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Loch in der Stirn, Ein (1968)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 30.04.2007, seitdem 945 Mal gelesen


Obwohl Giuseppe Vari mit „Rocco – Ich leg' dich um“ seine Qualitäten als Italowestern-Regisseur zweifellos unter Beweis stellte, setzte er dem Publikum mit „Ein Loch in der Stirn“ wenig später einen ziemlich lustlosen Genrevertreter nach Schema F vor, der ein bekanntes Erfolgsrezept denkbar ineffektiv nutzt, nie eine eigene Dynamik entwickelt und den Zuschauer von der ersten Minute an auf eine harte Geduldsprobe stellt.
Dabei hatte speziell Genre-Maestro Sergio Leone hatte wenige Jahre zu vor mit „The Good, the Bad and the Ugly“ aufgezeigt, wie brillant man eine derartige Schnitzeljagd im Westerngewand aufziehen kann.

Vari fehlen dafür leider das Talent, ein gutes Drehbuch, aber auch die richtigen Kerle. Denn vor allem der blasse Hauptdarsteller Dragomir 'Gidra' Bojanic („Rocco - Ich leg' dich um“, „Django - Den Colt an der Kehle“) glänzt mit einer stoischen Miene, die weder Coolness noch Abgebrühtheit ausstrahlt, sondern allenfalls seine Teilnahmslosigkeit ausdrückt. Dass es dem Griesgram an Charisma und markanten Gesichtszügen fehlt, macht seine Fehlbesetzung komplett. Der Rest des Casts steht ihm dabei aber in Nichts nach, sondern gibt sich gleich noch austauschbarer.

„Ein Loch in der Stirn“ gibt sich von Anfang an viel Mühe den verrätselten Plot zunächst nichts preiszugeben, erntet dafür aber nicht das erwartete Zuschauerinteresse, sondern fragende Blicke wann das Szenario denn endlich in die Puschen kommt. Ein Spannungsbogen existiert kaum, auch weil ein eine einheizende Eröffnungsszene ganz gespart wird.
Bill Blood (Bojanic) reitet, reitet und reitet extensiv durch die Botanik, kehrt bei Mönchen ein, lässt es sich dort gut gehen und trifft dann endlich auf einen sterbenden Mexikaner, dessen letzten Worte den Stein dann endlich ins Rollen bringen.
Raubgut aus Alamo im Wert von 100.000 Pesos wartet nur darauf eingesackt zu werden. Der Plan dorthin befindet sich auf drei Spielkarten, die als Ganzes den richtigen Weg zeigen. Selbstverständlich befinden sie sich in den Händen mehrerer zwielichtiger Gestalten, die sich alsbald gegenseitig übers Ohr hauen wollen, um allein abzukassieren. Bill positioniert sich freilich zunächst an der Seite eines starken Verbündeten, um auszuharren und die Situation zu überblicken.

Das andauernde Katz- und Mausspiel zwischen den mexikanischen Rivalen (u.a. Claudio Undari) fördert natürlich neue Koalitionen und wortbrüchige Partnerschaften zutage, die am Ende wieder mit Blei aufgelöst werden, bis der Letzte als lachender Dritter aus der habgierigen Meute hervorgeht, um abzukassieren und davonzureiten.Dafür muss er zwar ordentlich einstecken und sich foltern lassen, seine guten Taten vorweg, bringen ihm aber die rettenden Verbündeten ein.

Inszenatorisch fällt Vari dabei nicht viel ein. Seine Regie ist ganz im Gegenteil äußerst bieder, statisch und nie um attraktive Szenen bemüht. Sein Schauspielermaterial geht ihm aber auch genauso wenig zur Hand wie der Retorten-Score Roberto Pregadios („Seine Kugeln pfeifen das Todeslied“, „Django - Unerbittlich bis zum Tod). Denn die Lustlosigkeit des Komponisten schlägt den Bildern meistens schwer aufs Gemüt.
Als noch schlimmer erweist sich aber das einfallslose Drehbuch, dem prägnanter Zynismus nebst grimmigem Humor fehlen und das ruhig eine Spur düsterer hätte ausfallen dürfen, um „Ein Loch in der Stirn“ zumindest eine Handbreit Nihilismus einzutrimmen. Aber dafür müsste hier mehr passieren und damit sind nicht die Dialoge gemeint, denn geschwätzt wird genug. Nur die Taten sind rar und wenn mal jemand in Aktion tritt, ahnt man es schon Minuten voraus. Da kann selbst das imposante Rattern einer Gatling nichts mehr retten.
Oft genug werden auch Szenen gestreckt, indem länger in der Landschaft oder beim Reiter verblieben wird, als es unbedingt nötig wäre. Die besten Momente sind noch die, die man sich von den besseren Vorbildern abgeguckt hat.

Insgesamt also ein sehr tempoarmer Italowestern, dem es an definitiv an Schauwerten, charismatischen Figuren und vor allem einer spannenden Geschichte mangelt. Insbesondere die Gebärden der rivalisierenden Parteien sind mal wieder von den üblichem Mätzchen (Verräter umbringen, Zivilisten einschüchtern etc.) geprägt. Dass dem ehernen Bill hier noch ein paar Sympathien zustehen, weil er es nicht ausschließlich auf den schnöden Mammon abgesehen hat, sondern auch noch Mönche und Frauen retten will, sollte noch zur Ehrenrettung erwähnt werden, rettet „Ein Loch im Dollar“ aber noch nicht mehr vor der Unterdurchschnittlichkeit. Dafür sind Regie und Drehbuch einfach zu beliebig.


Fazit:
Unspektakulärer, einfallsloser und ganz zu recht relativ unbekannter Italowestern, der keinerlei nennenswerte Attribute besitzt. Giuseppe Vari setzt mit seiner langweiligen Umsetzung, keinerlei Akzente, die austauschbaren Schauspieler gehen offensichtlich schon an die Grenzen ihres limitierten Talents und der absehbare Verlauf nach Schema F wird Genrefans nun auch nicht gerade gesonnen stimmen. Die tempoarme Erzählweise verpasst „Ein Loch im Dollar“ zwar nicht den Gnadenstoß versenkt ihn aber im reichhaltig gefüllten Pool vergessenswerter Italowestern, deren Fließband-Charakter unschwer erkennbar ist.


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