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Notting Hill (1999)

Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 16.04.2002, seitdem 1484 Mal gelesen


Eine Romanze nach Vorlagge von Richard Curtis, der auch das Drehbuch zu "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" schrieb.

Story:
Der Buchverkäufer William Thacker, der ein Geschäft im Londoner Stadtteil Notting Hill besitzt, traut seinen Augen kaum, als eines Tages der Hollywoodstar Anna Scott (Julia Roberts) in seinen Laden platzt und ein Buch kauft. Die Begegnung verläuft ohne Höhepunkte, doch kurz später trifft er sie wieder und schüttet ihr aus Versehen Orangensaft über die Kleidung. Sie willigt ein, sich in Williams WG (in der außer William noch der leicht durchgeknallte Spike (Rhys Ifans) lebt) umzuziehen. Zum Abschied schenkt Anna William einen Kuss und es scheint sich mehr zu entwickeln, als nur Freundschaft.

Aus dieser Story hätte wirklich eine tolle Romanze werden können: Julia Roberts spielt mit, es gibt mit Spike einen Charakter, der für den nötigen Humor sorgt, der "offizielle" Filmsong ist auch recht bekannt ("When you say nothing at all" von Ronan Keating) und mit Hugh Grant wurde ein echter Frauenschwarm gecastet.

Letztendlich muss man sagen: Verschenkt! Die Geschichte zieht sich an manchen Stellen wie ein Kaugummi (eine halbe Stunde weniger hätte dem Film gut getan) und es mangelt an guten Ideen. Die Einfallslosigkeit spiegelt sich schön darin wieder, dass Anna den Buchverkäufer Williams zig mal verlässt, nur um sich dann wieder mit ihm zu versöhnen. Dadurch wird auch die Story sehr vorhersehbar, frei nach dem Motto: "Lass sie ruhig ziehen, die kommt eh bald wieder."
Ganz zu schweigen von der ganzen Logik im Film: Ich glaube kaum, dass ein Hollywoodstar im wirklichen Leben zu einem fremden Menschen, den sie gerade mal flüchtig kennt, nach Hause gehen würde, um sich umzuziehen. Und dann auch noch mit William im Kino (!) sitzt, wo die anderen Gäste sie offensichtlich nicht erkennen, obwohl sie ja ein bekannter Filmstar ist. Durch solche Szenen driftet der Film ins Unglaubwürdige ab, wodurch man keine rechte Beziehung zu den Akteuren aufbauen kann.
Das schlimmste steht uns aber noch bevor: Der Schluss ist sowas von peinlich, dass sich mir die Nackenhaare zu Berge stellen: Erst kommt eine pseudo Action-Einlage, die anscheinend noch für Spannung sorgen soll (weil man eh weiß, wie das Ganze ausgeht, ist das zwecklos), und in der Spike meine zuvor gewonnen Sympathiepunkte aufgrund eines absolut missglückten Versuchs, für einen Lacher zu sorgen, verliert. Und die Schlussszene ist das Tüpfelchen auf dem i: So kitschig, dass ich nur noch den Kopf geschüttelt habe.

Was alle an Julia Roberts so toll finden, werde ich wohl niemals verstehen. Eigentlich setzt sie die ganze Zeit nur ihr Grinsgesicht ein, dass ihr vielleicht in "Pretty Woman" viele Sympathien brachte, aber langsam abgenudelt ist. Außerdem ist mir ihr komplettes Verhaltensmuster im Film nicht so ganz ersichtlich. Aber daran ist das Drehbuch auch nicht ohne Schuld.
Hugh Grant bringt sogar eine ganz passable Leistung. Er schlüpft gut in die Rolle des charmanten und liebenswerten Buchverkäufers, was ihm aber aufgrund seines Aussehens nicht schwer gefallen sein dürfte. Wie gesagt: Passabel aber nicht brillant.
Mein persönlicher Favorit in dem Film, der durch seine meistens gelungenen Auftritte für viele Lacher sorgt, ist Rhys Ifans als Spike. Teilweise sind seine Witze sogar recht tief unter der Gürtellinie, was aber dem Film recht gut tut, um nicht vollends in bodenlosem Kitsch und Kinderhumor zu versinken.
Einen kleinen, nicht erwähnenswerten Gastauftritt hat übrigens Alec Baldwin als Annas Freund. Und was soll man sagen: Er wirkt so spießig und arrogant wie immer.

Toll ist übrigens die Filmmusik, die von Ronan Keatings Schmusesong, der gut zum Film passt, bis hin zum Klassiker "Ain’t no sunshine" alles bietet.

Fazit:
Schade um die gute Idee! Statt einer romantischen Komödie erwarten uns anspruchslose, langweilige und kitschbeladene 2 Stunden. Mich persönlich nervt vor allem Julia Roberts, Fans von ihr können vielleicht mal reinschauen. Einziger Pluspunkt ist Rhys Ifans als Hugh Grants WG-Genosse.


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