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Open Hearts (2002)

Eine Kritik von Arminowitsch (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 01.03.2003, seitdem 657 Mal gelesen


Die Neuentdeckung der Banalität.

"Open Hearts" ist der jüngste Film aus der "Dogma 95"-Schmiede, welche durch einen ästhetisch rohen Stil das Augenmerk des Zuschauers vor allem auf die Charaktere und Handlung legt, und ihm diese so auf recht eindringliche Weise präsentiert. Die Story hier ist sogar ziemlich einfach, geradezu banal: Der Freund von Cecilie, einer jungen Frau, wird von einem Auto überfahren und ist danach vom Hals abwärts gelähmt. Da beide kurz vor ihrer Hochzeit standen, ist das ein schwerer Schock für beide. Während sich Cecilie weiterhin sehr um ihren Freund sorgt, versinkt dieser in Selbstmitleid und Verbitterung und will sie nicht mehr sehen. Sie solle doch ein neues Leben anfangen, ohne ihn. Genau das passiert schließlich, als sie sich in den schweren Stunden in einen Arzt und Familienvater verliebt, dessen Frau den Unfall verursachte. Das ganze eskaliert zu einer Affäre, sodass vor allem der Arzt in einen seelischen Konflikt gerät. Hinzu kommt auch, dass er es nicht mehr vor seiner Familie verheimlichen kann...

Die Geschichte hört sich sicherlich an, wie schon 100 mal durchgekaut. Ist sie im Prinzip auch. Allerdings noch nicht in dieser "dogmaartigen" Direktheit. Die gängigen "Beziehungskiste-Seifenoper-Klischees" werden eben nicht aufgewärmt, vielmehr spielt sich das wirkliche Leben live vor der wackeligen und unangenehm nahen (am Geschehen, an den Charakteren) Kamera ab, und reißt einen trotz einiger Längen durchaus mit. Es wachsen einem die Darsteller wirklich ans Herz, und der ein oder andere erkennt vielleicht sich selbst ein einer gezeigten Person.

Wer sich also nicht an ein wenig Gefühlsduselei stört, dem sei der Film zu empfehlen, denn in Zeiten von auf der einen Seite weitgreifend politischen Themen und auf der anderen Seite Auswüchsen der Spaßgesellschaft manifestiert in den Hollywood-Fantasy-Action-Horror-...-Blockbustern rückt "Open Hearts" das einfache Leben wieder in den Vordergrund. Durch eine indiskrete, ungeschönte Darstellung auch der intimsten und beschämendsten Situationen des Lebens von Cecilie und Co. entdeckt man als Zuschauer das eigene Leben als den wohl spannendsten und abwechslungsreichsten Film wieder.

Auch wenn der Film also nicht sonderlich spektakulär ist, so hat er uns wenigstens darauf aufmerksam gemacht. Am Anfang wie am Ende sieht man eine Autofahrt durch die Stadt aufgenommen durch eine Wärmebildkamera - Und jedes der unbekannten Gesichter auf der Straße hebt sich auf einmal heraus, es leuchtet, es schreit förmlich nach der Verfilmung seiner eigenen Geschichte. Denn die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. 8/10


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