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Grauzone, Die (2001)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 7 / 10)
eingetragen am 19.01.2012, seitdem 487 Mal gelesen



"Diese Staubteilchen sind grau. Wir legen uns auf ihre Schuhe und auf ihre Gesichter und auf ihre Lungen. Und sie gewöhnen sich so sehr an uns, dass sie bald nicht mehr husten und uns nicht mehr weg wischen."

Im Konzentrationslager Ausschwitz bereitet sich das aus Juden bestehende 12. Sonderkommando auf einen Aufstand vor. Hoffman (David Arquette) und Abramovics (Steve Buscemi) planen mehrere Krematorien mittels geschmuggeltem Sprengstoff zu zerstören. Die dazu benötigten Mittel bekommen sie von den in einer Munitionsfabrik arbeitenden Frauen, darunter Dina (Mira Sorvino), geliefert.
So wie der jüdische Arzt Miklos Nyiszli (Allan Corduner) genießen auch die Personen des Sonderkommandos eine besondere Stellung mit diversen Vorzügen im Lager. Der Preis dafür ist das Geleit neuer jüdischer Neuankömmlinge in die als Duschen getarnten Gaskammern sowie der Verbrennung der Leichen. Obwohl sich die Sonderkommandos ihrer belastenden Arbeit beugen, traut Oberscharführer Erich Muhsfeldt (Harvey Keitel) den jüdischen Gefangenen keineswegs. Als eine der Frauen während des Transports von Schießpulver erwischt wird, fühlt sich Muhsfeldt bestätigt und nutzt Miklos Nyiszli's Familie um Informationen für den geplanten Aufstand zu erhalten.

"Die Grauzone" behandelt ein Thema das gerne in Filmen über den zweiten Weltkrieg ausgelassen wird: Der systematischen Ermordung der Juden. Überwiegend auf historischen Fakten und Tagebuchaufzeichnungen basierend beschäftigt sich das Drama um die Alltagsarbeit der Sonderkommandos und dem Aufbau des Aufstands. "Die Grauzone" bleibt dabei fernab einer Hollywood-Produktion und präsentiert sich kontrovers, subtil drastisch, unkommerziell und dramaturgisch unausgeglichen.

Sonderkommandos bestanden aus gefangenen Juden, die ihresgleichen in Gaskammern führten, Leichen verbrannten und die Örtlichkeiten säuberten. Als Ausgleich erhielten sie mehr Essen, Konsumgüter und die Gewissheit länger zu leben. Zumindest scheinbar, denn für gewöhnlich wurden sie nach nur wenigen Monaten selbst gerichtet und durch neue Häftlinge ersetzt.
Selten beschreibt ein Film so intim, was der Mensch bereit ist zu opfern um sich selbst zu erhalten. "Die Grauzone" scheut sich nicht zu visualisieren, wie ein Mann seine eigene Familie in einen Verbrennungsofen schiebt oder Spannungen unter den Juden eskalieren. Dabei setzt das Drama auf subtile Vermittlung der Greueltaten und zeigt nur selten direkt explizite Bilder.

Gerade zu Beginn und im aufwendig inszenierten Finale erzeugt "Die Grauzone" eine immens beklemmende und depressive Grundstimmung, die zwischenzeitlich durch zusammenhanglose Handlungsstränge aufweicht. Der Verzicht auf musikalische Untermalung lässt die Bilder an sich besser wirken, die überwiegend farbarm sind. Der ungezügelte Häftlingsaufstand zeigt sich verzweifelt und chaotisch, völlig abseits von unpassendem Heldentum, kitschigen Sentimentalitäten und geschöntem Ende.
Vor allem in der Mitte setzt das Drama auf viele Dialoge. Mitunter beeinflusst dies die Dramaturgie, die stellenweise einzubrechen droht. Nur mühsam bewegt sich der Film zu diesen Zeitpunkten vorwärts und macht die unausgefüllte Figurenzeichnung sichtbar.

Die unverbrauchten Gesichter von Allan Corduner, David Arquette ("Scream"-Reihe) sowie Mira Sorvino ("Mimic") führen in Kombination mit einer eindrucksvollen Darstellung zu einer überzeugenden Abnahme der Geschehnisse. Eher zurückhaltend dagegen werden Steve Buscemi ("Armageddon") und Harvey Keitel ("Reservoir Dogs") sinnvoll ergänzt.

"Die Grauzone" ist trotz einiger dramaturgischer Schwächen und seinem ruhigen Erzählrhythmus ein diskussionswürdiges Holocaust-Drama. Dank seines ungern angesprochenen Themas bewegt sich der Film abseits jeglicher Hollywood-Klischees, nutzt allerdings keine offensichtlichen Bilder, um die Massenmorde darzustellen. Durch die subtile Vorgehensweise füllt die eigene Phantasie die nicht dargestellten Lücken der Ereignisse in Gaskammern und Verbrennungsöfen aus. Ein wenig störend sind allerdings verschieden laufende Handlungsstränge, die zunächst die Zusammenhänge missen lässt. Knappe...

7 von 10


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