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Daredevil (2003)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 03.05.2003, seitdem 1641 Mal gelesen


Mit "Daredevil" schickt Regisseur Mark Johnson einen ungewöhnlichen Comichelden des Marveluniversums ins Kino, der sich stark von bekannten Heldenfiguren wie Spider- und Superman unterscheidet und eher in die Richtung Batmans geht.

Matt Murdock alias Daredevil ist eine von Rache zerfressener Charakter, der als Kind in schlechten Verhältnissen aufwuchs, vom Vater belogen wie enttäuscht wird und diesen schließlich betrauert. Zu allem Überfluss wird ihm bei einem Unfall das Augenlicht genommen, wobei ihm aber im Gegenzug eine Art Röntgenblick (+ Superheldenstandart wie Schnelligkeit, Kraft etc) gegeben wird, mit dem er nun zwar für das Gute, aber auch für seine Rache kämpft.

Storytechnisch wird dabei grundsätzlich nur altbewährtes wieder aufgebrüht: Ein einsamer Mann führt ein geheimes Doppelleben, dass er einer Frau verheimlichen muss und bekämpft schlußendlich den Finalen Bösewichten.
Dem erwachsen gewordenen Matt fallen als Blindem soziale Kontakte nicht leicht. So vergräbt er sich ganz in seinem Anwaltsberuf und seinem Doppelleben als Daredevil, kann sich dabei aber nie von seiner inneren Zerissenheit lösen. Dabei stellt er nie den bekannten Superhelden da der alle Bösewichte aus dem Weg räumt, sondern einen rachsüchtigen Charakter, den keiner versteht. Gut deutlich wird dieses, in einer Szene, in der der Daredevil einem Bösewicht die Lichter ausknipsen will und dabei einem unbeteiligten Zivilisten klar machen will, dass er eigentlich der Gute ist.

Neben der Rachestory wird ein Liebesplot um die wunderschöne Elektra eingewoben, die selbst ein paar kämpferische Eigenschaften offenbart. Eigentlich ist dagegen nichts einzuwenden, wenn man diese Liebeleien nicht zu lange in den Vordergrund rücken würde. Einerseits erläutert sie die Zerrissenheit des Charakters Murdock näher und lässt Platz für Tragik (Elektra....) , auf der anderen Seite geht dabei aber der Spielraum für Kämpfe und Jagden verloren, von denen man nämlich im Film nur recht wenig zu sehen bekommt. Außer dem exzellenten Kampf in der Bar anfangs und Devils Kampf gegen Bulls-Eye und Kingpin bleibt da leider nicht viel über.
Diese bieten dann zum Teil nur kopierte Höhepunkte vorheriger Blockbuster, wie zum Beispiel Blade 2 (Motorradstunt) und Spider-Man (Kampf gegen den Gnom im brennenden Haus), überzeugen auf der anderen Seite dann aber wieder durch Slowmotions, schnelle Schnitte und geschicktem Einsatz von Zeitraffern. Die dazu laufende Rockmusik gibt den Kämpfen eine gewisse Coolness und passt dabei auch ungemein.

Der Film bleibt über die gesamte Spielzeit (ausgenommen der Tagszenen als Anwalt) einem sehr düsteren Stil treu, den ich seit Batman in Comicadaptionen vermisse. Der Film spielt hauptsächlich nachts im Regen und unterstreicht in dunklen Szenen, in denen Murdock seine Wohnung demoliert oder hoffnungslos in den Spiegel schaut, die depressive Stimmung des Films.

Der Härtegrad ist für einen PG 13er verwunderlich hoch. Die Bösewichte werden nicht mehr wie bei Spider-Man, Batman und Co einfach nur kaltgestellt. Bei Daredevil fließt Blut, Bösewichte werden vor U-Bahnen geworfen und selbst Knochen werden gebrochen. Bulls-Eye tötet Menschen mit Ninjasternen oder erstickt sie mittels seiner finessenreichen Ausrüstung. Gnade gibt es in diesem Film nicht. Deutlich wird dabei bei aber, dass Gewalt keine Lösung sein kann, da sie dem Helden schlußendlich nichts Gutes bringt und ihn nur vorantreibt (Reporter am Ende: Hol' sie dir) noch mehr Menschen seine Selbstjustiz spüren zu lassen.

Schauspielerisch stellt der Film größtenteils zufrieden. Ben Affleck schlägt sich als depressiver Held überraschend gut und kann seinen Charakter recht gut in Szene setzen. Leider gelingt es ihm aber kaum im Zusammenspiel mit Jennifer Garner richtige Gefühle zu zeigen, so dass er im Endeffekt eine doch recht auswechselbaren Schauspieler abgibt, da ihm als Blinden oder Maskenträger seine Stärken als Everybody's Darling (Pearl Harbour, Armageddon) hier keinen Nutzen bringen. Viel besser kommt da Colin Farrell als Bulls-Eye daher, der zwar starkes Overacting betreibt, aber merklich Spaß an der fiesen Figur hat und diese auch sehr gut verkörpert. Während Jennifer Garner nur ein, zugegeben sehr netter, Augenschmaus ist, darf sich Michael Clarke Duncan als Kingpin dank Stimme und Körperbau auf weitere ähnliche Rollen freuen.

Fazit:
Düstere, ungewöhnlich harte Comicadaption mit einem etwas anderen Helden und einer bekannten Sory, die aber das Problem hat, zu wenig Action zu bieten und sich zu ausführlich an einer unglücklichen Liebe aufhält. Vielleicht besitzen mögliche Fortsetzungen die nötige Balance zwischen Action und Charakterdarstellung.


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