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Radioactive Dreams (1985)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 23.11.2009, seitdem 591 Mal gelesen


Nach seinem „Conan“-Verschnitt „Talon“ begab sich Albert Pyun zum ersten Mal auf das von ihm so oft beackerte Gebiet des Endzeitfilms.
Im Jahr 1996 bricht hier also der große Atomkrieg aus, worauf zwei Väter sich mit ihren Jungs in einem Atombunker verziehen, soweit also die erste, in Brauntönen gehaltene Szene. Nebenher klären ein paar erklärende Texttafeln den Zuschauer ein wenig über den Atomkrieg auf, wobei vor allem die Tatsache erwähnt wird, dass eine Nuklearwaffe nicht abgefeuert wird und diese dann in der postapokalyptischen Welt der Machtfaktor Nummero Uno werden wird – dreimal darf man raten, was später im Film wichtig wird.
Zeitsprung ins Jahr 2010, in dem die beiden Jungen nun zu jungen Männern herangereift sind und sich vor allem mit Pulpliteratur gebildet haben. Phillip Chandler (John Stockwell) und Marlowe Hammer (Michael Dudikoff) nennen sie sich, halten sich für Detektive und ziemlich naiv glauben sie, dass die Welt so ist wie in ihren Romanen beschrieben. Die Väter sind fort, doch dann können die beiden die Bunkertür öffnen. Dieser Part des Films ist gänzlich in schwarz-weiß gehalten, mit dem Öffnen der Tür beginnt der Farbfilm.

Von da an stelzen Phillip und Marlowe durch die Endzeitwelt, stoßen dabei auf Mutanten und Gangs, die bald hinter ihnen her sind, da die beiden unwissentlich jene Schlüssel besitzen, mit denen man die letzte Atomrakete starten kann…
Bei Albert Pyuns zweitem Film könnte man annehmen die Kreativität sei etwas durchgegangen – falsch, sie ist direkt Amok gelaufen. Neben dem klassischen Endzeitszenario voller Mutanten und den ganzen Referenzen gen Film Noir und Detektivgeschichte gibt es noch ein wenig ’fish out of the water’-Comedy, wenn die Jungs versuchen ihre Maßstäbe an die Endzeitwelt abzulegen; werden sie dabei auf die Realität eingenordet, dann ist das wiederum Coming-Of-Age-Geschichte. Darüber hinaus ist „Radioactive Dreams“ auch noch ein Musikfilm, in dem 80er Jahre Rock en masse gespielt wird, man den verschiedenen Gangs beim Feiern und Tanzen zusehen darf und zum Schluss legen selbst die beiden Helden dann noch eine Tanzeinlage im Stil der 50er Jahre aufs Parkett – das muss man beinahe gesehen haben.

Allerdings nur beinahe, denn trotz seiner trashig-überfrachteten Art läuft „Radioactive Dreams“, wie so viele Filme Pyuns, auf eine reine Verfolgungsjagd hinaus, in diesem Falle allerdings eine der weniger spannenden. Alle paar Minuten entpuppen sich scheinbare Freunde als Verräter, es tauchen irgendwelche neuen Bösewichte auf oder eine Mutation, die wie eine Kreuzung zwischen Riesenratte und Nessie aussieht, lugt mal eben aus der Kanalisation hervor. Keine Zeit für Atempausen, für einen wirklichen Spannungsaufbau oder nachvollziehbare Plottwists allerdings auch nicht.
Actionmäßig ist hier – trotz Schützenhilfe von Rick Avery – nicht so furchtbar viel los, denn meist rennen die Heroen eben nur weg. Erst im Finale legt Pyun dann wirklich los, lässt ein für die Budgetverhältnisse recht ordentliches Shoot-Out los, das fast komplett in Slow Motion abläuft, aber trotzdem echt ziemlich gut ausschaut. Neben den paar Make-Up-Effekten und dem Kanalisationsmonster wohl das teuerste am Film, aber irgendwie hat es sich gelohnt.

Albert dreht ja auch gerne mal den absoluten Mördertrash, doch häufig kann man ihm Talent und Stilwillen nicht absprechen – so auch hier. Nicht nur die verschieden inszenierten Einleitungsteile zeugen von Kreativität, sondern auch die Ausnutzung der sichtbar begrenzten finanziellen Mittel. Zum ersten Male taucht hier der Name Brick Bardo auf, in diesem Falle handelt es sich hierbei noch um eine unwichtige Nebenfigur, doch das ist nur der erste von vielen Brick Bardos in Alberts Schaffen.
Michael Dudikoff stand ja gerade frisch davor mit „American Fighter“ zum Actionhero zu werden, denn später hätte er diese Rolle wohl kaum angenommen: Ein bubihafter Typ, der andauernd vor Feinden wegrennt und dabei auch noch weibisch kreischt. Das wird dann auch overactend dargebracht, da ist einem Joe Armstrong als schweigsamer Typ doch irgendwie lieber. John Stockwell, später Regisseur von „Blue Crush“, „Turistas“ und dergleichen, schlägt sich da etwas besser, ist aber kaum markant. Geht den meisten Akteuren aber so, selbst George Kennedys Auftritte vergisst man schnell wieder.

„Radioactive Dreams“ ist schon ein ziemlich abgefahrenes Ding, zu schrill um zu langweilen, zu wenig stark in irgendeinem Aspekt um wirklich gut zu sein. Für Pyun-Fans definitiv eine sehenswerte Kuriosität, kein Ausfall, aber auch kein Referenzprodukt des Mannes.


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