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Grauzone, Die (2001)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 15.09.2006, seitdem 683 Mal gelesen



So intensiv wie "Die Grauzone" zeigte bisher kein mir bekannter zweiter Film den grausigen KZ-Alltag, im konkreten Fall den des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Jahre 1944. Tim Blake Nelsons "Die Grauzone" berichtet n├╝chtern und auf historische Fakten gest├╝tzt von einem der gemeinhin weniger bekannten Kapitel des Holocaust. Er zeigt die t├Ągliche Arbeit der j├╝dischen Sonderkommandos, die f├╝r einige Monate mit besonderen Privilegien ausgestattet f├╝r die industrielle Leichenverbrennung und ├Ąhnliche Dinge verantwortlich waren - bevor sie selber "liquidiert" und durch ein neues Kommando ersetzt wurden.

Regisseur Tim Blake Nelson verzichtet in seinem bedr├╝ckenden Report aus der H├Âlle auf Erden praktisch v├Âllig auf plakative Schauwerte. Die Atmosph├Ąre des Films ist gepr├Ągt vom allgegenw├Ąrtigen Tod, vor dem es kein Entrinnen gibt. D├╝stere Kellergew├Âlbe, Leichenberge und das ohrenbet├Ąubende Wummern der Verbrennungs├Âfen dominieren das Erscheinungsbild der "Grauzone". Unterbrochen wird das maschinelle T├Âten einzig von Gespr├Ąchen zwischen einem j├╝dischen Assistenz-Arzt und einem Oberscharf├╝hrer (Harvey Keitel), dem Schmieden eines Ausbruchsplans sowie zumeist von Exikutionen gepr├Ągten Hofszenen.

So mancher H├Ąftling klammert sich dennoch an utopische Hoffnungen, versucht ein einzelnes Leben zu retten oder mit den Wachmannschaften ins Gesch├Ąft zu kommen. Willk├╝rliche Hinrichtungen und Erniedrigungen setzen solchen Vorhaben jedoch stets ein schnelles Ende. Zwar gibt es letztlich einen Aufstand des portraitierten Sonderkommandos 12, doch endet auch dieser in einem Blutbad.
Der Zuschauer bekommt all dies hautnah zu sp├╝ren und selbst die mit Leichen gef├╝llten Gaskammern werden hierbei nicht ausgespart. Dass der eigentliche Vernichtungsprozess nicht explizit gezeigt wird, ist dabei auch garnicht n├Âtig. Wesentlich intensiver geschieht die Darstellung des Grauens hier durch akustische Mittel, durch das schlichte, allm├Ąhliche Verstummen der panischen Schreie, w├Ąhrend man in die leeren Gesichter der Sonderkommandos und zumeist betrunkenen SS-Posten blickt.

Gro├če Schauwerte hat "Die Grauzone" wie bereits bemerkt nicht zu bieten. Die schlichte Inszenierungsweise ist zweckm├Ą├čig, wirkt aber trotz eher geringem Budget zu keinem Zeitpunkt billig. Angemessen ist die Aussattung: Uniformen, Abzeichen und Waffen entsprechen weitesgehend den historischen Vorbildern. Die darstellerischen Leistungen - neben Harvey Keitel spielen u.a. Steve Buscemi und David Arquette - bewegen sich ebenfalls auf durchweg hohem Niveau, weswegen ich die "Grauzone" jedem historischen Interessierten dringend nahezlege.
Lediglich einen Fehler erlaubt sich Regisseur Tim Blake Nelson zumindest aus meiner Sicht: Den finalen Aufstand. Diese wenn auch historisch korrekte Actioneinlage hat der Film definitv nicht n├Âtig und zugleich st├Ârt sie durchaus die bis dahin aufgebaute Atmosph├Ąre des v├Âlligen Ausgeliefertseins. Zumindest stark verk├╝rzt h├Ątte man diese Passage, und insbesondere deren Au├čenszenen, darstellen k├Ânnen. Der brutalen Gesamtwirkung h├Ątte es wohl noch ein St├╝ck mehr zugearbeitet.

Nichtsdestotrotz beschliesst Regisseur Nelson nach der Niederschlagung des Aufstandes durch die SS seinen eindrucksvollen Film mit einer letzten Demonstration der Grausamkeit und schliesst so nahtlos an die bisher gezeigte Barbarei an. Wo beispielsweise "Schindlers Liste" hier und da Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Ereignisse aufkommen l├Ąsst, da ├╝berzeugt "Die Grauzone" auf ganzer Linie. ├ťberzeichnete Charaktere und die Gef├╝hle des Zuschauers gezielt in eine Richtung lenkende Stilmmittel geh├Âren erfreulicherweise nicht zum Repertoire des Filmes.

Fazit: Harter Tobak, der in aller Ruhe konsumiert werden sollte.


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