Eine Kritik von floair (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 12.11.2007, seitdem 200 Mal gelesen
Mein Lieblingsfilm des britischen Kultregisseurs Alfred Hitchcock, welcher 1980 in einem Alter von 81 Jahren verstarb. Seinen letzten Film "Familiengrab" drehte er 1976 ab. Wie immer hat er auch hier einen winzigen Auftritt, gleich in der ersten Szene, als Passant welcher den Bus verpasst. Mit "Der Unsichtbare Dritte" inszenierte Hitchcock nicht nur Filmgeschichte, sondern inspirierte auch die Macher von James Bond, zudem hat dieser Thriller durch Szenen wie den Flugzeugangriff auf Roger, oder die finale Hetzjagd im Mount Rushmore, nichts von seiner Präsenz verloren. Ein zeitloser Thriller, genau wie der Nachfolgefilm "Psycho".
Werbefachmann Roger Thornhill (Cary Grant) wird ausversehen für den Agenten George Caplan gehalten. Er wird von Phillip Vandamm (James Mason) und seinen Schergen (Martin Landau u.a.) gekidnappt und fast getötet. Niemand will ihm glauben und kurz darauf wird ihm noch ein Mord angehängt. Roger beginnt Nachforschungen über Caplan anzustellen und lernt auf seiner Flucht vor dem Gesetz und Vandamm die hübsche Eve Kendall (Eva Marie Saint) kennen. Auch das FBI ist mittlerweile auf Roger aufmerksam geworden und versucht ihn durch die Verwechslung in Gebrauch zu nehmen. Roger findet sich in einem Katz und Mauspiel voller Lügen wieder, in dem er Niemandem trauen kann, nicht mal Eve.
Hauptdarsteller Cary Grant wurde auch für die Rolle des Geheimagenten James Bond in Erwägung gezogen, aber er war zu diesen Zeitpunkt schon zu alt. "Der Unsichtbare Dritte" war einer von Grant´s letzten Filmen, insgesamt brachte er es auf knapp 80 Rollen. Ganz besonders durch seine komödiantische Gabe wurde er weltberühmt. Aber auch solche, ernstere Rollen stehen ihm perfekt. Manch Einer mag das damalige Schauspiel für etwas überzogen halten, man war hier noch nicht so peniebel, aber Hitchcock trieb seine Darsteller schon immer zu Hochleistungen und demenstprechend kann man auch hier von überzeugenden Darstellern reden. Das Gegenspielerduo ist mit James Mason und Martin Landau perfekt besetzt und in den weiblichen Part schlüpft Eva Marie Saint, damals ein absoluter Hingucker.
Im Vergleich zu der Perfektion, welche Hitchcock hier an den Tag legt, stört nur die etwas einfach Story. Viel zu früh wird das Geheimnis um Caplan gelüftet und die zweite Hälfte verkommt eher zu einer trivialen Hetzjagd und einer Lovstory. Aber der spannende und komödiantisch angehauchte Erzählstil fesselt und amüsiert ungemein. Witzige Dialoge und ein paar wegweisende Actioneinlagen dominieren diesen Kultthriller. Legendär der Flugzeugangriff mit anschließendem Crash auf Roger Thornhill, oder das mächtig spannende Finale am Mount Rushmore. In Ernest Lehman´s (Schwarzer Sonntag) Drehbuch war dies zwar nicht so vorgesehen, doch Hitchcock überredete ihn zu diesem Finale. Und es wurde zu einer weiteren Szene, welche man nicht vergessen kann. Für 1959 war dieser Film seiner Zeit weit voraus, vielleicht hätte man nur die Romanze mit Eve etwas zurückschrauben können. Der Film wurde damals für mehrere Oscars nominiert, bekam unverdienterweise nie Einen.
Mein Favorit in Hitchcock´s Filmographie. Spannendes und witziges Szenario mit etwas lascher Story. Über die Laufzeit von 131 Minuten wird man perfekt unterhalten.