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Aliens - Die Rückkehr (1986)
Eine Kritik von Perfect_Stranger (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 11.10.2011, seitdem 179 Mal gelesen
Wie bei jedem Sequel stellt sich die Frage "Reicht es an den Vorgänger heran"? Nein. Ridley Scotts Meisterwerk ist in punkto Dramaturgie und Psychologie eine Nummer zu groß für David Camerons Fortsetzung, und wer in dem Film nach einer gesellschaftlich-philosophisch relevanten"Aussage" sucht - in Teil 1 immerhin möglich -, wird nicht viel finden. Aber ein würdiger Nachfolger ist "Aliens - Die Rückkehr" allemal. Viele der Lücken gegenüber dem Original von 1979 werden durch neue Stärken aufgefangen, und als Actionfilm überzeigt der Streifen voll und ganz!
Ins Detail: Ridley Scott schaffte eine geniale Grundkonzeption, die er im Dialog Ripleys mit Ash auf den Punkt bringt: R.: "Sie bewundern es?" - A.: "Ich bewundere seine konzeptionelle Reinheit! Geschaffen, um zu überleben. Kein Gewissen beeinflusst es. Es kennt keine Schuld, oder Wahnvorstellungen ethischer Art." Dieses amoralische Lebewesen scheint den von Skrupeln und Ängsten geschwächten Menschen hoffnungslos überlegen und muss noch nicht einmal durch Gigantismus überhöht werden, taucht es doch so gut wie nie im Bild auf, und wenn doch, dann nur undeutlich sichtbar. Trotzdem hat es ein enormes Potenzial, Furcht zu wecken. Diese Stärke ist in "Die Rückkehr" weniger ausgeprägt vorhanden, was natürlich in erster Linie daran liegt, dass das Monster dem Zuschauer nicht mehr unbekannt ist. Der Drehbuchautor löst dieses Problem geschickt, indem er Ripleys Augenzeugenbericht nach 57 Jahren Irrfahrt durchs All nicht auf Glauben stoßen lässt. Die Unbedarftheit der Marines, insbesondere des etwas zu feigen Hudson (Bill Paxton), schaffen die Voraussetzung für Ripleys Rolle im Personengefüge: Zunächst belächelt, wird ihre Überlegenheit schnell überdeutlich. Dieser Zuwachs an Autorität, wenn man so will ihres Führungsanspruchs, ist "organisch" fließend, i.e. ohne unnötige Schnörkel im Plot, inszeniert. Was Sigourney Weaver schauspielerisch abliefert, ist ohnehin wieder eine Klasse für sich! Wie sie ohne Bruch zwischen den Rollen der traumatisierten, aber impulsiven Bordoffizierin , der resoluten aber dialogfähigen Anführerin, und der mütterlichen Vertrauensperson ("Newt") wechselt, ist bemerkenswert (im dritten Teil schafft sie es sogar noch als Liebhaberin zu überzeugen). Diese Schauspielerin hat eine Bandbreite und Autorität wie keine andere mir bekannte Darstellerin!
Der eingangs erwähnte Android Ash, ein genial konzipierter Charakter, hat zwar keinen adäquaten Nachfolger, wird aber durch den "synthetisch-sympathischen" Bishop und den wunderbar intriganten Burke quasi "mit vereinten Kräften" gut ersetzt. Und so ist die Kulisse der doppelten Bedrohung, von innen durch Burke, und von außen durch das Monster, wieder dieselbe wie im Teil 1. Neu ist die stärker akzentuierte, vielleicht etwas überbetonte Verantwortlichkeit Ripleys für Newt. Gleichgeblieben ist zumindest in der ersten Phase des "Alien-Kontaktes" der Versuch, die Gegner so lange wie möglich unsichtbar bleiben zu lassen, was insbesondere in der Szene mit den automatisch feuernden Roboterkanonen auch sehr gut umgesetzt wird.
Störend fallen vor allem die entweder über- oder unterzeichneten Nebenfiguren auf. Hudson wurde schon erwähnt, noch alberner wirkt das schießwütige "Cowgirl" Vasquez. Es gab zwar im Film der 80er-Jahre eine Vielzahl deutlich schlimmerer Amazonenfiguren, trotzdem schwächen Charaktere wie dieser den Gesamteindruck. Corporal Hicks (Michael Biehn) bleibt trotz seiner zarten Romanze mit Ripley blass, was Kennern des 2 Jahre jüngeren "Terminator" (1984) egal sein dürfte, da er latent an seine Rolle des Kyle Reese erinnert. Die übrigen Figuren sind allerdings komplett gesichtslos.
Das war es aber auch schon an Kritikpunkten. Die Existenz einer "Alien Queen" wird oft kontrovers diskutiert, ich sage, irgendetwas musste sich der Drehbuchautor ja einfallen lassen, und diese Idee ist mindestens so gut wie jede andere. Den Showdown finde ich jedenfalls absolut gelungen, er ist expliziter, dramaturgisch schlichter, und weniger nervenzerreißend als das Ende von Teil 1, aber er bietet hervorragende Action! Die Facehugger-Szenen sind allerdings in Sachen Gruselpotenzial das Kernstück des Films, sie sind wirklich angsteinflößend!
Bleibt unterm Strich ein vollauf überzeugender Film! Nicht an Ridley Scotts revolutionäres Werk heranzureichen, ist keine Schande, ihm so nahe zu kommen eine Auszeichnung!
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