Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 20.02.2005, seitdem 468 Mal gelesen
Mit „Wege zum Ruhm“ schuf Stanley Kubrick einen ungewöhnlichen, aber sehr interessanten Kriegsfilm.
Die Westfront 1916: Die französischen Generäle diskutieren beim Essen gemütlich über das Erstürmen eines an sich unwichtigen Hügels – während der Krieg an der Front immer noch unbarmherzig tobt. Gemischt mit einer dokumentarischen Einführung im Stile einer Wochenschau gelingt Kubrick direkt ein wirklich hervorragender Einstieg, der bereits zeigt, dass „Wege zum Ruhm“ sehr viele Spitzen gegen das Militär enthält, ohne aber witzig sein zu wollen.
Für eine Beförderung muss ein Erfolg her und deshalb ergeht der Befehl eine Anhöhe von den Deutschen zurückzuerobern, die von den Soldaten nur salopp Ameisenhügel genannt wird. Da die Fronten eh stehen und selbst kleine Verschiebungen derselben nichts als große Verluste bringen, weigern sich Teile der Truppen jedoch vorzustürmen, wie Kubrick in einer packenden, aber wenig drastischen Kriegssequenz zeigt, die schlussendlich die einzige Kriegsszene im ganzen Film bleibt.
Die Führungsriege will das nicht hinnehmen und beschließt ein Exempel zu statuieren: Drei Soldaten werden ausgewählt und sollen stellvertretend für ihre Regimenter angeklagt werden. Ihre Exekution ist für die Führungsebene bereits beschlossene Sache, nur Colonel Dax (Kirk Douglas), im zivilen Leben Rechtsanwalt, nimmt den Kampf für die Männer auf…
Schon „Wege zum Ruhm“ zeugt vom individuellen Stile Kubricks, denn obwohl der Film im ersten Weltkrieg spielt, so ist der Krieg nie so wirklich das Thema. Vielmehr bildet er den Rahmen für ein Gerichtsdrama der ungewöhnlichen Art. Denn Kubrick macht in seiner wenig optimistischen Art klar, dass Dax es zwar gut meint, aber sein Kampf an sich auf verlorenem Posten ausgetragen wird. So mag Dax zwar geschickte Winkelzüge unternehmen – bei diesem abgekarteten Spiel steht er wirklich schlecht da und so kommt das Ende des Films auch ziemlich hoffnungslos daher. Hoffnungsschimmer sind immer nur kurz und werden konsequent zerschlagen.
Auch wenn der Plot nicht wirklich vorhersehbar ist, so strotzt er auch nicht vor Überraschungen, doch Kubrick schafft es den Film trotzdem recht spannend zu gestalten. Das liegt zum einen an der kurzen und knackigen Laufzeit, zum anderen an der stringenten Erzählung. Zudem kann Kubrick Spannung der etwas anderen Art zu produzieren: Wie führt jemand einen Kampf, der von Anfang an verloren scheint? Zwar ist „Wege zum Ruhm“ nicht ganz so spannend, da man wie bereits gesagt das Ende absehen kann, aber durch derartige Spannungserzeugung wird Langeweile dennoch vermieden.
Zudem kann „Wege zum Ruhm“ auch mit intelligenten Seitenhieben gegen Dünkel und militärischen Fanatismus aufwarten, denn Kubrick inszeniert hier keinen echten Antikriegsfilm, sondern vielmehr eine aufgeweckte Kritik an den Zuständen in der Armee. So steht Dax quasi sinnbildlich für die Ohnmacht weniger Idealisten gegenüber eiskalter Karrieristen und Dummköpfe.
Kirk Douglas spielt große Klasse und liefert sicherlich die Leistung in dem Film ab, die dem Zuschauer am längsten im Gedächtnis bleibt. Doch auch der Rest der Darsteller kann mit überzeugenden Darbietungen punkten; vor allem die Eitelkeit der Führungsebene wird herrlich rübergebracht.
„Wege zum Ruhm“ ist ein kurzer, knackiger Film über Schattenseiten des Militärs, den Kubrick kurzweilig inszeniert hat. Zwar ist das Ende abzusehen, aber der Film punktet mit intelligenter Kritik.