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Legenden der Leidenschaft (1994)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 09.10.2004, seitdem 745 Mal gelesen
Wenn es episch und/oder militärisch geht, dann ist Edward Zwick in seinem Element, so auch bei „Legenden der Leidenschaft“, wenn auch noch nicht ganz so gut wie in seinem Meistwerk „Last Samurai“.
Die Geschichte spielt Anfang des 20. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte von Colonel William Ludlow (Anthony Hopkins), der mit seinen Söhnen und ein paar Bediensteten auf einer Farm lebt. Die Mutter wählt das Exil in der Großstadt, da sie es nicht so gut in der Wildnis aushält. Die Farm ist Dreh- und Angelpunkt des Ganzen und diverse Teile von ihr (vor allem der als Friedhof genutzte Platz auf der Klippe) werden immer wieder symbolträchtig ins Bild gerückt.
Als junge Männer sind die drei Söhne zwar immer noch ein Herz und eine Seele, aber vom Wesen her unterschiedlich: Alfred (Aidan Quinn), der älteste, ist ein kluger und unterkühlter Denker, Tristan (Brad Pitt), der Liebling des Vaters, ein wilder Rebell mit Hobbys wie Jagen und Kneipenschlägereien, während Samuel (Henry Thomas), der jüngste, ein romantisch denkender Idealist wird. Alle Charaktere lassen schon früh Licht- und Schattenseiten erkennen, sodass sich die Sympathien recht gleichmäßig verteilen.
Doch dann lernt Samuel die junge Susannah Fincannon (Julia Ormond) kennen, als er seine Mutter in der High Society besucht, und verlobt sich mit ihr. Er bringt seine Verlobte mit auf die Farm und auch seine Brüder sind von der jungen Dame sehr angetan. Leider fühlen diese Gefühle zu dramatischen Entwicklungen…
Edward Zwicks Familienchronik ist weder heiterer Schwank noch bittere Tragödie, sondern schwankt realistisch zwischen glücklichen und traurigen Momenten der Familie. Dabei macht sich der seelische Verfall der Figuren zum einen an ihren äußerem Auftreten, aber auch immer am Aussehen der Farm bemerkbar: So liegt in den traurigen Zeiten der Tennisplatz (vorher ein Symbol des Glücks) verkommen im grauen Wetter da usw. Auch sehr gekonnt ist das Ende, welches weder eindeutig glücklich oder traurig ist, sondern den Zuschauer mit gemischten Gefühlen entlässt.
Zentrale Themen von Zwicks Film sind vor allem Beziehungen und Liebe, aber selten in idealistischer, romantischer Form. Meist geht es um Verlust und unerfüllte Liebe und wie die Figuren darauf reagieren. Dies führt zu sehr bewegenden Momenten, vor allem Tristan auf Schicksalsschläge mit mehr oder minder gerechtfertigter Gewalt reagiert. Die epischsten Momente von „Legenden der Leidenschaft“ sind sicherlich jene auf den Schlachtfeldern des ersten Weltkriegs und die dramatischen letzten 30 Minuten. Allerdings bietet der Film weitaus weniger kämpferische Auseinandersetzungen als andere Zwick-Werke wie „Glory“ oder „Last Samurai“.
Zudem erzählt Zwick seine Geschichte sehr flüssig, oft kommentiert durch den alten Indianer Ein Stich (Gordon Tootoosis), einen Bediensteten und engen Freund des Colonels, oder durch verschiedene Briefe der Familienmitglieder, die laut vorgelesen das Geschehen untermalen. Dies ist meist spannend, nur ab und zu kann Zwick die Klippe zum Kitsch nicht ganz umschiffen, in erster Linie im Mittelteil. Hier hängt der Film sich ein wenig an etwas zu kitschig geratenen Dialogen auf und bremst sich damit selbst etwas aus. Trotzdem kann „Legenden der Leidenschaft“ seine Spannung fast durchgängig aufrechterhalten.
Brad Pitt ist klar der Hauptdarsteller und schafft es immer wieder das Schönlingsimage, das die Presse ihm immer gern aufdrücken will, zu brechen (z.B. in der Szene mit der Skalpjagd). Seine Leistung ist sicherlich die beste, aber auch ein gewohnt souveräner Anthony Hopkins und ein herrlich kalter Aidan Quinn müssen nicht zurückstecken. Auch Julia Ormond bringt Leben in den Testosteron-haltigen Ludlow-Haushalt und kann sich sehen lassen, während die Nebendarsteller ebenfalls gute bis sehr gute Leistungen erbringen.
Dramatische und unterhaltsame Familienchronik von Edward Zwick, die zwar in der Mitte nicht ganz die Klippe zum Kitsch umschifft, aber trotzdem gutes Gefühlskino bietet.
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