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Identität (2003)

Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 20.01.2008, seitdem 247 Mal gelesen


VORSICHT! SPOILER!
Dank hervorragender Besetzung und einer interessanten Ausgangslage ist dieser Horrorfilm zunächst mal klasse gemacht. Die Erzählweise zu Anfang, die mit den Zeiten der Geschehnisse spielt, erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit als der 08/15-Horrorthriller von nebenan und ist ebenfalls überzeugend. Allerdings ist diese Form der ungewöhnlichen Erzählweise auch schon lange kein Neuland mehr, so dass man hier eigentlich nicht mehr von Filmkunst oder besonders hohem Niveau reden könnte.
Hat der Film erst einmal seine Vorgeschichte erzählt, in der Figuren interessant eingeführt werden und die Neugierde des Zuschauers geweckt wird, geht es auch recht gelungen weiter. Die Atmosphäre stimmt, die Location des Motels unterstützt diese.
Im Mittelteil geht einem langsam aber auch ein Licht auf. Zu Hilfe kommen dabei der Titel des Films und die Synchronstimme John Cusacks bei der anfänglichen Therapie auf dem Tonband. Allein durch letzteres war von Anfang an klar, dass Cusack der Mörder ist, aber darin liegt eben gleichzeitig wieder die Falle. In der Mitte des Films beginnt der aufmerksame Zuschauer nämlich langsam zu verstehen, dass jede Figur eine Identität des selben Mannes ist. Als dann die Nennung der Geburtsdaten kommt wird die Vermutung Realität. Und mit dieser Gewissheit nutzt das anfängliche Entdecken Cusacks Synchronstimme nichts mehr, und jeder ist erneut verdächtig. Zumindest weiß man nun mehr, und nun setzt das letzte Drittel ein, von dem man nun Erklärungen erwartet.
Leider nutzten die Macher das letzte Drittel eher dafür "überraschend" die Auflösung zu präsentieren, die man zuvor vermutete. Ich will jetzt nicht behaupten haargenau gewußt zu haben was da von sich geht, so vermutete ich z.B. dass der Psycho seine Persönlichkeiten umbringt um sich zu heilen, stattdessen war es ja nun anders und nur eine Person dieses kranken Mannes ist ein Mörder. Aber der Schluß präsentiert die Tatsache, dass jeder die selbe Person ist, als überraschender Trumpf, so als hätte es bei der Nennung der gleichen Geburtsdaten nie beim Zuschauer Klick gemacht. Das wenige was uns dann im letzten Part immerhin doch noch erklärt wird ist nicht gerade nachvollziehbar. Angeblich sollen wir glauben, dass wenn der Patient den Mörder in sich findet und vernichtet, er in der Psychatrie statt auf den elektrischen Stuhl landet. Aber seit wann hat eine solche Therapie ein so sicheres Terrain zu behaupten eine verdrängte Persönlichkeit könne nach einiger Zeit nicht wieder auftauchen?
Zumindest die Mörderauflösung überrascht und man ohrfeigt sich im Nachhinein, weil doch so viele Sätze darauf hingedeutet haben. Immer wieder wurde die gepeinigte Kindheit des Täters bzw. Opfers erwähnt, da hätte mir ja nun wirklich ein Licht aufgehen können. Andererseits ist es schade, dass diese Auflösung in Form eines bösen Schlußgags stattfand. Dieser ist nämlich leider etwas fehl am Platz und die Auflösung selber wirkt nicht wie ein zusätzlicher "Gag", da der Schuldige der erst benannt wird nicht glaubhaft war. Der Knastie hätte nur die eine Nacht überleben müssen um frei zu sein, warum hätte er morden sollen? Das ergab so wenig Sinn wie der andere Verdacht ein lausiger Dieb könnte gleichzeitig auch ein brutaler Serienkiller sein.
Zumindest ist der Film in der ersten Stunde sehr interessant erzählt, weckt auch immer wieder das Interesse des Zuschauers durch die Agatha Christie-ähnliche Situation des 10-kleine-Negerlein-Prinzips und der wiederholenden Elemente, in diesem Falle das Auftauchen der Schlüssel. Als diese auch bei Unfallopfern in der richtigen Reihenfolge auftauchen ist der Übergang vom Thriller zum Horrorfilm noch vor dem ominösen Verschwinden der Leichen erfolgt.
Ich habe mich nicht besonders intensiv mit diesem Film befasst, deswegen frage ich mich, ob eigentlich auch eine genauere Deutung in den Geschehnissen zu suchen ist, die die Figuren überhaupt erst zusammen brachten. Hochwasser, Motel, ein Frauenschuh,... steht das alles für etwas, dass in einer Filmanalyse zu entdecken wäre oder wollte der Film nur wichtig tuend beginnen? Sollten die Anzeichen keinen tieferen Sinn haben müßte es nämlich aufgrund der Auflösung der Geschichte noch mal Punkteabzug geben, obwohl der Beginn ja eigentlich sehr gut erzählt wurde. Zumindest wurde in der Einleitung richtig ergründet, dass sich alle Figuren gegenseitig beeinflusst haben, wenn auch nicht gewollt, um in diesem Motel zu landen. In der Regel spricht man bei einer derartigen Krankheit ja davon dass die Persönlichkeiten sich untereinander nicht kennen, ihr Verhalten im realen Leben beeinflusst natürlich dennoch die Realität der anderen Persönlichkeit, deswegen passt das schon gut. Warum ein Mörder andererseits seine Persönlichkeiten umbringen kann, obwohl er von diesen eigentlich nichts wissen dürfte ist nur eine der unerklärten Lücken der möchtegern psychologischen Auflösung, die ihren ärgerlichsten Höhepunkt darin findet was ich eben schon erwähnte: Man soll akzeptieren dass mit dem Tod des Täters dieser nicht mehr zurück kommen könnte.
Gut gemachter Horror, hervorragend besetzt, halbwegs clever erzählt, in seiner Auflösung aber nur halb überraschend und psychologisch leider mangelhaft. Den meisten Spaß kann der Film nur dann machen, wenn man sein Gehirn ausschaltet. Eigentlich sollte es bei einem gewitzten Film ja anders rum sein.


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