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Beach, The (2000)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 23.11.2003, seitdem 984 Mal gelesen


Danny Boyle, der sich mit der Tragikkomödie „Trainspotting“ die Tür nach Hollywood selbst aufstieß, gewann für seinen dortigen Einstand Frauenschwarm und Publikumsmagnet Leonardo DiCaprio, der zwanghaft damit beschäftigt war, von seinem „Titanic“ – Image loszukommen. Kernthema der Romanvorlage von Alex Garland ist Gesellschaftskritik an und von einer isolierten Gruppe auf einer Insel, wie sie schon von „Mosquito Coast“ oder „Herr der Fliegen“ thematisiert wurde, hier aber in die Gegenwart transferiert wurde.

DiCaprio gibt hier, in einer etwas zu schnellen Exposition, den Rucksacktouristen Richard, der in Thailand seinen Traumurlaub genießen will, aber schon bald von einem herrlich durchgeknallten Robert Carlyle eine geheimnisvolle Karte zugesteckt bekommt, auf der die Definition des Traumstrands eingezeichnet ist. Wider aller menschlichen Verhaltensweisen macht er sich, nach einer unliebsamen Konfrontation mit Tod und Gesetz, mit einem befreundeten französischen Pärchen (weiblicher Part: Virginie Ledoyen, uiuiuiui) auf, um das Paradies zu finden, dass nicht nur frei nach der Bibel verboten (Naturschutzgebiet) ist, sondern auch unliebsame Überraschungen zu bieten hat. Eine Kopie wird bei Freunden zurückgelassen, damit eine ungeschriebene Regel seiner Touristengattung erfüllt wird, was sich später als schwerer Fehler herausstellen wird.

Um ans Ziel zu gelangen, wird ihr Mut auf die Probe gestellt, worauf sie dann, angekommen an ihrem Traumstrand, überraschend eine Gemeinschaft vorfinden, die sich gänzlich von der Zivilisation und technischen Fortschritt losgesagt hat und hier ein archaisches, friedfertiges Leben in Co-Existenz mit den kriminellen Bebauern der Insel führt. Alles scheint so herrlich und einfach in dieser paradiesischen Naturkulisse, aber die scheinbar ideale Gesellschaft hat mit den gleichen Problem eben dieser Welt zu kämpfen, aus der sie entfliehen möchten: Zank um Frauen, Missgunst, Neid. Als besonders problematisch erweist sich die Anführerin, die mittlerweile besessen von ihrer Gemeinschaft keinen Zuwachs aber auch keine Abgänge und erst recht keine Offenbarung ihres Geheimnisses zulässt. Die Idylle beginnt bald nach der Ankunft des Trios Risse anzunehmen und zu zerbröckeln. Medizinische Hilfe ist nicht gegeben und irgendwie sehnen sich doch alle nach Kleinigkeiten des Leben „da draußen“: Zahnbürsten, Creme, Make-up... Fehlt eigentlich nur noch, dass jemand schwanger wird. Richards heile Welt beginnt zu verfallen, bekommt bei seinem kurzen Ausflug in die hinter sich gelassene Welt aber noch mal eingehämmert, wie gut er es auf der Insel doch eigentlich hat; hübsche Freundin inklusive.

Zurück auf der Insel hat dieses zurück gewonnene Gefühl aber nur eine kurze Halbwertszeit, bringen doch Hai-Attacken die Stimmung der Gruppe ins Wanken, welche die Anführerin mit verzweifelten und unmenschlichen Strategien zu früheren Idealen zurückzukippen versucht. Schwer Verletzte wird der Gnadentod geboten, andere werden im Wald ausgesetzt um dem Tode nah, vor sich hin zu vegetieren. Das ist schon längst nicht mehr der Traum, den sie alle anfangs noch träumten. Richards Welt bricht endgültig zusammen, als eben die Freunde, denen er eine Kopie der Karte überließ, plötzlich dort auftauchen und blutig dafür bezahlen müssen, was zu einem Kurzschluss in Richards (der zwischendurch auch noch seine Freundin verliert) Kopf führt und ihn, der in die Isolation getrieben wurde, seine letzten Ideale raubt, was in seinem tödlichen Leichtsinn, zu einer finalen Katastrophe führt. Dabei bleibt aber bis zum Ende offen, wie er es mental schafft sich aus seinem psychisch angeknacksten Zustand später wieder in einen Allerweltsbürger zu verwandeln, der er vor diesem Alptraum war.

Sicher, Kritik wird deutlich, auch wenn sie bald weniger an „unserer“ Zivilisation, sondern eher am Aufbau einer trügerischen Scheinidylle auf einer abgeschotteten Insel. Viel Eyecandy gibt es dazu (Wer würde dort nicht mal gern Urlaub machen? Dann aber mit uns gegeben Luxusartikeln) und spannend wird es mitunter auch, aber „The Beach“ ist zu DiCaprio-bezogen, der später auf seinem Psychotrip eine One-Man-Show abliefert. Zaghafte Versuche zumindest seine Freundin als weiteren Charakter zu etablieren, wird später aufgegeben und die weiteren Mitglieder werden, bis auf die Anführerin, gar nicht oder kaum beachtet. DiCaprio selbst, der deutlich als Zugpferd gecastet wurde, ist selbst für mich erträglich und liefert eine recht ordentliche Leistung ab.

Fazit:
Kein revolutionärer, sondern kritisierender Abenteuerfilm, der die Motive aus „Mosquito Coast“ und „Herr der Fliegen“ wieder aufnimmt und uns vor Augen führt, wie schwer es doch für uns ist ohne Hilfsmittel in der freien, natürlichen Laufbahn zu existieren. Vor allem, wenn die Anführerin von diesem Ideal besessen ist. Hinzu kommen wunderschöne Naturaufnahmen, die bei jedem den Hintergedanken für den nächsten Urlaub aufkeimen lassen. Allemal ansehbar!


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