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American Beauty (1999)
Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 20.04.2003, seitdem 2037 Mal gelesen
Wenn ein Film auf entlarvend-zynische Weise hinter die Fassade amerikanischer Vorstädter, deren Zähne weißer sind als die von Bill Clinton, aber deren Weste ebenso befleckt ist, wie letzt genannter Politiker, blickt, dann haben wir es meist mit herben Indiependent-Produktionen á la "Happiness" zu tun. Bei Sam Mendes' Regiedebüt "American Beauty" jedoch produzierte niemand anders als Spielbergs Company DreamWorks. "American Beauty" hält seinen Zuschauern den erschreckenden Spiegel vor's Gesicht - und hat damit sogar noch Erfolg!
Die Geschichte wird durch Lester Burnham (Kevin Spacey) erzählt. Und zwar aus dem Jenseits. Zu dem Zeitpunkt, in dem die Story von "American Beauty" anfängt, so sagt uns Lester, hat er noch ein Jahr zu leben. Nicht gerade rosige Aussichten. Und so pessimistisch wie diese Erkenntnis ist auch Lesters Beschreibung von seinem allmorgendlichen Höhepunkt: Er masturbiert unter der Dusche - danach, so Lester, ginge es nur noch bergab. Lester ist gefrustet. Gefrustet von seinem Job, den er zwar seit 14 Jahren verrichtet, aber dennoch der erste Kandidat bei drohender Kündigung ist; gefrustet von seinem nicht existierenden Sexuallebens und gefrustet von seinem Verhältnis zu seiner Familie, den beiden Frauen in seinem Leben. Frauen, die er nicht kennt: Seine Frau Carolyn (Annette Bening ) und seine Teenager-Tochter Jane (Thora Birch).
Carolyn ist ähnlich frustriert wie ihr Mann - nur noch viel armseliger. Sie macht in Immobilien. Voller Hingabe und falschem, aufgesetzten Lächeln versucht sie mit vorstudierten Sätzen uninteressierten Kunden Häuser zu verkaufen, die sie vorher in einem fast sexuellen Akt saubergeputzt hat. Nach einem Tag, der von einem in ihr Gesicht gefrästes Lächeln beherrscht wurde, bricht sie oft weinend zusammen. Denn: Carolyn ist perfekt. Selbst wenn sie Rosen schneidet sind Kleid, Heckenschere und Schuhe farblich perfekt aufeinander abgestimmt. Und so verkraftet sie es nicht, dass sie mit Buddy Kane (Peter Gallagher) einen übermächtigen Konkurrenten hat.
Jane wiederum ist ein typischer Teenager. Voll Unsicherheit und Einsamkeit geplagt, spart sie seit ihrem 10. Lebensjahr auf eine Brustvergrößerung. Sie fühlt sich hässlich. Jedoch lassen sich solche Komplexe eher davon ableiten, dass ihr Vater Lester mehr Interesse an ihrer Lolita-Freundin Angela (Mena Suvari) zeigt, als an ihr, als an mangelnder Schönheit. Doch auch Angela ist nicht anders als Jane. Ebenso unsicher und unerfahren - nur drückt sie dies auf eine ganz andere Art und Weise aus. Den einzigen Halt findet Jane nicht bei diesen vermeintlich "normalen" Menschen, sondern beim selbstbewussten, cleveren Nachbarsjungen Ricky (Wes Bentley) - der jedoch frisch aus der Klapsmühle entlassen wurde.
Allein diese Charakterkonstellation ist brillant. Alle der Figuren versuchen aus ihrem festgefahrenen Leben auszubrechen: Lester indem er wieder jung wird, wieder das Leben zu leben versucht, das ihn einst glücklich gemacht hat. Wild, Pott rauchend, Rockmusik hörend, seinen Körper trainierend. Er kündigt seinen Job und fängt wieder bei einer Fastfood-Kette an. Carolyn sucht seelische und sexuelle Erfüllung in ihrem männlichen Ebenbild: Buddy Kane. In diesen verzweifelten Szenen zeigt Sam Mendes uns ganz deutlich, wie sich das heuchlerische, selbstverleugnende, psychopathische Leben von Carolyn immer mehr selber zersetzt, während der leichtsinnige, und sicherlich unorthodoxe Lifestyle Lesters viel gesünder scheint. Allerdings wirkt der Film niemals spöttisch, selbstgefällig oder hochnäsig. Selbst an den unsympathischsten Figuren scheint Mendes Anteil zu nehmen, scheint sie verstehen zu wollen.
Doch bei all den dramatischen, ehrlichen und sehr bewegenden Szenen kommt der Schwarze Humor bei der bröckelnden Vorstadt-Idylle dennoch nicht zu kurz. Zwar ergeben sich aus den komischen Szenen traurige Konsequenzen, aber dennoch funktioniert "American Beauty" als Tragikomödie - und nicht als reines Drama. Spaceys Kündigung oder seine Entdeckung bezüglich der außer-ehelichen Aktivitäten seiner verhassten Frau sind ehrliche, zum Schreien komische Momente, die sich mit den nachdenklichen Augenblicken wunderbar die Waage halten. Hinzukommt eine lupenreine cinematographische Arbeit. Conrad L. Hall zauberte wunderschön gestaltete Bilder in feinstem Widescreen. Und die erotischen Fantasien Lesters bezüglich der eh umwerfenden Mena Suvari wirken aufgrund der extravaganten Optik noch anziehender.
Wer Angst vorm Älterwerden hat, wer meint, sein Leben wäre nicht mehr das, von dem er vor 10 Jahren noch geträumt hätte, der sollte sich "American Beauty" mit all seinen hervorragenden Darstellern ansehen. Allein Kevin Spaceys famose Darstellung ist das Anschauen wert! Hinzukommt Amerikas wohl emotionalste Homevideo aller Zeiten. Und das, obwohl nur eine im Wind tänzelnde Platiktüte zu sehen ist. All das ist so ehrlich, so gefühlvoll, so emotional - und schlichtweg gut. Am Ende kennen und verstehen wir Lester Burnham besser, als er es glaubt. Und wir werden es verhindern wissen, dass unser Leben so verläuft. Hoffentlich.
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