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Daredevil (2003)

Eine Kritik von Ebert (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 17.04.2003, seitdem 717 Mal gelesen


Als Junge blind geworden, und vom Vater belogen, wird Matt Murdock Anwalt sagt dem Bösen, in Gestalt des Daredevil, in der Nacht den Kampf an. Seine Gegner: The Kingpin, ein Unternehmer und Lump, und sein Auftragskiller „Bullseye“. Nachdem Bullseye den Vater von Murdocks heimlicher Liebe Elektra Natchios, getötet hat, und sie Daredevil dafür verdächtigt, muss er den wahren Täter präsentieren.

Auf den ersten Blick scheint „Daredevil“ ein Abklatsch zu sein, wie wir ihn auch schon in Batman gesehen haben: ein Doppelleben einer angesehenen Person, um das Böse zu bekämpfen. Und alles ähnelt sehr, wenn auch jugendfreundlicher, dem „Ein Mann sieht rot“-Image, denn ob nun mit oder ohne viel Gewalt präsentiert: die Taten des Daredevil sind Selbstjustiz.

Doch Daredevil geht weiter. In einer Szene steht der Held auf dem Dach, nachdem er gerade wieder einen Lumpen der Gerechtigkeit zugeführt hat. „Ich bin nicht der Böse”, wiederholt er zweimal, und diese Szene zeigt schon die Zerrissenheit, die seine Rache mit ihm selber anstellt. Auch die folgenden Szenen, unter anderem die Rache, die Elektra an ihm nehmen will, und ihren Tod, den Daredevil nun seinerseits rächen will, zeigen nur eines deutlich: am Ende ist jeder der Verlierer, und die Gewalt hat mehr kaputtgemacht, als geheilt. Und so kommt der Film auch rüber: die saubere Gewalt, mit der in Batman jugendfreundlich die Lumpen behandelt wurden, ist einer dreckigen Gewalt gewichen.

Es wundert schon, wieviel Gewalt dem Zuschauer ab 12 zugemutet wird. Obwohl eindeutig geschnitten, ist die Gewalt, angefangen von Kehlschnitten, Durchbohrungen, Gesichtstritten etc. hoch, und man fragt sich, was die FSK geritten haben mag, dies ab 12 zuzulassen. Jedoch ist eines deutlich klarzustellen: die in diesem Film gezeigte Gewalt ist so dargestellt, dass sie nicht verrohend wird, und erst recht nicht unterhaltsam.

Ich habe selten einen Film mit einem Comichelden gesehen, in dem der Held am Ende wie ein Verlierer dasteht, auch wenn am Ende des Films eindeutig die „Rächer“-Pose wieder aufgenommen wird (so der Reporter, der seine Aufdeckungsstory im Computer vernichtet, und Daredevil „Hol sie Dir“ zuruft). Dennoch ist der ganze Film von einer Tristesse durchzogen, die die ganze Sinnlosigkeit der Rache zeigt. Die Worte „Ich bin doch der Gute“, sind keine Bestätigung der Selbstjustiz, sondern ein Hinterfragen der Handlungen. Daredevil steht außerhalb des Rechts, und seine Gewalt bleibt Gewalt, auch wenn sie der subjektiven Wiedergutmachung erlittenen Unrechts dient.

Fazit: Dunkler, depressiv machender Film um einen Anwalt, der nachts in die Rolle des Daredevil schlüpft. In der Behandlung des Themas Gewalt besser, da hinterfragend. 8/10


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