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American Beauty (1999)
Eine Kritik von Flanders (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 19.03.2004, seitdem 432 Mal gelesen
Lester Burnham [Kevin Spacey] scheint auf seine Mitmenschen als glücklicher Familienvater zu wirken, der in einer ruhigen Vorstadtsiedlung lebt und einen guten Job zu haben scheint. Doch hinter der Fassade einer amerikanischen Durchschnittsfamilie sieht es ganz anders aus. Lesters Ehe ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, denn Lester und seine Frau Carolyn [Annette Bening] haben sich in all den Jahren auseinander gelebt. Seine Tochter Jane ist ebenfalls nicht gut auf ihn zu sprechen, so dass eine intakte Beziehung noch nicht einmal in Ansätzen vorhanden ist. Innerlich hasst Lester sein Leben und so beschließt er eines Tages sich radikal zu verändern. Den Anstoß für den plötzlichen Sinneswandel findet Lester in der Begegnung mit Angela, einer gleichaltrigen Schulfreundin seiner Tochter Jane. Von ihrer Schönheit und Unbekümmertheit fasziniert, findet Lester wieder einen Sinn in seinem Leben, dessen Höhepunkt bislang daran bestand, morgens unter der Dusche kräftig abzuspritzen. Er kündigt seinen Job in der Werbebranche, erpresst seinen Chef um ein Jahresgehalt und fängt endlich an zu leben.
„American Beauty“ ist für mich ein Meisterwerk der Filmgeschichte und gleichzeitig mein unangefochtener Lieblingsfilm. Sam Mendes rechnet in seinem Erstlingswerk schonungslos mit der amerikanischen Gesellschaft ab, die sich täglich mit ihren Problemen hinter den gepflegten Vorgärten und den weißen Lattenzäunen versteckt. In der Figur des Lester Burnham findet sich ein Teil eines jeden Menschen wieder. Sein eintöniger Bürojob, Familienprobleme, sexuelle Frustriertheit oder das Schwelgen in der guten alten Zeit, das sind nur einige Probleme, die Lester hat. Er durchlebt einen Sinneswandel vom Durchschnittsarbeiter, der seine Tätigkeit auf Erden nicht hinterfragt, bis zum Rebellen, der seine verbleibenden Tage auf dieser Welt genießt. Seine zynischen Bemerkungen sind dabei äußerst gelungen, denn im Grunde spricht er nur das aus, was jeder von uns tagtäglich denkt, aber sich nie traut laut zu sagen. Er erkennt, dass ihm seine sinnlose Funktion als „Hure der Werbebranche“ nichts einbringt, und so tut er das, von dem jeder träumt: Lester lässt sich von niemandem mehr etwas vorschreiben und macht das, was er will. Jeder kann sich mit dieser Figur identifizieren, da wohl niemand noch nicht mit dem Gedanken des Entfliehens aus dem geordneten Leben gespielt hat. Kevin Spacey spielt die Rolle in einer nur selten vorkommenden Perfektion, für die er als Belohnung auch den Oscar bekam. Auch die anderen Darsteller, wie die ebenfalls Oscarnominierte Annette Bening, machen ihre Sache hervorragend. Die Situation und die schockierenden Verhältnisse der Nachbarsfamilie ziehen den Zuschauer extrem runter, da der disziplinfanatische Frank Fitz, sowohl seine Frau, als auch seinen Sohn Ricky zu psychischen Wracks werden ließ. Diese traurige Situation im Film zu zeigen, ist auch ein Teil von Gesellschaftskritik. Niemand ahnt oder weiß, was hinter den vier Wänden eines Nachbarhauses geschieht. Jeder konzentriert sich nur auf sein eigens Leben. Was links oder rechts von einem geschieht, das geht niemanden etwas an. Obwohl „American Beauty“ ein zum Nachdenken anregendes Drama mit komödiantischen Einlagen ist, ist der Film in Sachen Spannung schwer zu überbieten. Zu keinem Zeitpunkt kommt jemals Langeweile auf, da die tragischen, aber zugleich auch wunderschönen Momente den Zuschauer zu Tränen rühren. Die letzten fünf Minuten des Films lassen sich in Worten nur schwer beschreiben, aber was Lester über den Tod erzählt, das hat mir irgendwie Kraft und Hoffnung gegeben. Wer weiß, vielleicht kommt noch irgendetwas nach „unserem dummen, kleinen Leben“.
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