, steht stets eine Krise auf der anderen Seite gegenüber und so ziehen auch am ohnehin schon gefährlich blitzenden Himmel der Familie Burnham alsbald immer düstere Wolken auf. Orientierungslosigkeit, in nichts zerfallende Werte und endlose Hilfslosigkeit, gefolgt von Verzweiflung und blankem Hass deuten eine baldige Katastrophe an...
"American Beauty" fesselt bis zum bitteren Finale. Hierbei sind vordergründige Effekte niemals von Nöten. Dennoch liefert Sam Mendes höchst stilsichere Bilder, die im Einklang mit dem atmosphärischen Soundtrack das traurig-schöne bis bizarre Vorstadtleben in Szene setzen. Als absolut klasse seien an dieser Stelle In- und Outtro hervorhebend erwähnt, die mit toller Kameraarbeit und begleitendem Kommentar die Filmhandlung perfekt einrahmen.
Viel beeindruckender als das technische Drumherum sind jedoch die schauspielerischen Leistungen ausgefallen, mit denen "American Beauty" aufwarten kann.
Allen vorran schreitet Routinier Kevin Spacey, der hier meiner bescheidenen Ansicht nach die Rolle seines Lebens spielt. Perfekt besetzt sowohl als spiessiger Büroangestellter als auch im Part des pulsierenden, jede gesellschaftliche Kette brechenden Lebens. Kaum nach steht ihm Filmfrau Annette Bening, die keinesfalls weniger vom totalen Lebensumbruch ihres Mannes betroffen ist. Stark im weiteren auch Thora Birch (incl. Oben-Ohne-Szene), Chris Cooper und Wes Bentley. Es wäre ungerecht, jemanden der Genannten gesondert hevorzuheben, alle Beteiligten bilden eine wunderbar funktionierende, bestens durchdachte Besetzung. Ideal gecastet und ebenso ideal gespielt!
Auch wenn "American Beauty" auf den ersten Blick als lockeres Vorstadtdrama erscheinen mag, dieser Film ist weitaus mehr. Er offenbahrt schonungslos eine kaputte Gesellschaft, liefert aber im gleichen Zuge höchst sympathische Charaktere und neben tragischen Bewandnissen auch eine Prise zynischer Komik. Ein von vorne bis hinten funktionierendes Meisterwerk vor dem Herrn; ein Nichtansehen ist für einen Filminteressierten als Todsünde anzusehen!
..denn: Nichts ist ungewöhnlicher als das gewöhnliche...
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