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Copykill (1995)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 10.03.2006, seitdem 768 Mal gelesen
Ausnahmsweise mal kein Serienkillerfilm, der andere Thriller kopiert, sondern ein Thriller, in dem ein Mörder andere Serienkiller kopiert.
Helen Hudson (Sigourney Weaver) ist, wie sie es selbst formuliert, das Pin Up Girl aller Serienkiller, denn niemand steht mit der Erforschung dieses Phänomens so in der Öffentlichkeit wie die Psychologin. Doch bei einem Vortrag mischt sich der von ihr beurteilte Daryll Lee Cullum (Harry Connick Jr.) ins Publikum und überfällt sie auf der Toilette. Das sorgt für einen ziemlich spannenden Auftakt, der wenig zeigt und genau an der richtigen Stelle abbricht, sodass man Helens Rettung nur erahnt.
Polizistin M.J. Monahan (Holly Hunter) und ihr smarter Kollege Reuben Goetz (Dermot Mulroney) stehen derweil vor einem Problem: Jemand bringt Frauen in ihrer Stadt um und hinterlässt keine Anhaltspunkte. Dem Vorgesetzten geht bereits der Arsch auf Grundeis und verbietet die Benutzung des Terminus Serienmörder gegenüber der Presse. Doch der Zuschauer ahnt mit gewisser Häme bereits, dass genau so einer hier am Werke ist, und auch Helen, die seit dem 13 Monate zurückliegenden Vorfall das Haus nicht verlassen hat, kommt über die Zeitung auf den Trichter.
Nach einigen Hinweisanrufen bei der Polizei tauchen dann M.J. und Reuben bei Helen auf und überreden die ebenso scheue wie zurückweisende Expertin zur Zusammenarbeit. Die findet heraus, dass der Killer die Taten anderer Serienmörder nachstellt…
Die Grundidee von „Copykill“ hat es wirklich in sich und bietet mal eine wohltuende Abwechslung im Serienmördergenre. Vor allem nutzt „Copykill“ die Idee des kopierenden Killers mal für eine wirklich stimmige Psychologisierung des Schurken, die wesentlich glaubwürdiger als manch anderer Tick in diesem Genre rüberkommt. Leider fällt jegliche Form von Whodunit flach, der Killer entstammt nicht aus dem Umfeld der Hauptfiguren, sondern ist eine gänzlich außenstehende Person und wird auch recht früh im Film gezeigt.
Doch davon abgesehen ist die Story durchaus ordentlich, bietet ein paar nette Ideen und Wendungen und wartet auch mit gut erdachten Charakteren auf. Vor allem Helen mit ihrem Trauma gibt eine interessante Figur ab, irgendwo zwischen Panik, z.B. wenn sie nur zum Zeitungholen die Wohnung verlassen muss, und Ruppigkeit, z.B. wenn sie M.J.'s Masche durchschaut. Auf Polizeiseite brodelt es, denn M.J.'s Ex-Freund Nicoletti (Will Patton) arbeitet auch da und vermutet stets, dass sie und Reuben was miteinander haben. Leider bleibt dieser Subplot etwas zu unausgearbeitet, ist aber bei einem storyrelevanten Zwischenfall nicht unwichtig und führt zu ein paar überraschend emotionalen Momenten (z.B. das Gespräch von M.J. und Nicoletti nach erwähntem Zwischenfall).
Für die Klasse von „Sieben“ reicht es dann aber nicht für „Copykill“, denn trotz der originellen Grundidee und des recht gut erdachten Plots könnte der Film schlicht und einfach spannender sein. Ein paar Momente bieten echten Thrill (z.B. der Unbekannte in Helens Wohnung) und auch die Morde sind zwar kreativ, aber zurückhaltend wird fast immer nur das Ergebnis gezeigt. Doch leider fehlt es „Copykill“ öfters an Atmosphäre, gerade das Finale ist bloß Standard und kann nicht so recht überzeugen. Die Schlusspointe ist ganz nett, aber wirklich nötig nun auch nicht.
Dafür ist die Besetzung wirklich gut, vor allem Sigourney Weaver liefert als mauliges Psychowrack eine tolle Leistung ab. Holly Hunter zieht ihre Standardnummer als Powerfrau recht gut durch, wirklich gut schlagen sich neben soviel Frauenpower noch Dermot Mulroney und Will Patton. Herrlich verwarzt auch Harry Connick Jr. als hämischer Killer mit deftigen Sprüchen.
Alles in allem ist „Copykill“ zwar kein überragender, aber ein guter Serienkillerfilm auf ungefähr ähnlichem Niveau wie „Der Knochenjäger“ und „…denn zum Küssen sind sie da“. Atmosphärisch diesen beiden zwar unterlegen, aber dafür mit einer originelleren Grundidee.
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