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Brazil (1985)
Eine Kritik von Bubimann (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 14.07.2011, seitdem 140 Mal gelesen
Ach ja, es gibt doch nichts schöneres als unsere über alles geliebte Bürokratie. Ist es nicht wunderbar das wir für allen möglichen Mist irgendeinen Wisch ausfüllen dürfen der hinterher sowieso auf direktem Wege in den Müll wandert? Und sind Verträge und AGBs etc. deren Umfang mitunter einem mitteldicken Roman gleichkommen und zu deren Verständnis es fast eines BWL-Studiums bedarf nicht eine großartige Sache? Und ist es nicht toll das wir irgendeiner Behörde schriftlich alles mindestens zwanzig mal mitteilen dürfen und hinterher sowieso keiner von den Sesselpupsern die dort "arbeiten" auch nur je was davon gehört haben will.
Wenn ich an einem schönen sonnigen Tag nichtsahnend durch die Stadt maschiere und riesengroße Plakete entdecke auf denen CDU-Politiker allen Ernstes mit Sprüchen wie "Bürokratie nervt" (Zitat!) werben ist das schlichtweg eine Unverschämtheit die nur aufgrund der scheinbar viel zu verbreiteten mangelnden Kenntnis der Materie vom Großteil der naiven Bevölkerung unseres Landes toleriert wird. Deshalb sollte "Brazil" ein unverzichtbares Brillant im Repertoire eines jeden Filmeliebhabers sein. Der ultimative Arschtritt für alle überzeugten Bürokraten, bei dem der Protagonist ganz demonstrativ in Formularen ertrinkt.
Wer einmal auf die Hilfe eines amerikanischen Krankenhauses angewiesen war wird schnell erkennen das die Seuche Bürokratie ausgerechnet im mächtigsten Land der Erde noch ausgeprägter ist als hier und das ist eigentlich ganz schön fatal. Auch wenn ich nicht über hellseherische Fähigkeiten verfüge weiß ich das es nur noch eine Frage von wenigen Jahren sein kann bis man dort ein Formular ausfüllen darf das man soeben ein Formular ausgefüllt hat welches lediglich dazu dient das man ein Formular bekommt das man auszufüllen hat damit man dieses oder jenes Formular erhält was zwingend erforderlich ist damit man ein Formular kriegt welches es einem erlaubt die Luft an diesem oder jenem Ort zu atmen, dass aber selbstverständlich sofort seine Gültigkeit verliert sobald man diesen wieder verlässt. Der Zeitaufwand und die unglaubliche Menge an Rohstoffen die auch unsere Nation in ihre mehr als überflüssige, ja geradezu bedauerliche Bürokratie investiert zeugt nur zu gut von ihrer Schwäche.
Mit Seitenhieben auf jedes der verbreiteten politischen Systeme kombiniert Gilliam grandios ihre mitunter arg ausgeprägten negativen Aspekte zur ultramissglückten Staatsform als Grundlage für sein 5 Sterne Produkt. Die Folgen eines solchen werden zugegeben sehr überspitzt und phantastisch dargestellt und sind dennoch nicht ganz aus der Luft gegriffen, im Gegenteil. Nimmt man zum Beispiel die unbefriedige Arbeit und die unhaltbaren Lebensbedingungen unter denen Sam Lowry zu leiden hat entsteht ein wunderbares Profil einer Unzahl von Individuuen die es auch hierzulande gibt. "Brazil" ist der Beweis das die Einbuße psychischer Gesundheit mit lebensbedrohlichen Ausmaßen, sei es übertragen auf die Realität nun in Form von Depressionen, Alkoholismus oder wie auch immer, keineswegs genetisch bedingt sein muss, sondern in aller Regel durch Einflüsse von außen entsteht.
Wer dies beim Betrachten dieser ebenso kreativen und turbulenten wie pessimistischen Dystopie der Spitzenklasse nicht erkennt müsste eigentlich schon fast blind sein wenn man mich fragt. Nun muss man diesen "Sehbehinderten" natürlich je nach Erfahrung mit dem Medium Film die wahrlich unkoventionelle Machart ihres einer genialen britischen Komikertruppe entsprugenen Schöpfers zugute halten. Wenigstens bleibt diesen Menschen nach "Brazil" ein von Ary Barroso schon lange vor der Geburtsstunde des Films einmalig erschaffter Ohrwurm.
Wie trällerte die bezaubernde Tracyanne Campbell doch einst so schön: Let's get out of this country. I'll admit I am bored with me. I drowned my sorrows and slept around. When not in body at least in mind. In diesem Sinne...
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