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Brazil (1985)

Eine Kritik von Achanjati (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 13.02.2007, seitdem 660 Mal gelesen


Der kleine Beamte Sam Lowry, winziges Rädchen in der von mancherlei technischen Störungen und regelmäßig auftretenden Befreiungsattentaten geplagten Maschinerie eines kapitalistischen totalitären Staates geriert sich wie ein Geisteswisschenschaftler in einem Mathematikseminar: er macht seine Arbeit irgendwie und träumt, wenn es nur eben geht, vor sich hin. Mit einer dazu passenden Häme macht er sich die Mathematik schließlich dienstbar, um die Frau seines Herzens und seiner grauwandigen Tagträume zu finden und wendet sich letztlich gegen den an Zahlen- (und bes. Zahlungs-) tracht prachtvoll ausgestatteten Polizeistaat, wird selbst zum Terroristen und landet damit den eigentlich größten Coup staatsgegnerischer Aktivitäten...oder war es doch nur ein Traum?

Brazil ist ein selbstironischer, teils etwas überzogener und mitunter ins Alberne abdriftender Film, der den Zuschauer mit einer dichten und trotz aller Übertreibungen durchaus glaubwürdigen Atmosphärizität umfängt.
Vielleicht ist es auch gerade die innewohnende Komik, die Brazil von den vielen anderen anti-nazi und anti-fascho Filmen (wie z.B. der Namensgeber einer bekannten Volksverblödungsserie) abhebt und eigentlich viel eher dazu geeignet ist, Totalitarismus fühlbar nahe zu bringen, die ihm innewohnende Bedrohung (SWAT-alert und Folterei) als auch dessen wesenseigene Lächerlichkeit (z.B. Formulare) zu vermitteln. Bei „Big Brother“ bspw. fehlt, von den Liebesszenen abgesehen, die Menschlichkeit, was beim Zuschauen zwar das Gefühl des Schreckens, aber eben auch ein Gefühl von Entferntheit und des „ja, das wird aber nie so passieren[s]“ erweckt. Bei Brazil laufen jedoch ganz normale, von vertrottelt über aspirantisch und extravagant bis erdmännchenhaft agierende Leute herum und das rückt die abzulehnende Welt doch recht nahe an den Zuschauer heran.
Leider sind die Albereien des Films Brazil zwischenzeitlich aber doch so übertrieben, dass sie an amerikanische Sing- und Tanz- und heile-popeile-Welt- Geschmacksverirrungen der 50er Jahre erinnern und den Zuschauer damit unnötig quälen. Obschon...quälen...
Ein weiterer Schwachpunkt ist die doch etwas beschränkte und kindergartensuperheldengestützte Traumwelt des Beamten Low-ry, die wirkt leider doch ein wenig dümmlich.

Nichtsdestotrotz bereitet das Anschauen von Brazil merklich Spaß und man denkt auch später noch in Form einer kritischen Auseinandersetzung darüber nach und das ist wohl ein deutliches Merkmal von Qualität bei Filmen.


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