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Wege zum Ruhm (1957)

Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 04.03.2005, seitdem 823 Mal gelesen


DeÒ Erste Weltkrie#, ein Malheur dår Großmächte, d…m Millionen zum@Opfer fielen. Eich Maria Remar‘ues mit ironisc,em Titel aufwartender und noch heute in seiner intensiven Erzählweise beeindruckender Antikriegs-Roman "Im Westen nichts Neues" schildert mitunter den brutalen Kriegsalltag eines Soldaten im Ersten Weltkrieg. Wie junge Männer, ohne wirklich plastische Vorstellungen von den harten Spielregeln eines Krieges zu haben, in die Schlacht zogen, im gnadenlosen Stellungskrieg verharrten und das unvorstellbare Grauen erlebten.

Mit all dem befasste sich Stanley Kubrick in "Wege zum Ruhm" nicht. Sein Augenmerk zielte auf die Bloßstellung der verlorenen Menschlichkeit in der Generalität, die hier vor allem in Gestalt des Franzosen Paul Mireau ihren skrupellosen Weg zum Ruhm sucht. Eine strategisch unbedeutende deutsche Hügelstellung an der Westfront soll eingenommen werden; militärisch eine unlösbare Aufgabe für Colonel Dax und sein demoralisiertes Regiment, die Mireau jedoch nicht davon abhält, seine Untertanen damit zu konfrontieren. Als das Unterfangen erwartungsgemäß im Begriff ist, zu scheitern und ein anderer Zug sich daraufhin weigert, den Schützengraben zu verlassen, befiehlt der empörte General, die eigene Stellung unter Beschuss zu nehmen. Der Befehl wird verweigert. Nun lässt Mireau ein Exempel statuieren und drei Soldaten auswählen, die wegen Feigheit vor dem Feinde vor ein Militärtribunal gestellt werden.

Stanley Kubrick sagte deutlich, dass das ganze Unglück kein rein französisches Phänomen darstelle, sondern Allgemeingültigkeit aufweise. Karrierismus und Ruhmsucht scheint es überall zu geben, ebenso wie einen Paul Mireau. Er personifiziert jene Exemplare der ranghohen Militärs, die Skrupel nicht kennen und im unterwürfigen Soldaten nur seelenloses Material sehen, das es gewissenlos zu verschleißen gilt. Der Befehl, die unbedeutende Anhöhe einzunehmen - er gleicht dem Entschluss zum Suizid. Und obwohl Kubrick sein Werk sehr dialogisch aufbaute und auf den bloßen Effekt der Materialschlacht verzichtete, gelang es ihm dennoch, die Unmöglichkeit der Erstürmung der feindlichen Stellung in simpler Weise zu veranschaulichen. Werden die Kampfhandlungen auch nur selten visualisiert, so donnern und heulen die Geschütze jedoch unaufhörlich und dramatisieren die fatale Lage der Soldaten. Hervorragend sind nicht zuletzt die langen Kamerafahrten durch die labyrinthischen Schützengräben, den noch mit menschlichem Leben angereicherten Adern der einer Kraterlandschaft gleichenden Einöde, während abseits alles Leblose ruht.

Demoralisiert sind entsprechend die Soldaten. Colonel Dax ist nicht die einzige Autorität, die um diesen Zustand weiß, allerdings die alleinige, die dem Bedeutung schenkt. Dax verteidigt die drei vor dem Militärgericht Angeklagten aus leidenschaftlicher Überzeugung, aus deren sich auch sein abschließendes Plädoyer nährt. Er ist zweifellos ein Mann mit Gerechtigkeitssinn, aber durch dessen zu märchenhafte Ausprägung ebenfalls ein sehr schablonenhafter Idealist ohne erkennbar moralische Schwächen. Kirk Douglas spielt dieses Naturell ausgezeichnet, doch Kubrick strickte Colonel Dax etwas zu transparent. Der Kampf für die Gerechtigkeit wird geradezu aussichtslos, scheint Dax doch die einzig wahrhaft ehrenhafte Figur in einem Sammelsurium entmenschlichter und willkürlicher militärischer Führungspersönlichkeiten. Seine endgültige sich abzeichnende Niederlage, den elendigen Gang der Verurteilten zu ihrer Hinrichtung, inszenierte Kubrick noch einmal mit unnachahmlicher Intensität: Ein Spalier wurde gebildet, die Militärtrommeln pauken in ihrem unerbittlichen Rhythmus und die dem Schicksal in Ungnade Gefallenen werden zum Ort ihrer Erschießung geführt. Der eine in sich gekehrt, sich ehrenhaft gebend. Der andere untröstlich, schrecklich bibbernd und flehend. Der dritte aufgrund einer schweren Kopfverletzung kaum noch bei Bewusstsein und absurd und unwürdig auf eine Trage verfrachtet. Nichts scheint die Männer noch retten zu können.

Wenn die Szenerie wechselt, wirft Kubrick noch einen letzten Blick auf General Mireau. Mit George Broulard, einem ideell gleichgesinnten, aber ranghöheren General, bei Tische sitzend und idyllisch speisend kommentiert Mireau schließlich mit einem Croissant in der Hand und in höchster Gemütlichkeit zynisch die den drei Soldaten widerfahrene Prozedur: "So eine Sache ist immer etwas Unangenehmes, aber diesmal war's irgendwie ergreifend." - Nur ein Satz, und doch bringt er alle Scheußlichkeit Mireaus zum Ausdruck. Am Ende wird sich "Wege zum Ruhm" nicht nur deshalb als einer der bedeutendsten Antikriegsfilme aller Zeiten ausgezeichnet haben. Ein Werk, das im Gegensatz zu den zeitgenössischen Produktionen ohne opulente Schlachtengemälde auskommt und doch, gerade durch unfassbare Aussagen der Generalität, kritisch die Kriegsapparatur durchleuchtet.


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