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American Beauty (1999)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 16.03.2002, seitdem 1411 Mal gelesen


„American Beauty“ ist ein Film, der sich seine Menge an Oscars redlich verdient hat und trotzdem super unterhält.
Es geht um das Leben von Lester Burnham (Kevin Spacey): Er ist ein Bürohengst, den seine Vorgesetzten bei der Arbeit unterdrücken, den seine Frau Carolyn (Annette Bening) an der freien Entfaltung hindert und der von seiner Tochter Jane (Thora Birch) nur Verachtung empfängt. Doch das Schlimmste: Lester weiß das selbst und gibt bei seinen Off-Erzählungen ungerührt, dass das tägliche Masturbieren unter Dusche der Höhepunkt seines Tages ist. Der Anfang von „American Beauty“ ist schräg und urkomisch ohne dabei einen auf Groteske oder Klamauk zu machen. Die herrliche überspitzte Darstellung des Spießbürgers, dem oberflächliche Dinge mehr bedeuten als menschliche Beziehungen, und Spaceys Art der Darstellung des bemitleidenswerten Losers (schon allein die Szenen mit seinem Vorgesetzten Brad sprechen Bände) sind schlicht und einfach Satire pur.
Doch dann beginnt Lester sein Leben zu ändern. Ob dies seine schuljungenhafte Verliebtheit in Angela (Mena Suvari), die beste Freundin seiner Tochter, oder seine Freundschaft zu dem lockeren Nachbarsjungen Ricky Fitts (Wes Bentley) oder etwas ganz anderes ist, bleibt allerdings unklar. Sicher ist nur, dass Lester das Lotterleben führt, dass jeder gerne hätte.

„American Beauty“ ist die bittersüße Geschichte eines Aussteigers, der unter verbohrten Holzköpfen lebt. Dabei ist irgendwie von Anfang an klar, dass das nur böse enden kann und so steuert „American Beauty“ auf eine unvermeidbare Tragödie hin.
Selten lagen Tragik und Ironie in einem Film dermaßen dicht beieinander. Denn trotz der Überspitztheit macht „American Beauty“ dem Zuschauer klar, dass es sich bei dem Geschehen nur um eine verfremdete Version eines Lebens ist, das jedem von uns blühen könnte. Und einige Szenen, vor allem bei der Darstellung von Rickys Familie ziehen einen wirklich derbe runter und lassen einen nicht so schnell los.
Der Humor ist zynisch wie genial. Erst die lächerliche Darstellung des Lesters, der von allen niedergemacht wird, ist bereits sehr witzig. Doch noch diebischer ist die Freude, wenn Lester nach seinem Lebenswandel eben jenen Unterdrückern alles heimzahlt, was er erleiden musste und sich dabei einen Dreck um Umgangsformen oder Menschenwürde schert. Auch seine lockere Art ist urkomisch („The car I always wanted – I rule!“)

Auch aus cineastischer Hinsicht ist „American Beauty“ ein wahrer Hochgenuss: Theaterregisseur Sam Mendes schafft Bilder, die so wunderschön wie aussagekräftig sind und erzeugt eine tolle Atmosphäre. Hinzu kommen eine fantastische Kameraarbeit und ein eingängiger Soundtrack.
Die Schauspieler sind durch die Bank weg klasse. Sie erfüllen ihre Charaktere mit Leben und wenn es sich dabei nur um kleine, aber coole Nebenrollen wie den schmierigen Immobilienhändler Buddy King handelt.
Eine Antwort bleibt „American Beauty“ dem Zuschauer allerdings schuldig: Nämlich wer die amerikanische Schönheit ist. Ist es der oberflächliche, blonde Modeltyp Angela oder die eher düstere Jane? Die gealterte Carolyn? Oder sogar eine der seltsamen Schönheiten, die Ricky filmt: Tote Tauben, im Wind tanzende Plastiktüten etc.
Einzige Kritikpunkte sind die kleinen Längen, die sich kurz vor dem Schluss einstellen und auch das Ende wirkt ein klein wenig gewollt. Doch andererseits muss ein guter Film auch mal ein Ende haben.
Kleiner Tipp: Auch wenn die Synchro hervorragend ist, kommt „American Beauty“ im O-Ton noch besser, da die Dialoge und die Originalstimme von Spacey noch mehr Flair haben.

„American Beauty“ ist eine wahrhaft hervorragende Gesellschaftssatire mit jeder Menge witziger und tragischer Momente und auch die kleinen Storylängen trüben den Filmgenuss kaum.


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